Philosophie, Ego und eine Hoffnung die keine war

Phil

Nach drei Jahren endet die Ära von Phil Jackson in New York. Was wie ein Neustart wirkte, war final mehr vom gleichen.

Der Ruf eilt stets Voraus. Als Phil Jackson und James Dolan 2014 das Podium im Madison Square Garden betraten und in einer Pressekonferenz die neue Zusammenarbeit verkündeten, flammte Euphorie im Big Apple auf. Die New York Knicks befanden sich in den letzten Zügen einer schwachen Saison, in der sie nach 54 Siegen im Vorjahr in alte Verhaltensweisen zurückfielen. 

Nach dem Ausscheiden in den Playoffs 2013 gegen Indiana, ein Schlusspunkt hinter die erfolgreichste Spielzeit seit 1997, traf die Franchise mehrere fatale Entscheidungen. Management und Trainerstab befanden sich seit Jahren in fortwährender Umwälzung. Knicks-Jahre fühlen sich an wie Hundejahre. 2012 passierte Linsanity, Mike D’Antoni war der Headcoach, Donnie Walsh der Präsident. In der 54-Siege-Saison stand Mike Woodson an der Seitenlinie, überließ Ray Felton den Aufbau und hatte Glen Grunwald hinter sich. Die Veteranen Jason Kidd, Kurt Thomas, Marcus Camby, Kenyon Martin und Rasheed Wallace waren maßgeblich für den Erfolg dieses One-Hit-Wonders verantwortlich. Keiner von ihnen war noch an Bord.
Inmitten der Folgesaison, die 37 Siege produzierte, häuften sich die Desaster und Gerüchte über eine Rückkehr von Isiah Thomas. Phil Jacksons spontane Verpflichtung, ein Traum vieler über mehrere Jahre, war die emotionale Erlösung aus einem bevorstehenden Horrorszenario, das dem Anhänger keinen Ausweg aus der immer währenden Qual impliziert hätte. Die Knicks scheinen seit der Übernahme von James Dolan vor 17 Jahren mit Gift infiziert. Gift, das einen Alltag unmöglich macht. In solch einer toxischen Umgebung ist ein Antigen überlebenswichtig. Jackson, zweimaliger NBA-Champion mit den Knicks als Spieler, stellte dies dar. Erfolg, Renommee und New Yorker DNA. Seine spirituelle Verbindung zu seinem alten Coach Red Holzman und den Championship-Teams der 70er Jahre war das lang gesuchte Licht. Wie oft wurden die Knicks der 70er und 90er herbeigeschworen, während die Anhängerschaft den Ist-Zustand beklagten? Die Meinungen über die künftige Ausrichtung – Rebuild oder Playoff-Push – gingen auseinander. Die Frustration über das Mismanagement vereinte. Phil Jackson sollte in seiner Rolle für Stabilität, Respekt und den alten Geist sorgen. Denn wenn den New York Knickerbockers etwas fehlte, seit den Jahren von Jeff Van Gundy, dann Identität. Donnie Walsh konnte dies nicht schaffen. Phil Jackson besaß den geeigneten Ruf und erhielt von Dolan die Carte Blanche, um die Franchise neu auszurichten. 

Dieses Ziel hat er nie erreicht. Objektiv brachte Jackson die Knicks auf einen besseren Weg. Drei junge Talente im Kern mit Kristaps Porzingis, Willy Hernangomez und Frank Ntilikina. Dazu $16 Millionen Cap Space – eine Wunschvorstellung in den Zeiten von Eddy Curry, Jamal Crawford und Jared Jeffries. Abseits der sportlichen Fakten, zu denen auch drei Spielzeiten mit insgesamt 80 Siegen gehören, hat Jackson versagt. 

In der aktuellen Landschaft der NBA steht die Zukunft weit über dem Hier und Jetzt. Gute Beziehungen, das Netzwerk sowie smartes Scouting und wirtschaften sind essentiell. Gut geführte Organisationen heben sich vom Morast ab. 

Es wurde nie deutlich, wo Phil Jackson in dieser neuen NBA wirklich steht. Seine Entscheidung, die Kommunikation mit den Medien und der Öffentlichkeit abzubrechen, lud Gerüchte und Meinungsmache ein. Wenn er selbst keine Story produziert, tun es die Medien und die Fans. Hierbei spielt es keine Rolle, ob Jacksons Ego zu groß war oder die Triangle Offense veraltet ist. Scharmützel wie diese waren nie zielführend. Bei aller Emotion und Leidenschaft, das Pflichtenheft stand an oberster Stelle. Aus den Knicks eine respektable und zukunftsfähige Franchise machen. 

