Celtics (110) – Knicks (118)

3feast

Und seine Augen erstrahlten im Antlitz dessen, was sich ihm dort bot und für einen Moment hörte man ihn lachen, den Mann mit dem Schnurrbart … irgendwo in West Virginia. 

Beginnen wir dieses Recap also mit einer Ode an den Architekten einer Offense, die durch seinen Rücktritt zwar verändert wurde, genetisch jedoch weiterhin verwandt ist mit dem System Mike D’Antoni’s.
Die Knicks gewannen die Partie gegen den Erzfeind Boston natürlich auch wegen ihrer delirischen Quote von jenseits der 3er Linie, doch machen wir keinen Fehler. Es war keiner dieser Tage wie 2009 in Memphis oder 2010 in Chicago, an welchen die Knicks ausschließlich wegen des 3ers gewannen. New York spielte Playoff Basketball, zwang den Celtics ihr Spiel auf und konterte anschließend die Versuche des Gegners, die Offense zu Nichte zu machen. Was sich hinter der Maske „19-von-32-aus-der-Distanz“ also verbirgt ist in Wirklichkeit eine neue Identität, die – sollte sie gefestigt werden können – ein Problem für jeden Gegner darstellt.

Mit ein Kritikpunkt an den D’Antoni Knicks war das massive Vertrauen auf den Distanzwurf. Viel zu oft sahen wir dilettantische Versuche, den Gegner über der 3er zu bezwingen, ohne dabei auch klassische Basketballelemente wie den Zug zum Korb oder das Midrange Game zu berücksichtigen. Die Knicks waren ein One-Trick-Pony, welches keinerlei Talent bewies, damit in den Playoffs Erfolg zu haben.
Die Faktoren für den gestrigen Sieg sprechen hingegen eine ganz andere Sprache. Die Knicks nutzen Mismatches. Und sie zwangen den Gegner in Entscheidungen. Back-to-Back gegen zwei der besten Defensivteams der Liga zu spielen ist kein einfaches Unterfangen.
Sowohl die HEAT am Sonntag als auch Boston gestern Nacht begannen ihr Spiel aggressiv und frischer als der Gastgeber. Spätestens, wenn Rajon Rondo seinen ersten Versuch aus der Distanz trifft macht man sich erste Sorgen.
Was Mike Woodson mittlerweile jedoch installiert hat, ist das Vertrauen der Mannschaft in die eigenen Fähigkeiten und ihren All Star und Häuptling, Carmelo Anthony, der seinen MVP Monat unbeirrt fortführt und anscheinend von niemandem aufgehalten werden kann.

Melo schafft Raum und Melo kreiert Mismatches, die für die Celtics schon in den sogenannten Cross-Matches begannen, da Brandon Bass von Melo verteidigt wurde, allerdings ursprünglich auf Fields abgestellt war. Doc Rivers gab nach dem ersten Abschnitt zu, dass man im Wechsel und Übergeben der Gegenspieler Lücken riss.
Diese Lücken wurden erst von Anthony selbst genutzt und dann in Viertel 2 vom „Mobb Deep“, der Bank der Knicks – in persona Steve Novak, JR und Mike Bibby … Mike Bibby(!).

Gefahr laufend, von Carmelo schon zu Halbzeit 25 Punkte zu kassieren, warf Boston Double-Teams auf No. 7 … der Ursprung seiner Triple-Double-Nacht. Natürlich gab es JR Smith 3er, die ihm Aussicht auf die Kapitänsbinde des Irrational-Confidence-Guy-Teams macht, ein Großteil der Distanztreffer waren jedoch herausgespielte, freie Würfe.
Wie jeder Knicks Fan vertraute man der 19-Punkte Führung nicht. Hierfür war die Erinnerung an den Hang, in Halbzeit 2 zu kollabieren, einfach noch zu frisch.

Auch wenn die Celtics, angeführt von Paul Pierce nochmals rankamen, New York kollabierte nicht, sondern modifizierte das eigene Spiel in die Mitte. Tyson Chandler als Pick&Roll Partner war Weltklasse und profitierte von den genauen Anspielen der Herren Anthony, Smith und Bibby(!), die erkannten, wann Boston sich auf den Distanzschützen ihrer Wahl stürzt. Hierdurch ergaben sich in der Mitte Räume, die clever ausgenutzt wurden.
Mike Bibby war der Unsung Hero der Partie, die erneut veranschaulichte, dass Baron Davis jeden Tag Geburtstag haben sollte. Bibby’s Spiel hingegen war konstant und solide, ein Ruhepol, den die Mannschaft nötig hatte und der am Ende sogar eine gute Statline fabrizierte (3 Punkte, 6 Assists, 5 Rebounds und 0 Turnover).

Eine Nacht wie diese, in der nicht nur NY sondern auch Boston exzellent aus der Distanz traf, wird nicht häufig vorkommen. Eine Rückkehr in alte Tage wird es nicht geben. Vielmehr kristallisiert sich nun heraus, dass die Mannschaft, getragen von Carmelo Anthony facettenreich spielen und gewinnen kann während man mit den Sharpshootern Steve und JR eine Waffe besitzt, die in den Playoffs gegen gute Defensiven hilfreich ist.

