Ein andauerndes Experiment

20131101

Head Coach Mike Woodson entschied sich gestern Abend für eine Lineup, die uns alle nur zu gut an Knicks-Pacers Runde 2 der Playoffs erinnerte. Huldigend, dass die Bulls eine Standard Aufstellung fahren, gab Mister Potato-Head der Starting 5 eine Chance, die wir eigentlich schon als Totgeburt zu den Akten legten.
Felton – Shumpert – Melo – Bargnani – Chandler war – entgegen der Fünf aus dem Bucks Spiel – eine größere. Die Abstimmung fehlte sichtlich, die Energie war jedoch da. Der Box Score ist allerdings ein Indiz dafür, dass die kurzfristige Meinungsänderung beim lieben Head Coach aus New York zumindest in dieser Partie „Almost Certain Doom“ war – wie einst in Spiel 4 in Indiana. Erst, als Woody zurück zu seinen Leisten ging (das klingt schmutzig), kamen die Knicks zurück in die Partie.

Das Experiment der Rotation geht also weiter und die Statistiken empfehlen, dass die Knicks nie wieder BIG gehen sollten. Warum diese Lineup allerdings doch eine Chance haben könnte? Folgt mir einfach.

Die Knicks vergeigten das erste und dritte Viertel. Grund dafür war die mangelnde Abstimmung der fünf Herren auf dem Platz und die dadurch entstehenden Turnover, die Chicago zumindest in der ersten Halbzeit in etliche Punkte ummünzte.
Vor allem Bargnani lief teilweise rum wie ein älterer Herr, der sich im Kaufhaus verirrt und nach den rettenden Rolltreppen sucht. Definitiv muss der Coaching Staff eine bessere Arbeit machen, die Spieler einzustellen (was mich zur Frage bringt, was sie im Training Camp gemacht haben). In der zweiten Halbzeit, zur Mitte des dritten Viertels lief es dann allerdings auf ein mal. Mit Bargs und Melo und Chandler lief der Ball besser und schneller. Abseits der Aktion stellten sich die Spieler Picks, aus denen primär Bargnani profitierte. Aus der Bewegung konnte er Abstand zu Noah gewinnen bzw. ein/zwei Mal per Pump Fake an ihm vorbei ziehen und punkten. Dies war nicht nur Bargnani’s beste Phase, sondern auch die der Knicks. Die 9 Punkte des Italieners sind exemplarisch für die Offense die New York in diesen Momenten spielte. Kein Iso-Melo, kein Herumstehen und schlechten Pick & Roll Spiel. Der Ball wurde gepasst, es gab Off-the-Ball Action die Bargs frei machte und sogar Melo fand seinen Teamkollegen für einfache Punkte. Vielmehr erlaubte es Melo, im Schatten des aufspielenden Bargnani zu einfachen Jumpern zu kommen.

Sollte dies das Konzept des Coaching Staffs sein, dann plädiere ich dafür, dieser Lineup mehr Chance zu geben. Ja, die Stats sagen aus, dass die Knicks mit einer kleinen Lineup besser waren, wenn nicht jetzt wann dann gibt man den „neuen“ Knicks mit Bargs denn aber eine Chance sich zu etablieren? Gegen Noah funktionierte das herausziehen recht gut weil die Knicks abseits des Balls miteinander spielten. Gezielt wurde ein Pick gestellt, der Bargnani entweder frei machte ODER das Switching der Bulls erzwang. Und wenn die Knicks etwas benötigen, dann eine zweite Scoring Option neben Melo, der dann auch mal in den Schatten tauchen kann.
Mein Punkt: Die Knicks gaben viel Zukunft auf (3 Picks), um Bargnani zu bekommen und das eigene Spiel zu transformieren. Das dritte Viertel ging nicht 28-23 aus, weil Bargnani auf dem Feld war. Dieser war eher der Grund, warum die Knicks in dieser Zeit im Spiel blieben. Woodson sollte sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. In meinen Augen sollte er die Lineup aus der letzten Nacht beibehalten.

