Bluff oder All-In?

Bluff

Laut diverser Informationen aus dem Umfeld der Liga intensivieren sich die Gespräche zwischen den Denver Nuggets und den New Jersey Nets um einen Trade für Superstar Carmelo Anthony. Diese Verhandlungen sind bereits der zweite Versuch beider Teams, ein Paket zu schnüren, welches den Brooklyn Native nach Newark schicken soll, im Austausch für ein massives Paket an Spielern und Draft Picks.
Basis dieser Neuauflage sei, laut Adrian Wojnarowski (Yahoo Sports), der Trade, den die Nets in der vergangenen Woche machten und welcher nun weitere Draft Picks für Denver in Aussicht stellt.

Obwohl man kontinuierlich nachlesen kann, dass Melo an einem Trade nach Jersey nicht interessiert sei, äußert die Quelle nun einen Umstand, der Camp Anthony durchaus dazu bewegen könnte, die oft zitierte Vertragsverlängerung im Trikot der Nets zu unterzeichnen.
Der neue Umstand – laut Wojnarowski – sei die Tatsache, dass die Nets aufgrund der Anhäufung an Draft Picks lediglich Derrick Favors als Asset verlieren würden. Devin Harris und Brook Lopez würden weiterhin in Newark bleiben, was das Team somit verstärken würde – rechnet man Anthony dazu. New Jersey wäre auch bereit, den Vertrag von Al Harrington mit zu schlucken.

Das Thema Carmelo Anthony bereitet mir große Kopfschmerzen. Zum Einen würde ich nichts lieber sehen, als Ihn in Orange & Blau. Andererseits fiele es mir auch schwer, Gallo, Landry oder Wil gehen zu sehen. Am meisten jedoch möchte ich Klarheit. Dieses Thema soll sich bitteschön schnell erledigen, denn es hält die Knicks nur auf.
Zunächst jedoch die Fakten. Alle die denken, dass Donnie Walsh sich vielleicht nicht genügend anstrengt – die Nuggets wollen mit den Knicks nichts zu tun haben. Ein Trade würde in den Augen der Nuggets einer Kapitulation gleich kommen. Der Star ist allem überdrüssig geworden, aber wir gewähren Ihm seinen Wunsch. Somit ist es egal, wie gut Landry Fields, Wil Chandler oder wer auch immer spielt, Denver ist nicht bereit, Melos Forderungen nachzukommen – in gewisser Hinsicht verhält sich Denver wie ein verschmähter Liebhaber.

Derzeit, so heißt es aus dem Umfeld der Nuggets, wolle man zunächst sehen, wie der Kader in voller Besetzung aufgestellt ist. Es fehlen Kenyon Martin, Chauncey Billups und Chris Andersen. Ein kleiner Teil des Managements hofft immer noch, Anthony zum Verbleib in der Mile High City überreden zu können – und dies mit sportlichen Argumenten.

Greift der Plan nicht, ist man gewillt, Melo zu traden, um Talent und Assets retour zu erhalten. In keinem Fall möchte man leer ausgehen – das haben die Beispiele aus Cleveland und Toronto gelehrt. Und von objektiver Seite muss man einfach sagen, dass ein Paket von Favors, Expiring Contracts und 3 Draft Picks schon der beste (bisher bekannte) Deal ist.
Der Teufel liegt allerdings im Detail. Um diese Story herum reihen sich nun Berichte über mehrere Teams, die durchaus gewillt wären, Melo nur für diese Saison als Leihgabe zu nehmen – mit dem vollen Bewusstsein, dass dieser nicht bleibt. Neben den Dallas Mavericks sind auch die Philadelphia 76ers genannt.

Dieser Umstand bringt natürlich eine vollkommen neue Dimension in diese Situation. Zuvor munkelte man, habe Melo einen Vorteil, da er Trades zu anderen (von ihm nicht favorisierten) Teams torpedieren könne. Melden sich nun jedoch Teams, die Melo lediglich als Leihbasis nehmen wollen und hierdurch ein Salary Dump erreichen (siehe Philly), dann kann Denver aus weit mehr Angeboten schöpfen.
Was bedeutet dies nun für die Knicks? Donnie Walsh bleiben zwei Möglichkeiten:

Overspending

Diese Variante beinhaltet einen Trade von Anthony Randolph für einen Pick mit Team X, welcher dann wiederum in ein Package mit Fields, Gallo und Chandler nach Denver geschickt wird. Donnie traded also alles außer Amar’e, Ray und den Garden selbst.
Sportlich würde man in dieser Saison auf der Stelle treten und sein Glück dann in der Free Agency 2011 suchen, um den Kader zu füllen. Dennoch hätte der Club zwei Franchise Player um die man eine Mannschaft bauen kann.