Phil Jackson alterierte die Taktik in seiner Amtszeit mehrmals. Playoffs und Rebuild wechselten sich kurzfristig ab. In seiner ersten vollen Saison sagte Jackson, er wolle die Fehler alter Administrationen nicht wiederholen. Die Abkürzung zum Erfolg die nachweislich in einer Sackgasse endet. Zwei Jahre später kam er von diesem Weg ab, als Derrick Rose und Joakim Noah nach New York geholt wurden. War es der Druck von innen heraus, Ergebnisse abzuliefern, oder die Fehleinschätzung, mit diesem Kader in die Playoffs zu marschieren? Trotz der Verträge von Noah und Anthony manövrierte Jackson die Knicks raus aus der finanziellen Havarie. Die (langsam schwindende) Hoffnung in dieser Off-Season bestand in den Lippenbekenntnissen des 71-Jährigen aus dem April. Der (nun jetzt wirkliche) Neuaufbau um Kristaps Porzingis herum. Im selben Atemzug riss Jackson mit seinen Worten allerdings die Säulen ein, die seine Vision von der Franchise tragen sollten. Die Lagerbildung innerhalb der Mannschaft war längst abgeschlossen. Die Organisation verkam mal wieder zur Witznummer. Ruderlos trieben die Knicks in Richtung Draft Lottery. Ein Konzept, das zweifelsohne das richtige ist für einen Standort, der sich schon viel zu lange auf den Lichtern des Broadway und den geschäftlichen Möglichkeiten der Metropole ausruhte. Spätestens 2010, als der Sales-Pitch für LeBron James geografische Vorteile und den Madison Square Garden als Spielstätte hervorhob und spielerische Elemente hinten anstellte, muss New Yorkern klar geworden sein, dass der Big Apple überschätzt ist. 

Der Aufbau über den Draft und kluge Verträge war und ist der richtige Weg. Jacksons Umgang mit Carmelo Anthony und die überbordende Frustration innerhalb der Organisation ließ das Drama um Porzingis entstehen. Anstatt das Fundament zu gießen, zündete Jackson den Zement an. 

Auch wenn ein Großteil der Anhängerschaft die Entlassung Jacksons feiert, richtungsweisend ist sie nicht. Wir alle befinden uns wieder am Startpunkt. Eine erneute Reißleine, gezogen von selben Hand, an der nun auch Jacksons Blut klebt. Phils Intentionen waren stets die richtigen. Seine Einwilligung auf Carmelo Anthonys No-Trade-Klausel war wirtschaftlich falsch. Menschlich hingegen nachvollziehbar, wer Jacksons Art kennt. Volles Commitment und das Vertrauen auf die Motivation aller Involvierten, an den gleichen Zielen zu arbeiten. Sein Umgang mit Melo war nicht gerechtfertigt. Seine Kritik an Anthony ist deckungsgleich mit dem, was die Öffentlichkeit schon seit Jahren vor Augen geführt bekam. Jacksons Kommunikationsstrategie war ein Desaster und kontraproduktiv zu seinem Aufgabenfeld. Bis zuletzt bestand Hoffnung, dass die New York Knicks in diesem Sommer Entscheidungen treffen, die zurück auf den angestrebten Weg führen. Die Beziehung zu Porzingis kitten, mit Anthony einen Deal finden, sowie klug im Trade-Markt und in der Free Agency agieren.

Phil Jacksons Entlassung nur wenige Tage nach dem Draft und vor der Free Agency stellt all das in Frage. Bis auf die Situation um KP. Carmelo Anthony hat die Fede unter Zuhilfenahme des Eigentümers (?) gewonnen. Zurück auf Start. Und ein Ende einer weiteren Hoffnung, die keine war. Bleibt Melo nun in New York? Von der Anhängerschaft als kleineres Übel gefeiert. Wie weit geht die Freude über Jacksons Weggang, während unklar ist, ob die Planung für das Team mit ihm geht? Was kommt danach? Wer kommt? Steve Mills, der bereits vor Jackson an Bord war, wird bleiben. Werden Namen wir Jeff Teague und Kyle Lowry nun prominenter, als ein Trade Rubio/Lee und der Versuch, günstige Verträge und einen Trade für Anthony zu finden? Der heutige Tag mag für viele Freude und Erleichterung bringen. Schlussendlich war Phil Jackson nie das, was sich alle erhofften. Ein Kommunikator, ein Basketball-Genie und eine Größe im Sport, die den Unterschied machen kann. Daran ist er selbst Schuld. Doch morgen, wenn die Fragen beginnen, wenn die Gerüchte überschwappen, sollte niemand automatisch annehmen, dass nun alles besser wird. Es wird anders, mal wieder. Anders, und doch immer wieder gleich.

