Knicks (111) – Celtics (115)

Game Recap

Die Essenz der gesamten Partie kann im Grunde auf die letzten Minuten der regulären Spielzeit plus Verlängerung herunter gebrochen werden. De facto befinden wir uns beim Matchup Boston Celtics vs. New York Knicks derzeit noch in der Rolle des kleinen Bruders.
Und solange Team D’Antoni nicht den Swagger und Willen beweist, den die alten Celtics kontinuierlich bewiesen, wird der Gameball immer an Grün gehen.

Dabei fühlte ich mich mit 1:30 min. auf der Uhr noch richtig gut. Die Knicks begannen die Partie furios und beendeten sie gleichermaßen zielstrebig. Dazwischen unterbrachen viele Wechsel in der Rotation (aufgrund von Fouls) und etliche Turnover den Spielfluss, was es den Celtics ermöglichte, nicht nur zurück in die Partie zu finden, sondern auch das Heft in die Hand zu nehmen.
Vor allem über die Turnover muss gesprochen werden. Einerseits sah man spektakuläre Aktionen des Teams wie den eingesprungenen Pass von Davis in die Ecke auf Novak, andererseits jedoch fahrlässige Pässe im Fast Break.
Über mehrere Minuten im 2. Viertel warfen die Knicks den Ball entweder weg oder versuchten (grundlos) den schnellen Abschluss. Dies war vordergründig für einen 5 statt 15 oder 18-Punkte Abstand zur Halbzeit.
Die Knicks hatten die Kontrolle über die Partie, gaben sie dann jedoch im 3. Viertel komplett ab. Hierbei muss das Team einfach mehr Konstanz durch Disziplin beweisen.

Mit -13 beendete man den dritten Abschnitt, welcher in den letzten Minuten durch Punkte von Baron noch kosmetisch verschönert wurde. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir: „8-Punkte Rückstand ist goldwert.“
Die Knicks kamen tatsächlich zurück ins Spiel, allerdings getragen von Jeremy Lin, der aufgrund von Foul Trouble erst spät seinen Rhythmus fand und Iman Shumpert, der in der Defense und Offense einige wichtige und spektakuläre Aktionen hatte.
Erst in den letzten beiden Possessions wurde Melo-Time eingeläutet. Nach seinem letzten Korb zur 1-Punktführung schlich sich das Gefühl ein, dass die Knicks auf Basis eines Gameplans agierten – alle machen Punkte bis auf die letzten Angriffe … das ist’s Melo.

Das ganze Team inklusive Trainer brachte sich jedoch selbst um den verdienten Sieg.

  1. Konstantes Switchen – selbst wenn es nicht nötig war, kreierte es viele Mismatches – auch mit ein Grund, warum Rondo diese Statistiknacht hatte. Nach einem Switch bewies man viel zu viel Aufmerksamkeit auf Rajon, was dem PG ermöglichte, die freien Spieler zu finden — und das Brandon Bass den Midrange Jumper versenken kann ist nicht neu.
  2. Die Auszeit mit 18 Sekunden auf der Uhr. Die Knicks verteidigten zuvor gut, zwangen Pierce in einen Wurf und sammelten den Rebound ein. In Carmelo’s Nähe war niemand … kein Mensch. Logischerweise hält man den Ball, lässt wertvolle Sekunden verstreichen, geht an die Linie, holt einen 3-Punktevorsprung und gibt den Ball mit 14 Sekunden an die Celtics.
    Die Knicks nahmen jedoch eine Auszeit (wohl durch die Spieler) und wurden direkt nach dem Einwurf gefoult – mit 18 Sekunden auf der Uhr. Novak traf zwar beide Freiwürfe, allerdings überließ man Boston mehr Zeit als nötig war.
  3. Kein Druck auf Rondo. Boston warf nach den Novak Freebies unter dem eigenen Korb ein, anstatt Rondo jedoch daran zu hindern, den Ball übers Feld rollen zu lassen, ließ man es zu – wieder wertvolle Sekunden die es den Celtics erlaubte, nach Ballaufnahme sofort ins Setplay zu gehen und am Ende diesen Pierce 3er abzuschicken.
  4. Melo. Es passiert, dass man den entscheidenden Wurf nicht trifft, daran muss er sich ab und an jedoch messen lassen. Er hatte die Aktion, dass 1-gegen-1 und verwarf.

Overtime! Und die Tatsache, dass die Celtics diesen Swagger hatten, um Rebounds und Tips zu kämpfen und nach freien Bällen zu hustlen. In diesen 5 Minuten geht es weniger um Glück oder Pech (wie beim missglückten Amar’e Dunk), sondern um die Tatsache, das Richtige zu tun und bei den Basics zu bleiben.
Hier haben die Celtics einfach einen besseren Job gemacht, was dann auch in der Niederlage für New York besiegelte.

In der Analyse war das Spiel in Boston gestern das einfachste im Vergleich zum anstehenden Road Trip. Natürlich kann man aus der gestrigen Partie auch viel positives ziehen – dennoch ließ mich das Gefühl nicht los, dass New York nicht von den Celtics an einem guten Spiel gehindert wurde, sondern von sich selbst.
Und dies bereitet mir ein wenig Sorge. Das Team und der Coaching Staff benötigen anscheinend doch noch etwas mehr Zeit, um die richtige Mischung für die Rotation und die Offense zu finden. Viel bleibt jedoch nicht.