The Waiting Game

Walsh gibt ein Angebot ab und wartet. Er wartet darauf, dass Denver sich nicht entscheiden kann, Melo wirklich kein Net werden/bleiben will und somit dieser Trade flach fällt bzw. die Rent-a-Melo Teams einfach zu schlechte Angebote machen. Sollte Anthony dann vor der Trading Deadline immer noch in Denver sein, so könnten die Nuggets als letzten Ausweg New York als Trade Partner wählen.

Laut diverser Berichte gibt es Dialoge zwischen den Knicks und den Nuggets – auf Management Ebene hatte man stets eine gute Beziehung. Denver möchte jedoch das Optimum aus dieser Situation für sich selbst herausholen – was vollkommen verständlich ist.
In Anbetracht dessen muss sich Walsh also erneut mit einem Plan B, C und D beschäftigen. Die Baustellen des Teams verschwinden nämlich nicht von allein. Betrachtet man den bisherigen Saisonverlauf ist auffällig, dass Mike D’Antoni mit einer kleinen Rotation weit mehr Erfolg hatte, als andersrum.
Vor allem nach der Niederlagenserie im November war der Coach gezwungen, die verlorenen Spiele wieder aufzuholen. Die Mannschaft liegt solide über .500 – nun ist es an der der Zeit, den Go-to-Guys mehr Pause einzuräumen. Die Bank bietet sich derzeit jedoch mal so gar nicht an, mehr Spielzeit zu erhalten.
Das Enigma Anthony Randolph hält hat – stellen wir uns nur mal kurz vor, er würde sein Potenzial nur ansatzweise zeigen, die Knicks würden noch besser dastehen. In Realität ist Mike jedoch in der Zwickmühle. Er muss die Minuten von Amar’e und Felton runterschrauben, allein die Alternativen fehlen ihm.

Gestern Abend wurde bekannt, dass die Phoenix Suns Center Earl Barron freigestellt haben – Barron erzielte in der vergangenen Saison in 7 Spielen ein Double-Double, was einen Teil der Fans dazu veranlasst zu denken, er wäre der Heilsbringer.
Natürlich bin ich dafür, ihn zu holen, zumal er im System funktionierte – dies beinhaltet jedoch, einen Spieler abzugeben. Die (in meinen Augen) cleverste Lösung wäre, Andy Rautins in diesem Zeitraum in die D-League zu schicken. Die Alternative bestünde in einem 2-for-1 Trade – die Knicks traden 2 Spieler im Austausch für Einen. Somit würde der Platz frei werden. Gehandelt werden derzeit Walker, Mason Jr. und natürlich Randolph und Curry, wobei diese eher für einen größeren Trade reserviert sind. Das berichtete Angebot Duhon-für-Turiaf ist in meinen Augen nicht mal erwähnenswert. Auch wenn Ronny derzeit unsichtbar ist, dieses Angebot ist beinahe beleidigend. Zum Glück ist New York daran genauso interessiert wie ich.
Plan B, C und D behandeln aber nicht nur die kleinen Baustellen des Kaders, sondern auch übergreifendere Maßnahmen zur Verstärkung des Kaders. Der drohende Verlust von Melo veranlasst die Schreiber im Umfeld der Knicks, potenzielle andere Spieler in den Fokus zu rücken.

Alan Hahn vom Newsday Paper stellte erst gestern eine Liste an Alternativen zusammen, die für New York in Frage kämen. Darunter finden sich Namen wie Anderson Varejao, Camby, Jamal Crawford, Andre Igoudala und O.J. Mayo. Daseinsberechtigung hat diese Liste in jedem Fall, denn wenn man auch bei Melo leer ausgeht, müssen andere Spieler fokussiert werden.
Die Knicks benötigen einen weiteren Scorer, der sich seine Aktionen selbst kreieren kann und mit Amar’e funktioniert (Mayo, Iggy). Camby und Varejao passen in das Konzept des großen bösen Big Man neben Amar’e. Schwierig ist hierbei ein Gleichgewicht zwischen Talent, erfüllt unser Anforderungsprofil jetzt bzw. ist eine Langzeitinvestition zu finden.
Auf Basis dessen lenke ich mein Augenmerk erneut auf einen Trade mit den Grizzlies. Nicht nur könnte man O.J. Mayo bekommen (samt seines attraktiven Vertrags), die Grizzlies würden vielleicht auch einen Ihrer Big Men gehen lassen (Darrel Arthur).
Kurzum, Donnie Walsh wird nicht weniger zu tun haben, auch wenn die Mannschaft sportlich weit besser aufgestellt ist als in der gesamten Amtszeit zuvor. Dies spielt Donnie in die Karten, der ja ohnehin als sehr geduldig gilt.