*** Randnotizen: JR Smith und Steve Novak sind in der NBA Historie die ersten Spieler, die, von der Bank kommend, jeweils 7 Dreier verwandelt haben. *** Tyson Chandler zieht seinen Trend weiter durch und lässt auf (wenig passierte) schlechte Spiele immer ein Gutes folgen. Chandler’s Pick&Roll Game in Halbzeit 2 waren der Schlüssel zum Erfolg (20 Pkt. & 7 Reb.). *** Ein Teil von mir hat sich gewünscht, dass Jorts einen Flying Dropkick auf den, am Boden liegen Rajon Rondo verübt …. nur ein kleiner Teil! *** Der Erfolg der Knicks steht und fällt mit der Reboundarbeit der Guards. Gestern krallten sich Shump, Baron, JR, Landry und Bibbs kollektiv 17 ‚Bounds. *** Bench Scoring: Knicks (55) – Celtics (2) *** Durch die Niederlage Philliy’s zu Hause gegen Indiana sind die Knicks wieder auf Platz 7 vorgerückt. Max‘ Voraussage, dass die Sixers implodieren scheint Spot On zu sein. ***

April 18th, 2012

7 Responses to “Celtics (110) – Knicks (118)”

  1. George sagt:

    Word!

    Meine Lieblingsmomente sind derzeit das Zusammenspiel von Schmidt auf Novak. Wenn er ihm manchmal den Ball nach hinten durchreicht und ihm Platz verschafft. Oder zum Korb zieht und dann den Ball auf ihn ablegt. Ich glaube, Schmidt spielt niemenden lieber an als Novak. Können wir soweit gehen, die beiden als eine Art Gimli und Legolas anzusehen? (You have my Dunk! And my Trey!)



  2. ZacharaisFox sagt:

    toller artikel thx

    ach es macht einfach nur spaß!!!!



  3. Mattes sagt:

    Wie immer super Artikel, ein echt krasses Spiel. Zweites Viertel hab ich echt öfters laut losgeschrien ;D ST3V3 NOVAK 33333 und Foul aus 3 wird 4 😀 geil geil



  4. Andreas sagt:

    Bevor Boring_Frodo, oder wie immer unser „STAT sucks“ Kommentator aus dem letzten Blog hieß, wieder zuschlägt, ja. Ja dazu das Amare der Eine gewesen wäre der auch die Heat vor ein echtes Problem gestellt hätte. Egal wozu sich Woodson durchringt, es wird das richtige sein. Eine Diskussion jenseits aller Luxusprobleme… einen verletzten PG on fire und einen der erfahrensten und einsatzfreudigsten Spieler der Liga… ja Mann, das Team steht ja praktisch am Abgrund! Gäbe es einen Abstieg, die Knicks wären das Kaiserslautern der NBA! Melo, Stat, TC, Lin, Shump… klingt nach BSV Tübingen. Man kann keine drei oder mehr Stars integrieren? Ach? Das erkläre mal einer der Rock’n Roll Band aus Miami…

    Was die Diskussion um die Long Bombs angeht werden sie sich auch wieder umstellen müssen, je nach Defense Konzept des Gegners und das sie das können haben sie oft bewiesen. Wenn ihnen Teams den Platz geben um zu zielen dann werden sie es auch weiter tun. Alles andere wäre doch bescheuert. D’an hat hauptsächlich DAS lange genug trainieren lassen, ich fürchte es steckt noch im Blut! 🙂

    Das Spiel gegen die Nets war eine Offenbarung… Melo brennt lichterloh. Der Mann hat Spaß und Kollegen die ihm weder etwas missgönnen noch gegen ihn agieren. Ich ziehe jedenfalls alle Hüte vor ihm. Und wenn Amare fit ist soll er zurück kommen und Melo als zweite Ofensevariante bereichern. Auch Melo kann nicht 48 min durchspielen, also freuen wir uns drauf… Einer von beiden wird immer treffen! 🙂

    Ist der Divison Title doch noch zu vergeben?



  5. Andreas sagt:

    Die Knicks liegen jetzt bei 15:4 mit Mike Woodson, nicht auszumalen wie die Season gelaufen wäre… ach was solls!



  6. George sagt:

    Ich habe mich die letzten Spiele über selbst dabei beobachten können, wir sehr ich das Team derzeit mag. Im ersten Viertel denke ich schon immer mit Vorfreude daran später noch Schmidt, Novak und Jeffreys zu sehen. Und Mustachio. So rundum zufrieden war ich glaube ich schon lange nicht mehr, dass ich die Spieler gleichermaßen wegen ihres family-values (aka from the heart) und ihrer Fähigkeiten mag.

    Und dann war da eben dieser Alanis-Morissette-Effekt: a black fly in your Chardonnay.
    Nächste Saison ist die halbe Familie – mehr oder minder restricted – free agents:
    Landry, JLin, Schmidt, Novak, Jeffries, Jorts, BoomDizzle plus noch ein paar Vettern-zweiten-Grades.

    Einschätzungen dazu und die Möglichkeiten mit Blick auf unsern Sellerie würden mich interessieren. (Ausführlich – aka Rob – hat das natürlich noch Zeit, erstmal ziehen wir gemeinsam in die Playoffs. Aber generell. Hm.)



  7. Jan sagt:

    Kann mich der emotionalen Einschätzung von George nur anschließen! Es fühlt sich momentan richtig gut an ein Knick zu sein, wie lange ist das her! Gegen Chi-Town und Boston dachte ich während der Spiele öfter: „…geil, genau wie inne 90er…“.

    Ein Sorgenkind habe ich dennoch, die Offense stagniert mir zuviel! In den Playoffs reicht das dann einfach nicht wenns gegen starke defensiv-Teams geht. So schön wie das Dreierfeuerwerk anzuschauen ist, und die Dreier sind ja wirklich (wie von Rob beschreiben) wesentlich besser herausgespielt als unter Mike, aber man braucht einfach auch Set Plays die points in the paint bringen. Das läuft momentan zu wenig (abgesehen von den & Rolls von Tyson!).

    Aber erstmal Robs Recap zu den nets lesen…



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