Europa, das unentdeckte Land

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Seit sich die Globalisierung Ihren Weg in unser Leben gebahnt hat, ist der Alltag eines jeden Menschen der so genannten westlichen Welt verändert. Die (positiv wie auch negativen) Auswirkungen dieses all umspannenden Prozesses der Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation macht vor niemandem Halt.


Jeder ist bereits damit in Berührung gekommen. Wie sehr die Globalisierung unser Leben verändert, habe ich selbst zum ersten Mal im Jahr 2006 realisiert. Ich befand mich in meinem ersten New York Urlaub und ging eines Tags voller Freude und des Moments der Besonderheit bewusst, in den H&M Store an der 5th Avenue.
Das positive Gefühl, sich bald mit dem Fakt brüsten zu können, „ein Sacko von H&M New York zu besitzen“, wich schnell einer kalten und gänzlich unglamourösen Realität. Hätte ich mich nicht schnell selbst erinnert, in Manhattan zu stehen, so könnte dieser Laden, in seiner Aufmachung und dem sorgfältig präsentierten Sortiment, auch glatt in einem der überflüssigen Retorten-Shopping-Center in Berlin zu finden sein.
Die Kleidung war identisch zu dem, was ich des öfteren zu sehen bekam, wenn es mich mal wieder packte und ich durch die diversen Läden striff wie ein Raubtier auf Beutezug.

In diesem Moment begriff ich, was Globalisierung bedeutet. Geprägt durch dieses emotional negative Erlebnis bedeutete es Vereinheitlichung. Diese schnell gefestigte Meinung konnte jedoch allein in diesem Urlaub diverse Mal aufgeweicht werden und wich einer nüchternen Beurteilung dessen.

Die Globalisierung hat positiven wie auch negativen Einfluss auf die moderne Gesellschaft. Sie hilft beispielsweise, Leistungen und Produkte allen Menschen in allen Märkten zur Verfügung zu stellen. Das Internet ist sicherlich ein immenser Faktor für die globale Lieferung an Informationen, Produkten, Diensteistungen und Chancen.

In vielen Bereichen unseres Lebens heißen wir die Globalisierung auch gern willkommen, am Beispiel der NBA sogar früher, als diese bereit ist einzutreffen. Meinen ersten Basketball-Moment hatte ich 1992, im Alter von 13 Jahren. Der Auftritt des ersten und einzig wahren Dream Teams entfachte meine Liebe zum Basketball.

Das dies nicht nur mir so ging erkannte die NBA schnell. In den Folgejahren war die beste Basketballliga der Welt auf einmal in den TV Sendern wie Sat1, Vox oder später DSF vertreten. Die NBA unternahm in der Tat eine große marketingtechnische Anstrengung, ihr Produkt in Europa zu etablieren.
Ging man damals zu Foot Locker oder Karstadt, so fand sich dort Kleidung der Chicago Bulls oder damals noch jungen Charlotte Hornets. Trotz des Merchandisings und steigender Mitgliederzahlen in den Vereinen, fand der Basketball in Deutschland jedoch nie den Umsatzdurchbruch.

Ende der 90er Jahre musste die NBA, basierend auf Marktanalysen, priorisieren. Im Gegensatz zum Fussballland Deutschland entwickelte sich der Basketball in unseren Nachbarländern Frankreich, Italien, Spanien oder England sehr gut.
Frankreich war seither eines der ersten Länder, die Saisonspiele, All-Star Game und die Playoffs live im Pay TV gezeigt haben.

Erst einige Jahre später, zu Beginn des neuen Milleniums, konnte man auch in Deutschland wieder in den Genuss kommen, NBA Basketball live zu verfolgen. Der Pay TV Sender Premiere strahlte wöchentlich 2-3 Spiele aus. Wiederholungen und Zusammenfassungen im Free TV wurden zunehmend seltener und verschwanden bald gänzlich.

Für die NBA und deren mediale Partner lohnte sich eine Intensivierung der Austrahlung an Spielen und Vermarktung von Kleidung in Deutschland nicht. Die Zielgruppe von meist männlichen Interessenten im Alter von 15-35 war an der NBA interessiert, jedoch entweder finanziell nicht in der Lage oder wenig bereit, für die dürftigen Austrahlungen im Pay TV zu zahlen.
Die Akzeptanz in anderen Teilen Europas war da weit höher, somit entschloss sich die Liga, alle Energie auf diese Märkte zu konzentrieren.

