Faced-Off

20130131

Inmitten der Saison fragten wir uns immer wieder, welche Identität die Knicks besitzen. Manchmal wirkten sie wie ein überdurchschnittlich gutes Defense Team, dann wieder wie ein Iso-Melo-Team, die meiste Zeit jedoch zeigten sie uns eine durchmischte Offense aus Pick & Roll, Dribble Drive Penetration und Isolation Basketball.
Diese Art von Offense involvierte jeden Knick und beflügelte somit eine Defense, die sich auf das forcieren von Turnovern und schwierigen Mid Range Jumpern konzentrierte.

Offensiv war man stabil und immer potent, 90 bis 100 Punkte zu machen, während man den Gegner zwischen 85 bis 90 hielt. Dies war die Identität der New York Knicks 2013. Und wir fühlten uns damit besonders wohl im April, als die Mannschaft zu diesem Run ausholte, Awards abräumte und fokussiert in die Post Season ging.

Einen Monat später hat man diese Identität aufgegeben, gleichfalls die Kardinalssünde in einer Playoff-Serie begangen, in der die Knicks sich selbst verleugnen und zum schlechteren der beiden Teams mutieren.

Mike Woodsons Veränderungen in der Starting Lineup sind unverständlich. New York vs. Indiana stand zu Beginn an für das Duell Small Ball vs. Big Men. In den ersten Partien sah man die Effektivität der Dribble Penetration von Felton und Prigioni, in welcher sie Hibbert und Mahinmi zwangen, entweder zu helfen oder den Wurf zuzulassen.
Diese Penetration funktionierte hochprozentig aufgrund der Identität der Offense um dem Vertrauen des Coaches in dieses System, da es Raum kreiert. Stand heute sehen wir einen Trainer, der vom Gegner ganz klar an die Wand ge-coached wurde und falsche Entscheidungen traf, sowohl im festhalten, als auch dem fallen lassen der Spieler.

Fans und Experten zeigen mit dem Finger auf die Reboundstatistik: Knicks: 36 – Pacers: 54.

Diese Rebounds kommen zu Stande aufgrund der schwachen Offense der Knicks (31-87 FG = .356%) und der Double Team Strategie des Coaches. In Viertel 1 waren die Knicks führend in den Rebounds, diesen Fakt könnte man also als Rechtfertigung heranziehen, dass Woodson seiner Mannschaft der Identität beraubte.
Schnell begannen die Knicks dann jedoch, Roy Hibbert im Post zu doppeln, was zur Folge hat, dass die Zuordnungen nicht mehr stimmen. Der Box Out leidet, die Pacers kontrollieren den Rebound an beiden Enden.

Möchte man die Defense als Schwachstelle hervorheben (durchaus nachvollziehbar), dann ist es die Unfähigkeit, die offensiven Gefahren des Gegners richtig einzuschätzen. Die Indiana Pacers gewannen gestern nicht aufgrund Roy Hibbert in der Zone, sondern aufgrund des Guard Plays von George Hill und Lance Stephenson.
George Hill spielte Ray Felton an die Wand, während beide Spieler immer wieder einen Dagger-Three trafen, um den Abstand groß zu halten.

Beispiel: Im Letzten Viertel sind die Knicks dank JR Basket auf -8 dran. In der Defense zieht ein Pacer (George) über die Mitte gegen Smith. Der auf gleicher Höhe stehende Kidd verlässt Stephenson, um zum doppeln zu kommen.
Als Resultat findet George seinen freien Mitspieler, der trifft den 3er.

Die New York Knicks lassen Indiana wie eine offensiv versierte Mannschaft aussehen. In der Tat schaffen es die Pacers, offensive Kniffe des Gegners zu adaptieren (der 3er), ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.
Frank Vogel war bisher stets in der Lage, nach jedem Spiel zu adaptieren. Dies allerdings nicht mittels komplettem Systemwechsel, sondern akzentuiert in bestimmten Bereichen. Dies hätte ich mir von Mike Woodson gewünscht. Anstatt mit Martin & Chandler auszulaufen, hätte ich der Mannschaft gleich zu Beginn das Pick & Roll eingebläut. Klappt es nicht, nun, es sitzen noch einige Big Men auf der Bank.
De facto hält Woodson allerdings an vielen Dingen fest, die sichtlich nicht funktionieren – das Doppeln, was oft in einem freien Wurf mündet, das Switchen, was Mismatches eröffnet und die Unfähigkeit, defensive Zuordnungen anzupassen (JR auf Paul George ist horrende).