The Good

Bevor ich zu den Gründen für die Niederlage komme, reden wir doch erst einmal von den positiven Aspekten. Tyson Chandler is back! Ohne den Fels in der Mitte hätten die Knicks auch im zweiten Spiel wohl schlecht ausgesehen. Chandler’s Defense ist wieder auf par, sein Rebounding und seine Energie trägt die Mannschaft, dazu kommen Blocks. Auch wenn die Bulls ihm nicht viele Möglichkeiten gaben, so war er dennoch beständig in seinen Offensiv-Aktionen. Auch in Spiel 2 machte Tyson 1 von 2 Jumpern.

Die Offense wirkte zudem ab und an flüssiger. 20 Assists ist ja fast schon ein Grund, zu feiern. 6 davon kamen von Melo. Immer dann, wenn die Knicks sich bewegten und nicht im Isolation oder schlechtem Zeit Management untergingen, war die Offense erfolgreich.

In der zweiten Halbzeit konterte man zudem die desaströse Anzahl an Turnovern aus den ersten 24 Minuten. Es war schön, Amar’e auf dem Feld zu sehen. 5 Punkte in 10 Minuten sind mehr als okay. Ein typisches erstes Spiel für STAT nach langer Pause. Ich bin einfach froh, wenn er auf seinen eigenen zwei Beinen das Feld verlassen kann.
Tim Hardaway Jr. für insgesamt 27 Minuten – ich bin dafür! Auch wenn er ein wenig Trigger Happy wurde, gefällt mir Timmy’s Leistung bisher sehr.

The Bad

Auch gegen Chicago entschied man sich, beinahe alles zu switchen und ballführende Spieler im Midpost sinnfrei zu doppeln.

Das Switching stellt eine große Fehlerquelle dar, da es Vorteile für den Gegner generiert. Viel zu oft war ein Felton auf Deng angesetzt, nachdem die New Yorker D ein mal durchwechselte. Zu Beginn funktionierte die Zuteilung recht gut, schnell fanden die Bulls jedoch die Nahtstellen in der Defense, passten nach einen Switch der Knicks schnell um den Perimeter und attackierten dann den Korb (Lu Deng gerade zu Beginn). Warum Woodson weiterhin darauf setzt, ich weiß es nicht.

Das sinnlose Doppeln, wenn ein Spieler den Ball im Mid-Post bekommt wurde im dritten Viertel offen gelegt – gleich zwei Mal hintereinander. Zwei Mal (!) ging der Ball zu Deng in den Mid-Post vs. Felton. Shumpert, der Rose oben an der 3er-Linie verteidigte, kam aggressiv zum doppeln. NIEMAND rotierte -> Rose traf beide Würfe muttersehlenallein. 6 Punkte in zwei Angriffen. Diese Taktik ist ebenfalls ein Überbleibsel alter Woodson-Tage, die entgegen des minimalen Erfolgs weiterhin eingesetzt wird.

Zu Beginn der Partie waren die Knicks in der Offense sehr unkonzentriert, schmissen den Ball recht häufig weg und fingen sich Fast Break Punkte. Im vierten Viertel war man dann dank gutem Ball Movement wieder dran – ehe sich die Knicks entschieden, wieder zu den North-Hawks zu mutieren und Isolation über Melo zu spielen. Die letzten vier Angriffe vor Rose’s Game Winner waren uninspirierter, träger Basketball. In diesen Momenten verlor New York das Spiel, geschuldet durch die Unfähigkeit, den Ball in dieser Phase laufen zu lassen bzw. ein System zu spielen. (Looking at you Mike Woodson)

Das Switching, das Doppeln und die Isolation haben wir bereits bei den Hawks gesehen, als Woodson dort Trainer war. Same Ol‘ … same Ol‘.

Abschließend muss man der Mannschaft jedoch ein Lob aussprechen, dass sie weder frustriert waren, noch aufgaben und sich zurück in die Partie kämpften. Beide Mannschaften sind noch nicht in Form und benötigen wohl noch 10 Spiele, um runder zu werden. Für die Partie gegen Minnesota erhoffe ich mir allerdings, dass Woodson sich erneut für die neuen Lineup entscheidet – auch wenn dies kurzfristig vielleicht nicht die attraktivste ist.

Was meint ihr?