Als Resultat geriet der Basketball in Deutschland erneut ins Hintertreffen. Ein Fakt der sich sehr leicht im jahrelangen Mangel an deutschem Nachwuchs erkennen lässt. Nun wäre es gänzlich falsch, der NBA die schlechte Verfassung des deutschen Basketballs anzudichten, dennoch hatten oben genannte Entscheidungen großen Einfluss auf diese Entwicklung.

Im Zuge der Medialisierung, des Internet-Booms und des Bedürfnisses an Information in den letzten 5 Jahren, konzentrierte sich die NBA auf die Länder, die mit einem oder mehr Spielern in der Liga vertreten waren. China, ausgewiesenermaßen der größte Markt der Erde und durch Houston Rockets Center Yao Ming auch sportlich vertreten, ist eine Paradebeispiel der Anstrengungen, die die Liga unternimmt, um das Produkt Basketball zu etablieren.

Zuguterletzt tat die Olympiade in Beijing noch Ihren Teil dazu bei, um den Basketball zu etablieren. Stand heute spielen ca. 15% der jugentlichen Chinesen Basketball – die kommende Zielgruppe. Und wir wunderten uns immer, wer Yao Ming regelmäßig ins All Star Team wählt …

Europa steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt. Die Märkte sind fragmentiert, Zielgruppen unterscheiden sich stark, der NBA ist es daher unmöglich, ein einheitliches Vermarktungskonzept auf Medien -und Merchandisingebene zu finden.
Das Internet schafft daher eine Lösung. Seit ca. 2 Jahren ist es für den gemeinen Basketball-Fan in Europa möglich, Trikots, T-Shirts und Basecaps aller Teams online über einen europäischen Ableger des NBA Stores zu beziehen – natürlich nicht in der gewohnt immensen Auswahl, dennoch weit einfacher als das frühere Konzept mit Zoll und langen Lieferzeiten.

Der Kunde geht nun nicht mehr zum Karstadt Sport seines Vertrauens, um ein Champion Replica zu erhalten, sondern bestellt Shaquille O’Neal Nummer 33 bequem übers WWW.

Kurz vor Beginn der vergangenen Saison ging die NBA dann einen neuen Schritt im Bereich der Ausstrahlung von Spielen. Der NBA League Pass Broadband war in den USA bereits etabliert und ermöglichte die Austrahlung aller Spiele via Stream live über das Internet.
Das flehen vieler Fans im alten Kontinent wurde erhört, der internationale Ableger konnte für $80,00 im Jahr gebucht werden. Über den Internet Stream kann man seitdem alle Spiele live und in der Wiederholung schauen.

Der ILP geht in diesem Jahr in die zweite Runde, verspricht die Kinderkrankheiten (Bandbreitenprobleme, technische Unsagbarkeiten) abgestellt zu haben und wartet mit einem höheren Preis für mehr Leistung auf.
Hiermit hat die NBA erreicht, komplett an regionalen TV Anstalten und Sportvermarktung vorbei, die Spieler und Teams direkt ins Wohnzimmer zu bringen.

Der erste Fuß auf das unentdeckte Land ist also gesetzt, der zweite wird die sportliche Expansion.

Durch die Partnerschaft mit der Anschuetz Entertainment Group (AEG), werden sportliche Events wie die „NBA Europe Tour“ und „NBA goes China“ umgesetzt.
Das diesjährige Exhibition Game zwischen den Utah Jazz und den Chicago Bulls fand nirgendwo anders als in der O² World London statt, wie die O² Arena in Berlin von der AEG gebaut und betrieben.
Diese „vertraute“ Bühne wird genutzt, um laut und offen über die Expansionspläne Richtung Europa zu sprechen.
„Bis 2013 wolle man ein Team in Europa – präferiert London – installieren.“

Eine Fülle an Sponsoren und der Launch des Sportriesen ESPN in U.K. geben diesen Plänen Substanz.
Großbritannien scheint das erste Land in Europa zu sein, dass die NBA Fahne in Europa hochhält. Neben den Büros in Paris und London sollen weitere folgen, z.B. in Afrika.

Damit beginnt für die NBA und deren Fans eine neue Epoche. Die Liga mit Ihren Spielern und Teams  sind nunmehr greifbar und ein Produkt wird zu einer globalen Marke.

Die Globalisierung macht also auch nicht vor dem Sport halt. Manchmal dauert es etwas länger, kommen wird es aber sicher.

– Robert Jerzy

Oktober 14th, 2009
NBA

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