März 5th, 2012

7 Responses to “Knicks (111) – Celtics (115)”

  1. Knickson sagt:

    @Robert:

    Wow, du malst aber ein schwarze Bild. Hätte ich nicht erwartet. Also ich muss sagen, für mich überwiegen die positiven Teile: Man konnte Melo zum richtigen Zeitpunkt integrieren und seinen Rythmus hat er auch mehr oder weniger wieder/ Das Team reagierte auf Rückschläge als Team und kam zurück/ Auch wenn die Mischung noch nicht ganz stimmt, merkt man, dass diese Spieler zueinander finden werden und meiner Ansicht nach sich ausserordentlich ergänzen.

    Und im Gegensatz zu dir macht mir das weniger Angst, dass wir uns quasi selbst geschlagen haben. Ganz im Gegenteil, das heisst wir haben es selbst in der Hand.

    Bei den Fehlern, die sie begangen haben stimme ich dir vollkommen zu! Ich schreibe dies jedoch der eigenen mangelnden Erfahrung, der Übererfahrung der C’s und des kochenden TD Gardens zu.

    Danke für den schnellen und kompetenten Bericht!



  2. Robert sagt:

    Hey Yves, mein Bild ist vielleicht eher dunkel-dunkel-grau 🙂

    Vielleicht ist meine Erwartungshaltung auch einfach zu schnell zu weit oben … von einem New Yorker Team erwarte ich eben ein kantiges, nervenstarkes Spiel und gestern hat man gesehen, dass dieser Mangel ein wenig den Unterschied ausgemacht hat.

    Natürlich hast du vollkommen recht, es allein in der Hand zu haben, ob man gewinnt oder verliert ist besser als andersrum. Und die Spieler müssen eben noch zueinander finden.
    Ich habe Angst vor einer gewissen Mentalität, die sich teamweit einschleichen könnte und eben nicht 100% abruft, wenn es denn nötig ist.
    Ist wie gesagt nur ein Gefühl – ich hoffe das bewahrheitet sich nicht.



  3. Knickson sagt:

    Auch ich hätte lieber dieses kantigere, nervenstärkere „Ewing“-Team! Versteh mich nicht falsch, auch ich kann nicht verstehn wie zB Pierce am Schluss noch diese Chance erhält etc! Ich versuche nur positiv zu bleiben, jetzt wo wir mal was positives haben…….

    Deine Ansprüche und Erwartungen kann ich nur zu gut nachvollziehen, muss mich auch immer wieder ein wenig in meinen Erwartungen stoppen und mein Hirn mit Geduldsparolen zu zuschütten 😉

    Vielleicht kritisiere ich das Team nicht so scharf und objektiv wie du, weil ich grosses Freude für dieses Team empfinde und diese gegenüber allem verteidige 😉



  4. Robert sagt:

    Ich habe derzeit auch viel Spaß an der kompletten Mannschaft, deswegen möchte ich z.B. gar einen Trade sehen. Grundsätzlich sehe ich immer viel Potenzial, um bald noch besser zu spielen.



  5. Grandma sagt:

    Den Dreier am Ende macht aber auch nicht jeder! Die Veteranen haben halt noch was drauf. Man hätte gewinnen können, aber solche niederlagen gehören zur Entwicklung des Teams. Die Overtime hätten wir in NY gewonnen!

    Es war ein schönes Spiel 🙂



  6. Rookie sagt:

    Hallo erstmal!
    Durch die angenehme Uhrzeit hatte ich auch mal wieder das seltene Vergnügen ein Knicks-Spiel live und in voller Länge zu sehen. Und ich muss sagen, ich fand das Spiel eigentlich ziemlich geil. Die einzelnen Runs beider Teams, wie die Knicks über ihre Bank (*kaum zu glauben, wenn man 1 Jahr zurück denkt*) im 4.Viertel zurück kamen und wie die Stars das Spiel am Ende in die Hand genommen haben und die Entscheidung gesucht haben. (Ok, die unendliche Turnover-Saga auf beiden Seiten zwischendurch sei mal ausgeblendet.)
    Aber irgendwie habe ich mich die ganze Zeit gefragt, warum die Knicks am Ende des 4.Viertels bei 3 Punkten Vorsprung nicht Rondo foulen und ihn an die Linie schicken und den Celtics so gar nicht die Chance auf den 3er zu geben. Hat mich ein wenig an den Türkoglu-Dreier gegen D bei der EM erinnert. Da die Knicks eigentlich ein gutes Freiwurf-Team sind, hätte man doch auch so die Entscheidung suchen können, oder?



  7. Grandma sagt:

    @Rookie

    Ja, so hätte man eine Entscheidung erzwingen können und man hätte es am ende in der eigenen Hand gehabt! Aber, wahrscheinlich hätte Pierce dann den Dreier mit 0,8 sek auf der Uhr versenkt 😉

    keine Ahnung was der coach vorgegeben hat, im Endeffekt hat es nicht zum Sieg gereicht.



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