Die Konsequenzen für die Knicks aus Jason Kidds Karriereende

20130605

Kein anderer Spieler hat in den Playoffs derart polarisiert wie Jason Kidd. Seine letzte NBA Saison endete in ungewöhnlicher Art und Weise. Denn nachdem der künftige Hall of Famer und NBA Champion gestern sein Karriereende vermeldete, bleibt die jüngste Erinnerung in den Köpfen der meisten Fans hängen.

Zu Unrecht wurde Jason Kidd hart kritisiert. Nun, nach nur einer Saison als Knickerbocker müssen wir uns wieder verabschieden von einem Spieler, der dem Team und der Saison seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat. In seiner Art und Weise. Für mich kommt sein Karriereende viel zu früh und in einer Situation, in der die Knicks keinerlei Profit schlagen können.

Die Charakter-Frage

Es gibt sehr wenige Spieler, die man als No-Brainer bezeichnet, sobald sie mit dem eigenen Club in Verbindung gebracht werden. Als Jason Kidd im Sommer letzten Jahres bei den Knicks unterschrieb, sah ich ihn nicht als Trostpflaster für Steve Nash und Jeremy Lin.
Ich sah ihn als echte Konkurrenz um die Starting Point Guard Position. Wer Jason Kidds Karriere verfolgt hat wusste genau, was der mittlerweile 40-jährige zu Papier bringt. Hochtrabende Statistiken suchte man bei ihm seit Jahren vergebens.
Umso mehr war Kidd eines dieser all umfassenden Puzzlestücke, die in der Lage sind, aus einem unausgereiften Kader einen Meisterschaftskandidaten zu machen. Kidd war smart, verantwortungsvoll und erfahren genug um genau zu wissen, welches Skillset er zur Verfügung stellt – Führungsqualität.

Bis zur Verletzung von Raymond Felton kurz vor Jahresende war der Backcourt der Knicks eine Augenweide. Die Mannschaft spielte grandiosen Basketball, angeführt von Kidd, der seine Rolle abseits des Balls fand, allerdings stets dann das Zepter schwang, wenn es notwendig wurde.
Der Sieg in San Antonio, das zweite Spiel in Brooklyn … Kidd traf in der Saison wichtige Würfe, darüber hinaus war er jedoch in der Lage zu erkennen, wann der Ball zu Carmelo Anthony musste.

Spät in der Saison gab es eine Statistik die die Wichtigkeit von Pablo Prigioni im Spiel Carmelos aufweist. Melos +/- ging immer dann durch die Decke, wenn er mit Pablo auf dem Feld stand. Nun, die Rolle übernahm Kidd, bis er aufgrund von Feltons Verletzung um die Jahreswende herum verheizt wurde.
In den Folgemonaten hin zu den Playoffs war Kidd offensiv nicht mehr der Alte, in den Playoffs dann ein Schatten seiner Selbst und damit Ziel der Frustration und Wut über das Ausscheiden der Knicks.

Zunächst, mir war es stets egal, dass Kidd 0-27 aus dem Feld war. Sein Spiel brachte andere Elemente in die Partie, die nach seinem Shooting Slump samt Druck von außen, seine Minuten zu kürzen, dann allerdings ebenfalls verschwanden.
Ich hatte die Hoffnung, dass Kidd im Sommer auftanken und mit mehr Hilfe im Kader in der kommenden Saison erneut angreift, um seine Frühform aus der Saison länger konservieren zu können.

Nach nur einem Jahr Jason Kidd muss ich mich nun wieder von ihm trennen, was mir sehr schwer fällt. J-Kidd war einer dieser Spieler. Er war eine Identifikationsfigur für mich und Lehrer für Shumpert und JR.
Sein Weggang lässt mich spontan einiges vermissen.

1) Diese Präsenz und Führungsqualität, seine Intangibles und Fähigkeit, ein Spiel ohne Scoring oder Stats zu beeinflussen.

2) Ein Point Guard

In meiner Story aus der letzten Woche sprach ich den Mangel der Knicks auf der PG Position an. Ray allein ist zu wenig, Pablo fraglich und selbst mit Kidd hätte ich Glen Grunwald gebeten, den Fokus auf die „Eins“ zu setzen.
Ohne Kidd ist die Hand der Knicks nun noch mehr gezwungen. Ob nun via Draft oder (eher typisch für Woodson) via Free Agency, die Knicks müssen Kidds Ausfall so gut es geht kompensieren.