November 1st, 2013

6 Responses to “Ein andauerndes Experiment”

  1. Big Time sagt:

    Ich bin da deiner Meinung, die Starting-Five find ich auch am Besten. Wenn die Mannschaft besser eingespielt ist, dann könnte ich mir auch gut Artest vorstellen. Mit Stoudemire und Bargnani könnten dann 2 Anführer die zweite Reihe übernehmen.

    Was mir gegen die Bulls gut gefallen hat, dass Anthony endlich mal in anderen Bereichen auffällt. Das er Assists spielen kann, wissen wir, aber 6 Steals? Wenn Anthony diesen Einsatz so beibehält und sich vielleicht noch steigert, könnte er die große Überraschung der Saison werden.

    Was ich echt bedenklich finde, welche Arbeit unser Coaching Team die letzten Wochen gemacht hat, oder was noch viel schlimmer wäre, ob sie es nicht besser können?

    Traurig das unser Team so schlecht eingespielt ist !



  2. Jan sagt:

    Man kann die Sache mit den unterschiedlichen Lineups aus verschiedenen Blickwinkeln sehen. Woody erklärt sie ja durch die unterschiedlichen Gegner, aber sicher ist da auch noch etwas Experimentierphase mit dabei.

    Knackpunkt für die D wird sein wie gut das Team das switchen und doppeln hinbekommt. Glaube nicht das Woody von dieser Taktik nochmal abgeht.

    Das es in der crunch time Iso Melo geben wird ist für mich jetzt keine große Überraschung…auch wenn man da sicher etwas kreativer sein könnte…



  3. Doogie sagt:

    Ich behaupte Woodson wird die heurige Saison nicht überleben!



  4. Jan sagt:

    …wieder eines dieser Spiele das mehr Fragen als Antworten mit sich bringt. Warum der frühe defensive TOTALKOLLAPS? Dann hält und ausgerechnet Bargs etwas im Spiel, zusammen mit Ron, nur um dann in der zweiten Hälfte so gut wie gar nicht zu spielen?
    Melo mit super allaround-game, auch die Quote wurde in der zweiten Hälfte besser.
    Immer wieder kleine comebacks, immer wieder unnötige Fehler.

    Solche offline-streches darf man sich defensiv einfach nicht erlauben. Dazu wieder diese uncharakteristischen Turnovers vergleichbar zu den ersten beiden Spielen…die hatten wir doch letztes Jahr nicht? Wo kommen die denn her?

    Zweite Hälfte stimmte dann die Arbeitseinstellung, man war auf 2 dran…naja, its in the books. Ist schon komisch wenn innerhalb von 3 Spielen die Stärken & Schwächen so stark variiren…weiss nich ob ich mich daran gewöhnen kann.



  5. Andreas sagt:

    64 Punkte in der ersten Halbzeit kassiert? Im Garden? 🙂 Die Konzeptlosigkeit in der Defensive scheint mir im Moment das größte der anzugehenden Probleme zu sein. Aber die Probleme werden von Spiel zu Spiel eher mehr denn weniger. Fragezeichen über allen Bereichen.

    Und ich kann ehrlich gesagt nicht erkennen das Bargnani der war, der die Knicks im Spiel gehalten hat. Lediglich die etwas nachlassende Quote der Wolves war ausschlaggebend. Und das Kevin Love Gnade walten ließ. 🙂 MWP war mein persönliches Highlight in einem Spiel in dem es ansonsten sehr schnell, sehr dunkel war. Ich zittere bereits jetzt um Spiele gegen Charlotte oder Washington.



  6. Lence_Laroo sagt:

    Was für ein furchtbares 1. Viertel … ich war ganz bei den booenden Fans!

    Jan sagt es, dieses Spiel wirft mehr Fragen auf als es beantwortet, aber es sieht mir wieder einmal nach dem bekannten effort Problem aus, denn wenn die Mannschaft will, kann sie auch, haben wir ja in Halbzeit 2 gesehen. Die Defense ist auf jeden Fall das Hauptproblem, denke da sind wir uns alle einig.

    Brooklyn verliert mit 20 gegen die Magic … tröstet mich ein wenig!

    GO Knicks!



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