Neben der Sturheit, an Dingen festzuhalten, die nicht funktionieren, scheint Woodson allerdings auch gewillt zu sein, einen der Erfolgsgaranten nicht mehr einzusetzen.

Pablo Prigionis Mehrwert: In 72 minutes against the Pacers, the Knicks are +17 when Prigioni plays. They are -20 in the 122 minutes he hasn’t played.

Pablo spielte gestern drei Minuten … Marcus Camby hat in dieser Serie noch gar nicht gespielt. Lassen wir die Tatsache mal außer Acht, dass Camby vielleicht (wie wissen es nicht) beim Rebound helfen könnte, Pablo ist der Inbegriff der erfolgreichen Spielweise der Knicks.
Diese erfolgreiche Spielweise beinhaltet eine funktionierende Offense mit freien Würfen, die erspielt werden. Mike Woodson beschneidet diese Offense. Auch wenn alle auch Kidds Playoff Statistik schauen – der Mann war dann gut, als er als zweiter Guard freie Würfe am Perimeter erhielt. Diese ergeben sich nicht mehr.
Jeder stellt heraus, dass die Defense der Pacers gegen den 3er so gut ist. Ist sie, keine Frage. Aber doch nur, weil die Interior Defense in dieser Serie noch nicht geprüft wurde. Sukzessives attackieren der Zone würde bedeuten, dass die Pacers umstellen, den Fokus mehr auf das Verhindern dieser Attacken setzen müssen.

Ohne Penetration bleiben die Verteidiger an den Distanzschützen kleben – der Novak-Faktor. Funktioniert das System mit Penetration und Iso auf der einen Seite, entstehen die Lücken außen. Diese Identität hat die Knicks zu 54 Siegen gebracht, sie ist nun allerdings nicht gut genug um die Pacers zu schlagen?
Ich nehme nichts von den Pacers weg. Ich finde es überragend wie diese Mannschaft als Einheit spielt. Sie sind klar das bessere Team in dieser Serie. Nicht allerdings vom Talent her, sondern weil die Knicks, samt Coach versagen. Ein Coach, der in der PK keine Stellung zu Prigionis Spielzeit nimmt und lediglich den D’Antoni Spruch von sich gibt: „We have to make our shots.“ Wie denn?

In dieser Serie spielt kein Knickerbocker wirklich gut. Shumpert und Felton mit Abstrichen, dahinter wird es dunkel. Natürlich kann man argumentieren, dass Melo’s sechstes Foul gestern dumm war. Dennoch versuchte er, die Mannschaft am Leben zu halten und war engagiert. Überragend ist jedoch anders.
JR Smith übernahm gestern die volle Verantwortung für die Misere und er ist der einzige, bei dem ich (wie Alan Hahn) Hoffnung habe, dass er nach seinem Statement in Spiel 5 wieder besser spielen wird.
Tyson Chandler ist ebenfalls weit von seiner Form entfernt. Warum der Defensive Player of the Year 2012, der All NBA Defensive 1st Team Center Hilfe beim verteidigen von Hibbert benötigt, erschließt sich mir nicht.

Die Mannschaft ist nicht auf dem Hoch ihrer Leistung, allerdings besitzen sie auch nicht den Coach, der sie aus diesem Loch wieder herausholt und stärkt. Vieles kann noch passieren und die Hoffnung ist da, dass die Knicks ganz tief angekommen sind und Spiel 5 gewinnen, um dann Spiel 6 in Indiana anzugehen.
Es fehlt an so wenigem und dann wieder an so vielem. Anfangen sollte Mike Woodson damit, der Mannschaft ihre Identität wiederzugeben. Schluss mit Rotationsexperimenten, hin zu dem Basketball, der die Knicks so stark gemacht hat.
Scheitert er damit, wird die Saison in New York enden.