Die Salary-Cap-Frage

Das Salary Cap der NBA ist nicht leicht zu verstehen, darum folgende Infos schnell und klar:

  • Kidd’s Vertrag waren $9,27 Mio. auf drei Jahre verteilt. Kidd entschloss sich tatsächlich, seine beiden letzten Jahre komplett abzugeben.
  • Dies mindert das Salary der Knicks von rund $74 auf &71 Mio.
  • Da die Grenze bei wohl $58 Mio liegen wird, ist klar, dass Kidds Rücktritt keinerlei Einfluss auf die Free Agency hat.
  • Dies gilt auch für die eigenen Free Agents Copeland, Pablo, Kenyon und JR. In JRs Fall sind die Knicks mit und ohne Kidd in der Lage, Smith entweder 175% seines ursprünglichen Vertrags (von $2.8 Mio) zu zahlen, oder 104% vom durchschnittlichen NBA Gehalt.
  • Erst im nächsten Jahr wird Kidds Entscheidung positive Auswirkungen auf das Cap Space der Knicks haben.

Die Draft-Frage

Nach Kidds Bekanntgabe berichten einige Beatwriter vom neuen Fokus der Front Office, im Draft einen Point Guard oder Big Man zu ziehen. Bevor wir in diese Diskussion eingehen sei gesagt, dass die Knicks in den letzten Jahren sehr selten das taten, was Draft Experten für richtig hielten.
Im letzten Jahr gab man seinen 2nd Round Pick einfach ab – auch aufgrund der Tatsache, dass einfach niemand brauchbares vorhanden war. Mit dem 24. Pick in diesem Jahr kann man einen Rotationsspieler finden, ähnlich wie mit Iman vor zwei Jahren.
Des Weiteren perfektionierte Walsh die Fähigkeit, einen Zweitrunden-Pick zu kaufen. Cleveland (an 31 bzw. 33), Houston (an 34) bzw. Portland (an 39, 40 & 45) kommen in die Auswahl.

Je näher wir dem Draft am 27.6. kommen, desto stärker werde ich auf die optionalen Kandidaten für die Knicks kommen. Nur so viel sei gesagt – aufgrund der Kreativität Grunwalds, aber auch der nötigen Veränderungen der Kaders kann ALLES passieren. Ein Shumpert, Chandler gehen für einen Star, ein Knicks geht für einen Pick oder der eigene Pick + Spieler geht für einen andern Pick oder Spieler.
Folgendes wissen wir aber jetzt schon:

Via der Knicks PR Abteilung wurde gestern bekannt, dass die Knicks heute folgende Spieler zum Workout einladen:

Isaiah Canaan, Brandon Triche, Deshaun Thomas, Murphy Holloway, A.J. Matthews, Norvel Pelle.

Morgen folgen dann diese Kandidaten:

B.J. Young, Brandon Paul, Reggie Bullock, James Ennis, Romero Osby, Kenny Kadji.

Point Guard Isaiah Canaan (Murray State) ist derzeit ein heißer Kandidat, der allerdings auch noch früh in Runde Zwei da sein könnte. Ob die Knicks nun zocken wollen (sofern Canaan tatsächlich Person of Interest ist) bleibt abzuwarten.


Draft Express Mock Draft sieht derzeit Tony Mitchell als heißen Kandidaten. Mitchells Werte sanken allesamt im letzten Jahr. Viele sehe als Grund jedoch den Coaching Wechsel in North Texas als Grund an.
In den Videos sieht man Mitchells Athletik deutlich. Seine Spannweite und Sprungkraft könnte den Knicks unterm Korb helfen.

Allerdings muss man auch hier abwarten, welche Entscheidungen die Knicks in der Free Agency/Trade Periode machen.
Würde ich lieber Kenyon Martin als Tony Mitchell haben? Ja.

Ebenfalls nicht ausschließen würde ich einen Swingman wie Reggie Bullock, der Carmelo Anthony athletisch auf der Swingman Position helfen kann. Bullock kommt von North Carolina und verfügt über ein sehr gutes Skillset.

Egal welchen Weg die Knicks im Draft einschlagen und inwieweit sie Pablo, Kenyon und JR galten können/wollen, das Karriereende von Jason Kidd kam ein Jahr zu früh. Kidd hätte dem Team in der kommenden Saison ebenfalls helfen können, in welcher Rolle auch immer.
Wie sollen die Knicks dies auffangen können? Denn wie so oft sind wir Gefangene der jüngsten Erinnerung. Jason Kidd war für einen Großteil der Siege (vor allem im November/Dezember) verantwortlich. Hier mein Artikel aus dieser Zeit.

Ist seine Entscheidung vielleicht ein Vorbote eines größeren Umbruchs bei den Knicks, den er einfach nicht mehr mitgehen kann?
Vertraute äußerten sich in dieser Woche zu Jason und verrieten, dass man ihm seine Müdigkeit zum Ende der Saison ansah. Insofern muss man also davon ausgehen, dass Kidd einfach nicht mehr wollte/konnte.
Mir bleibt nun nur die Hoffnung, dass er der Franchise in einer anderen Funktion erhalten bleibt. Kidds Einfluss und Verständnis für Basketball kann den Knicks nur helfen.