Die Frage nach der richtigen Strategie bleibt also. Geht man All-in und versucht alles, um Melo zu bekommen, oder bleibt man gelassen in der Hoffnung, dass sich diese Situation zum Guten wendet. Ich persönlich bin für den Mittelweg. Sollten die Nuggets bei einem Paket Curry, Chandler (oder Gallo), Randolph und Douglas (oder Azubuike) anbeißen würde ich es tun. Denn wie gesagt, ein Spieler wie Melo ist nicht jedes Jahr zu haben und somit ein heftiges Investment wert. Solange aus der Kategorie Gallinari, Chandler und Fields 66% in New York bleiben, bin ich bereit, einem „Lebewohl“ zu sagen.

Doch irgendetwas sagt mir, dass Denver da ganz andere Pläne hat.

Dezember 22nd, 2010

3 Responses to “Bluff oder All-In?”

  1. Jan Schaknowski sagt:

    Ich bin immernoch für abwarten, aber wie der Trade aussehen würde, den ich mir momentan vorstellen kann, dann zum Schluss. Erstmal nochmal kurz die Fakten die denke ich Konsens sind. Melo will weg aus Denver. Egal ob in der laufenden oder danach als FA. Deswegen wird man bei den Nuggets spätestens zum Allstargame (kurz vor der Trading Deadline) kalte Füße bekommen, und auf einen Deal eingehen den sie jetzt noch ablehnen. Selbst der Umstand das einige Teams ihn auf Leihbasis nehmen würden sehe ich als Vorteil für NY, weil er dann ja auf jeden Fall FA wird, und dann gehe ich nunmal davon aus das er 1000%ig nach NY kommt, und man dann keinen Abgeben braucht. (Es sei denn er gewinnt beim Leihteam nen Ring, obwohl vielleicht gerade dann?!?!???)….iss schon viel Kaffesatzleserei dabei…..

    Nun noch kurz zu der Variante die für mich virtuell als Angebot auf dem Donnie-Schreibtisch liegt, die Denver jetzt noch nicht schluckt, aber zur Deadline vielleicht…!!?!! Das einzige wo ich mir grad nicht sicher bin iss ob das mit den Roster Spots so geht…aber geht bestimmt irgendwie mit inactive List und in die D-League schicken…..

    New York schickt nach Denver:
    – Eddy Curry (um die Dollars auszugleichen)
    – Wilson Chandler (da er im letzten Jahr ist und vermutlich sowieso gehen muss, evtl sogar mit sign&trade…?)
    – Anthony Randolph (ist Quasi der erstrundenpick, der Bengel ist wie alt doch gleich…?)
    – Toney Douglas (erfüllt Mike´s und Robs anforderungen für einen Backup-PG nicht)
    – den Zweitrundenpick, welchen hatten wir doch gleich noch? 2012?
    Wenn man dann noch nen Rautins, Mason Jr. oder (wenns sein muss-denn ich mag sein Spiel sehr!) auch Walker rauflegen muss, dann tut man dies eben.

    Denver schickt nach New York:
    – Carmelo Anthony (und damit hoffentlich den großen Schritt zum Contender!)
    – Shelden Williams (ich bin nur der Spot-auffüller, aber kein schlechter!)
    Ty Lawson werden sie nicht abgeben wollen, den würde ich auch als Backup-PG nehmen….

    Meinungen?!?!!!



  2. Robert sagt:

    Jan für den Trade ein absolutes Co-Sign … wobei ich im Melo Paket wohl auch Chris Andersen nehmen würde …

    Und schmunzeln musste ich bei: „Toney Douglas, weil der nicht Mikes und Robs Anforderungen an einen Backup PG erfüllt“ … 🙂

    Kannst du mal Donnie sagen ich arbeite gern für ihn als Scout. Dann kann ich immer von der Seitenlinie aus twittern … während des Trainings 😉



  3. Doug sagt:

    Hola,

    ich kenne mich mit den ganzen Franchise-manager-zeug nicht aus deswegen ist die Frage vielleicht dumm, aber meint ihr nicht das es besser ist Chandler zu behalten wenn melo kommt? besser fit als Gallo?

    btw. freut mich als 90’s Knicksfan (DEFENSE!), der langsam wieder Lust auf NBA Geschehen hat, diese Blog hier gefunden zu haben.



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