 

 

Mai 15th, 2013

14 Responses to “Faced-Off”

  1. Chris sagt:

    Guter Artikel, kann man so nur unterstreichen.
    Wie auch schon in Spiel 3 war der Score am Ende zwar noch halbwegs versöhnlich, gefühlt war es aber auch in Spiel 4 wieder ein Blowout.

    Mike Woodson muss man schwer kritisieren. Martin in die S5, Prigioni gebenched, Nibelungentreue zu Smith, diese nutzlose Doppeln im Lowpost und dieses übertriebene Absinken und Helfen bei jeder harmlosen Penetration, warum?
    Aber noch viel schlimmer, warum merkt Woodson nicht, dass das Ganze nicht funktioniert und verändert mal im Laufe des Spiels etwas?

    Die Knicks sind komplett gefrustet. Ich denke, es ist nach dem nächsten Spiel vorbei!



  2. Jan sagt:

    Rob hat alles gesagt, ich bin bis nach Spiel 5 erstmal ruhig. Und enttäuscht.



  3. Andreas sagt:

    Miami ist durch. Chicago kann erhobenen Hauptes die PO’s verlassen aber sie sind raus. Ziemlich gutes Spiel heute Nacht. Spoelstra hat in wenigen Sekunden die Missmatches erkannt und abgestellt. Jeder Run der Bulls wurde spontan beantwortet. Anderson, Battier, Bosh… Immer war einer da der sich gezeigt hat. Soweit ich weiß nennt man das geschlossen gute Teamleistung.

    Ich hätte gern mal für drei, vier Saisons das selbe Team gehabt. Den selben Coach, den selben Star. Am Ende muss ich erkennen das nicht Melo als Star, sondern diejenigen die sich als zweite Reihe verstehen das Problem sind. Spieler die sich rein hängen spielen nicht. Sondern die mit einem Namen. Einer starting Five die am Ende mit 5 Fouls runter muss, mit Cope, Pablo, Iman oder Kenyon hätte ich verziehen. Diesen schweren Stars ohne Zug und ohne Einstellung nicht. Indiana ist schlagbar. Miami wird es vormachen. In 5.

    Stelle ich mir die Frage nach dem Coach? Ja. Wir haben ihm auch einiges zu verdanken. Der Grundgedanke den er verfolgt passt zum Team und im Prinzip auch zum Kader. Aber er ist nicht DER, der uns ins Finale führen wird. Spieler können und dürfen Fehler machen. Coaches nicht. Ein guter General verliert nicht den Kopf, er leitet, führt, beruhigt und trifft Entscheidungen. Ich kann Woody gut leiden, will NY einen Titel sollte man aber Phil Jackson fragen.

    Ihr dürft mich morgen oder wann auch immer an den Pranger stellen und mit Obst bewerfen wenn die Knicks dann doch die nächsten 3 Spiele gewinnen…. Ich habe allerdings nur sehr, sehr wenig Angst davor.



  4. Lence Laroo sagt:

    Sehr gute und Analyse Rob !!! Ich machs wie Jan *duckundweg*

    GO Knickerbockers … don’t let the playoffs end like this!



  5. Erol sagt:

    Für heute Nacht. #believe #Knickstape



  6. Andreas sagt:

    Na da schau mal an… Copeland mit 19 Minuten und für mich der Matchwinner. 😀



  7. Grandma sagt:

    Mike Woodson nach dem Sieg im 5ten Spiel:

    „Wir müssen jetzt schnellstens herausfinden, wie wir auch in Indiana gewinnen können. Ich wünschte mir, dass ich genau wissen würde, woran es liegt“.

    Muss man sein Hilflosigkeit noch weiter kommentieren? Ich tippe auch, dass es nicht seine Idee Pablo und Cope wieder Spielzeit zu geben. Allerdings frage ich mich was da mit Camby läuft. Auf dem Papier würde er uns super helfen. Krank sieht er nicht aus und für die Bank hat man Ihn nicht eingekauft. Was ist Woodsons Problem mit Ihm?