Die ersten Veränderungen im Kader finden bereits statt, eher als erwartet. Dass Smith seine Option offiziell vor dem 30. Juni nimmt und Free Agent wird, war klar. Der Rücktritt Kidds hat mich jedoch etwas überrumpelt, da ich den Guard nicht als Grund empfand, warum die Mannschaft gegen Indiana scheiterte.
WENN dieser Rücktritt überhaupt etwas gutes hat dann, dass die Knicks die Point Guard Position nun stärker als von ihnen gewollt fokussieren müssen.

In den kommenden Wochen gehe ich dann mehr auf die Kandidaten aus Draft und Free Agency ein.

Bis dahin

Farewell, Jason Kidd. Allein dieses eine Saison als Knickerbocker hat mich glücklich gemacht. Vielen Dank für diese Monate!

Juni 5th, 2013

12 Responses to “Die Konsequenzen für die Knicks aus Jason Kidds Karriereende”

  1. Thomas sagt:

    Danke für die Saison J-Kidd. Vielleicht haben wir ja Glück und er bleibt den Knicks noch in irgendeiner Weise erhalten, Schaden kann es definitiv nicht.

    Ich bin wirklich unfassbar gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten passieren wird.

    Übrigens ist es bestimmt nur reiner Zufall, dass oben im Bild John Wall der Gegenspieler von Kidd ist?! 😉



  2. Steffen sagt:

    Irgendwie konnte ich die ganze Saison nicht nachvollziehen, dass man einen 40-jährigen (oder paar Tage jüngeren) ständig 30 Minuten und mehr auf dem Parkett lässt. Habe zu Beginn der Runde immer wieder angemerkt, dass dem irgendwann die Körner ausgehen und la voilà! Ich denke auch, dass man JK mit einem altersgemäßen Minutenmanagement und ein paar Spielen Auszeit zwischendurch hätte bei der Stange halten können. Ich finde es einfach verdammt enttäuschend, solch einen Spieler so aprupt verlieren zu müssen. 🙁



  3. Andreas sagt:

    Der Umstand der mich am meisten beschäftigt ist dass es keine Spieler mit seinem Charakter mehr gibt. Und nicht mehr geben wird. Hill, Kidd, Martin… alles Jungs die Vorbild waren. Anführer, Lehrer. Dinosaurier die leider nicht nachwachsen.

    Schade das man, je älter man wird so viele Spieler gehen sieht. Ausgetauscht gegen Söldner die lieber twittern als trainieren. Spieler die austauschbar sind und damit offenbar kein Problem haben. Ewig, ewig schade drum.

    Please give a big hand for an all time all star: Jason Kidd. Bye Bye. Ewig schade.



  4. Derek Harper sagt:

    Nochmal danke, J-Kidd! Auch ich bin sehr traurig, dass es nach einem Jahr schon zu Ende ist.
    Danke auch Rob für den Artikel. Deinen Schlussworten schließe ich mich 100%ig an.



  5. ZachariasFox sagt:

    echt schade das er aufhört… passiert schon selten das mein lieblingsspieler bei meinem lieblingsclub anheuert … vielen dank für die saison und hoffentlich bleibt er uns weiter erhalten



  6. Knicky sagt:

    Schade ich hätte Kidd gerne noch ein Jahr bei den Knicks gesehen, er war eine Ruhepol der Mannschaft und hat viele enge Spiele zu unseren Gunsten entschieden. Aber er hat sich sein Ruhestand auch wirklich verdient.
    Hab das Aus gegen die Pacers jetzt 2,3 Wochen sacken lassen… und nachdem die anfängliche Enttäuschung doch etwas überwog, sehe ich nun das Positive und muss sagen dass ich als Knicks-Fan noch nie soviel Spaß in einer Saison hatte wie dieses Jahr. Ich hab mich in das Roster, ja in jeden einzelnen Spieler verliebt und genoss jedes Spiel. Deshalb bedauere ich jetzt schon dass der Kader wohl etwas auseinander fallen wird. Erfolg ist zwar schön aber auch nicht alles, von daher bin ich mit der Saison auch im Reinen. Hoffe Grunwald schafft es wieder eine geile Truppe zusammenzustellen.
    Nach der langen Saison habe ich jetzt auch so meinen kleinen NBA-Hangover, schaue mir jetzt mit etwas Abstand noch die Finals an….aber will im Moment wirklich noch Nichts von neuen Spielern oder Scouting-Berichten hören.
    Auch nochmal Danke an Rob für die tollen Artikel während der Saison. Ich wünsche allen Anhängern der Knickerbockers ein schönes Sommerloch mit vielen Rumors und Diskussionen rund um die Zukunft der Knicks.