Juni 28th, 2017

5 Responses to “Philosophie, Ego und eine Hoffnung die keine war”

  1. Erol sagt:

    Same old shit…
    Wenn wir jetzt Pech haben wird das ab sofort richtig häßlich.
    Ein Glück das wir KP, Hernangomez und Ntililkina haben.
    Phil haben wir überstanden, jetzt muss nur noch Melo weg. Dem haben wir ja die
    ganze Misere zu verdanken. Ich bin gespannt was als nächstes auf uns zukommt. ¯\_(ツ)_/¯



  2. civ sagt:

    da klingt so viel resignation bei rob durch…

    soll man eher traurig sein oder wütend? wahrscheinlich beides. es stimmt eben doch: das leben ist eine komödie für jene, die denken, eine tragödie aber für jene, die fühlen.

    und ein ziel ohne plan ist auch im big apple leider nur ein wunsch.



  3. Chazz79 sagt:

    Ich sehe das ganze durchweg positiv, außer Porzingis, war da nur Mist! Sorry! Und ich bin mir nicht sicher ob Porzingis der Franchise Player sein kann. Ok warten wir ab, wie Porzingis in einem doch hoffentlich neuen System jetzt aufspielen kann.

    Habe gerade Stephen A. Smith mir angehört. Er ist auch der Meinung, wie ich:-), dass Mark Jackson zurück zu den Knicks kommen sollte. Vielleicht hat der genauso wenig Ahnung wie ich, was ziemlich zu treffen könnte. Aber, die GSW verdanken die Team D, Jackson, das sagen die jetzt noch immer!!! Mein Wunschszenario wäre, Mark Jackson Coach, Jeff van Gundy als GM, Präsident oder wie auch immer!

    Ich denke wir können mit Porzingis, Willy, Frank N. kann man starten! Ich bin gespannt was jetzt mit Melo passiert. Eins ist so weit klar für mich Knicks oder Cleveland! Aber bei einem Trade kommt nichts bei herum, da hilft nur buyout. Und wenn wir schon bei nem Buyout sind, dann müssen wir auch gleich Noah rauskaufen. Wenn dann richtig Herr Dolan!!!!

    Also noch mal, so nen Jeff van Gundy, fände ich perfekt und Jackson, beide sind eng verwachsen mit NY. Jackson war es nie, auch wenn er aktiv ein Knick war.

    Bei der Free Agency gibts jetzt eh nichts großartiges zuholen. Man sollte in den kommenden 3-5 Tagen, Coach, GM und Präsident(falls die Position sein muss) klären! Und dann über Trades und Free Agency nach denken. Auch was mit Melo ist, sollte man vom Coach abhängig machen. Ich persönlich würde nicht mit Jeff in die neue Saison gehen. Das lag nicht an der Triangle, dass wir besonder im Januar viele viele Spiele in den den letzen paar Possesions abgegeben haben!!!! Da hat mir einiges gar nicht gefallen!!! Und auch so viele Runs von den Gegen zugelassen haben! Ein Viertel hat oft das ganze Spiel gegen uns entschieden. Neee sorry….

    GO NY GO NY



  4. thortsch-mann sagt:

    Ich muss ehrlich sagen, ich weiß gar nicht, was ich für die FA erwarten soll. Ich hoffe, die Knicks machen nichts dummes. Keine Überbezahlung, keine langen Verträge … Damit wäre ich schon zufrieden. Große Namen werden eh nicht kommen. Und das ist auch gut so.

    Holiday würde ich gerne weiter hier sehen. Baker auch. Kommt aber natürlich auf das Gehalt an. Rose muss nicht bleiben, habe da aber schlimme Befürchtungen. Hornacek will bestimmt noch einen schnellen PG haben …

    Denke Tucker wird ein Ziel sein. Hoffe, dass mit Teague ist nur ein Gerücht.

    Hoffe, dass so allmählich Ruhe einkehrt. Habe da aber meine Zweifel.



  5. ZachariasFox sagt:

    Justin Holiday [NYK] wechselt zu den Bulls (2 J. / 9,0 Mio. $)

    schade für denn Preis wäre es völlig ok gewesen

    melo verzichtet wohl auf seine no-trade klausel wenn es nach houston oder zu fen cavs geht

    find es aber sehr gut das man bis jetzt die füsse still halt mal gucken was noch so passiert.



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