  8. Knickson sagt:

    Freunde, lasst uns jetzt alles negative, alle Kritik vergessen! Für dieses 6te Spiel müssen wir zu 100% hinter unserem Team stehen! Und zwar hinter jedem einzelnen Spieler und dem Trainer! Wir haben den ganzen Sommer Zeit, um zu kritisieren, jetzt ist es für uns Zeit an unser Team zu glauben! C’mon Knicks!!



  9. Grandma sagt:

    okay! Ich bin ja schon ruhig. Aber im Sommer lass ich die Bombe platzen 😀



  10. Knickson sagt:

    hahaha, alles klar!

    Wir brauchen jetzt ne geschlossene FANleistung! 🙂



  11. Jan sagt:

    Naja, da war doch wenigstens etwas Knick pride zu erkennen. Müssen dafür immer erst Ewing & Starks am Spielfeldrand sitzen? Kann doch nich sein?!?!! 😉

    Doch, es war schon Woodys Idee auf Cope & Pablo zu setzen, hatte er ja angekündigt. Wenigstens das war mal ne gute Entscheidung. Vielleicht muss ich tatsächlich wieder meinen Satz aus der Saison rausholen, der den 16-2 Lauf zum Ende der Saison gestartet hat, damit jetzt in den Playoffs was ähnliches passiert: Manchmal musste eben erst ganz unten gewesen sein um nach ganz oben zu kommen…

    Kann man jetzt diese Leistung aus Spiel 5 in Spiel 6 hinüberretten? Spielen wir annähernd gut haben wir eine Chance das Spiel zu gewinnen. Punkt. Weiter schau ich erstmal nicht, one game at a time…
    Was man nicht übersehen darf: 3-4 min vor Schluss waren se nochmal auf 4 oder so dran, kommt da dann noch n falscher call im falschen Moment dazu ist es fast wieder ausgleich. Obwohl ich das ganze Spiel über ein gutes Gefühl hatte hätte man das Ding dann auch noch verlieren können…

    Jetzt ist glaube der richtige Zeitpunkt um die Refs mal wieder zu kritisieren, bei einem Spiel wo es keinen Unterschied gemacht hat weil die Fehlentscheidungen auf beide Seiten ungefähr gleich verteilt waren, und sie den Spielausgang in dem Sinne nicht beeinflusst haben. Vielleicht sollte ich auch gar nicht auf die Refs losgehen, sondern auf die die die Richtlinien zum pfeifen machen, die den Refs sagen wie sie zu pfeifen haben.
    Ich will jetzt keine Endlose Debatte lostreten weils ja auch n ermüdendes Thema ist, aber ich hoffe ich bin nicht der einzige dem das aufn Keks geht, und der das so sieht.

    …ach ja, und Reggie geht mir mittlerweile auch ganz schön aufn Zeiger, quatscht immer wieder die gleichen Phrasen, boa dat nervt!



  12. Derek Harper sagt:

    Wie kann einen Miller nicht schon seit immer nerven??? Finde ich ziemlich übel, dass er überhaupt diese Serie kommentieren darf, auch wenn er seine Subjektivität nicht raushängen lässt, trägt er sicher ein gelbes Trikto unterm Anzug.



  13. Jan sagt:

    @Harp: ja, haste ja Recht, Grundsätzlich isser natürlich Totfeind. Was mich eben besonders nervt ist das er wohl nur 4-5 Phrasen im Kopf hat die er immer wider runterrattert… das er die Serie kommentieren darf kann ich aus TV-Sender Sicht schon nachvollziehen. Jeff van Gundy darf ja auch ab und zu, und der iss ja dann naturgemäß eher pro Knicks…



  14. Derek Harper sagt:

    Mir ist das Duo Breen / JVG mit beiden Partnern deutlich lieber, denen hör ich gerne zu, Miller und auch Harlan kann ich nicht ab.
    Aber viel schlimmer sind ja die ganzen Homer bei den Regionalen (Sixers, Raps, Celtics, …), da sind wir mit Breen und Clyde echt gesegnet!



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