  7. Lence Laroo sagt:

    http://basketball.realgm.com/wiretap/228070/Jason-Kidd-Interested-In-Becoming-Head-Coach-Of-Nets

    Nooooo ich habs geahnt, dass JKidd gleich zu seiner wahren Liebe und zu seinem Kumpel DWill rennt.



  8. thortsch-mann sagt:

    Jetzt ist es amtlich. Jason Kidd wird Chef Coach in Brooklyn.



  9. Andreas sagt:

    Die Anzeichen verdichten sich das es wohl Tony Mitchell wird, aber sagt mal… wollen wir denn Tony Mitchell?

    Einen klassischen Big Men für ein Team mit Point Guard Problem? Stimmt es das ein Trade von TC auf der Agenda steht?

    So langsam beginnt mich die NBA wieder zu interessieren, also sagt mal was. Wen wollen wir? Was wollen wir? 🙂



  10. Grandma sagt:

    Ich denke nicht, dass wir den Draft-pick behalten bzw. die Knicks werden Ihn als Asset für einen Trade benutzen. TC steht zur Debatte, korrekt. Da man Amare nicht los wird und auch Mr. Anthony nicht zum Verkauf steht, muss ein anderer Großverdiener gehen. Die gute Nachricht: Shump bleibt definitiv ein Knick.Ich hoffe Pablo auch



  11. Jan sagt:

    Na ich denn auch mal wieder. Aber eher mit Fragen… woher habt ihr das TC zum Verkauf steht? Und woher das es wohl Tony Mitchell wird? Hab einige anders klingende Berichte gelesen…

    Die Baustellen sind PG, nachdem J.Kidd die Seiten wechselt, SF seitdem Melo starting PF ist und C beziehungsweise Big, richtige Center gibts ja kaum noch. Aktuell unter Vertrag sind STAT, Melo, Ray, TC, Novak, Shump und Camby. Ich gehe eigentlich davon aus das wir die auch alle zu Saisonbeginn im Kader haben. Tyson zu traden macht nur dann Sinn wenn man sowas die Chris Paul an der Angel hat. Sonst sollte man ihn halten, er verkörpert wie kaum ein zweiter im aktuellen Kader was es heisst ein Knick zu sein. K-Mart iss n no-brainer, ich hoffe er bleibt. James White werden wir wohl nicht wieder sehen. Cope wird auch nur schwer zu halten sein, auch wenn ich ihm abnehme das er gerne ein Knick bleiben möchte. Ich hätte ihn gerne weiter dabei wenns denn finanziell gesund bleibt. Hoffentlich bleibt Pablo… da hab ich auch noch nichts neues gehört. Chris Smith wird wohl nur dann ne Option sein wenn man mit Earl verhandelt, aber über ihn kann ich eigentlich nicht urteilen, hab nur die paar summer league spiele für die Knicks von ihm gesehen, da blieb er recht blass. Ob Earl Barron ne Option für die kommende Saison ist wage ich zu bezweifeln, evtl als 15ter Mann oder so. Aber so hat Cope ja auch angefangen… 😉 Q-Rich ist aus meiner Sicht auch keine Optimallösung, aber er wäre keine schlechte „Notlösung“.
    Shawne Williams hat wohl diese Woche n workout für die Knicks…er soll wieder in top-Form sein, war ja nur verletzt in Portland. Könnte ich mich auch mit anfreunden.

    Das erstmal zu denen die mir grad so eingefallen sind. Im Draft wird man wohl auf einen athletischen SF-SG gehen der im optimalfall auch nen corner 3 trifft. Mit Melo auf der vier ist da viiel Raum…



  12. Andreas sagt:

    Die Post, der Bleacher report und der Knicks Blog vermelden das TC eine Trade Option wäre. Ich hätte nix gegen eine Weiterbeschäftigung wenn ich ehrlich bin. Ich bin der festen Überzeugung das er besser ist als der Eindruck der letzten Monate. Zumal alle Beteiligten eben das zitierte PG Problem sehen und nicht die Arbeit unter dem Korb. Auch von dieser Warte aus wäre Mitchell eher nix. Es sei denn sie wollen komplett von vorne anfangen.

    Chris Paul. Tja, was soll ich sagen. Wäre jetzt nicht soooo schlecht. Paul und Felton. Ein infernalisches Duo wäre das. Aber können die Knicks ihn bekommen? Nein. Ich denke nicht. Der Donnerstag wird die Weichen stellen für die Personalpolitik 2014. Ich bin gespannt.

    Warum glaubst Du Cope verlässt das Team? Hast Du da was läuten hören? Ich hab nix gefunden…?! Und schade wäre es dazu. Für mich ein sehr talentierter Perspektivspieler der das Zeug zur Identifikationsfigur in NY hat.



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