Barcelona (2) – Robert (0)

Barcelona

Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser Stadt. Wie soll man Sie mögen können, wenn Sie einem erneut ein Schnäppchen schlägt? Irgendwann hört man ja auch mal auf zu versuchen, die Katze des Nachbarn zu streicheln nachdem Sie mehrmals kurz davor war, einem den halben Arm abzureißen.

Und trotzdem, mit Barcelona verbinde ich auch schöne Momente. Da gab es bereits 2 berufliche Aufenthalte die es auch erlaubten, die Stadt kennenzulernen. Eine meiner treuesten Freundinnen hat während Ihres Aufenthalts in der Stadt mir bei passender Gelegenheit Schal & Trikot des FC Barcelona geschenkt – nachdem Sie mitbekam, dass ich Sympathien für diesen Club besitze.
Und es ist ja so, als sport-begeisterter Mensch hat man seine Lieblingsmannschaften in den verschiedenen Sportarten und die Sympathie-Teams. Dazu zählt der FC Barcelona.

Ich habe mich auch sehr gefreut, als ich im Mai im überfüllten Oscar Wilde Pub an der Friedrichstrasse das Champions League Finale sah. Barca schlägt das ungemochte Manchester United und trägt den Titel heim.

Bis dahin war alles gut. Dann kam der Sommer – ein besonders heißer, was den Transfermarkt des europäischen Fussballs betraf. Was wiederholt in den Medien zu lesen war wurde bittere Realität – der beste Spieler meines geliebten Inter Mailands wechselt zum FC Barcelona….

Gut, es hätte schlimmer kommen können: Real Madrid oder Inters Stadtrivale, dessen Namen man aufgrund der Bedeutungslosigkeit nicht mehr nennen braucht. Trotzdem war es ein harter Schlag als Zlatan Ibrahimovic zu den Katalanen ging, auch wenn mit Samuel Eto’o ein erstklassiger Spieler zu Inter kam – und im Gepäck viele Millionen.

Aber wer freute sich schon, als Scottie Pippen damals zu den Houston Rockets wechselte? Sympathie war irgendwie da, ist ja auch weiterhin Scottie, aber trotzdem änderte es einiges.

Denn sind wir alle mal ehrlich miteinander, man ertappt sich immer wieder, stiller Fan einer Mannschaft zu sein, weil dort ein ganz bestimmter Spieler spielt – nein das trifft nicht auf die Lakers und Kobe Bryant zu!!

Nach dem ersten Schock freute ich mich jedoch für Ibra und war mir sicher, dass Barca dem einkaufswütigen Real Madrid in dieser Saison noch ins Gesicht lachen wird. Der Feind deines Feindes ist dein Freund. So einfach kanns manchmal sein.

Doch nun macht diese Stadt und der Verein es wieder mit mir. Wieder schnappen Sie sich ein Spieler den ich so gern als Teil meiner geliebten Basketball Franchise gesehen hätte – und mental schon gesehen habe (Stichwort NBA 2k10 Association Mode).

In dieser Woche verkündete der spanische Jungstar Ricky Rubio, dass er sich entschlossen hat, einen Vertrag beim FC Barcelona zu unterschreiben. Damit zeigt er dem Team, dass ihn im Juni gedraftet hat, die kalte Schulter. Und somit auch allen NBA Fans.

Nach der anfänglich spontanen Wut und Enttäuschung stellt man sich dann doch mal die Frage, was die Minnesota Timberwolves da wirklich im Kopf hatten, als sie „La Pistola“ mit dem Pick wählten, den Sie eine Woche zuvor im Austausch für gestandene Spieler von den Washington Wizards erhalten haben.

Mittlerweile hat diese Seifenoper einen ganz anderen Charakter erhalten. Zunächst rügte man Wolves GM, David Kahn noch für seine Entscheidung, mit dem jeweils  5. und 6. Pick einen Point Guard zu draften. Doch sind wir mal ehrlich, der moderne Basketball sieht die starre Einhaltung der Positionen und Spieler mit akurater Größe schon längst nicht mehr vor.

Dies konnte also nicht der Grund sein, warum sich die Situation um Rubio als immer schwieriger erwies. In der ganzen Kontroverse wurde lediglich ein Team mit Rubio in Verbindung gebracht – die New York Knicks. Und dies deshalb, weil ein Ricky Rubio als Knickerbocker weit mehr Werbeeinnahmen erhalten würde als in Minnesota. Ein spanischer 19-jähriger mit Beatles Frisur eignet sich einfach nicht als Lumberjack …
Diese Werbeeinnahmen waren für den komplizierten und gleichfalls hohen Buyout nötig, der an seinen Arebitgeber Joventut Badalona gezahlt werden muss. Dieser betrug rund $5 Millionen und durfte nicht – anders als im Fussball – vom neuen Verein bezahlt werden.

Die Regel sieht vor, dass eine NBA Team bei einem Buyout lediglich $500.000 zugeben darf – den Rest muss der Spieler selbst tragen, um sich aus dem Vertrag herauskaufen zu können.

Durch die „späte“ Auswahl Rubios an der 5. Position ist es ihm also nicht möglich, den Buyout rein durch seinen Veretrag von rund $3 Millionen zu vollziehen. Also müssen Werbe-Dollar von Nike her – die er nur in einem Big Market erhalten hätte.
Gepaart mit der (vielleicht) niedrigen Motivation, von Badalona nach Minnesota umzusiedeln, entschied sich Rubio für den FC Barcelona.

Was soll ich jetzt davon halten? Hätten wir (Knicks) Rubio bekommen können – stelle ich mir die Frage. Neben meines Trade-Szenarios mit den T’Wolves (siehe http://nykjournal.wordpress.com/2009/08/18/worauchististauchfeuer/) ist auch interessant zu sehen, ob ein Paket aus New York nicht attraktiver für Washington gewesen wäre als der finale Deal mit Minnesota:

  • Wilson Chandler, Larry Hughes, Jarred Jeffries

gegenüber

  • Randy Foye, Mike Miller und ein Busticket

Klar, Chandler hätte weh getan … aber Rubio wäre an der 5. Position da gewesen – und wäre definitiv nicht nach Barcelona gegangen, sondern zu den Knicks. Die so umsrittene Point Guard Frage wäre klar gewesen, Rubio hätte in seiner ersten Saison – im System von D’Antoni – bereits ein Feuerwerk abgebrannt und es der Free Agent Class 2010 leicht gemacht, die Unterschrift unter einen Vertrag in Manhattan zu setzen.

Das Team wäre mit einem Schlag nicht mehr nur Durschnitt gewesen sondern hätte einen ersten Glanzpunkt erhalten.

Andereseits ist auch nicht klar, ob es jemals eine Option für die Knicks gegeben hat, den Wizards Pick zu erhalten. Denn am Ende sind dies Spekulationen und die Trauer um einer vielleicht reale Chance, einen Franchise Point Guard für das kommende Jahrzehnt in Blau & Orange zu sehen. Und die Tatsache, dass ein Ausnahmespieler mehr in Barcelona zu Hause ist.

Vielleicht sollte ich mit dem Gedanken spielen, umzuziehen …

– Robert

September 3rd, 2009

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