Please survive the next 10 days

Quick Shots

Seitdem Nets Inhaber Mikhail Prokhorov sein Team aus dem Carmelo Anthony Rennen zurückzog, ist der Fluch, welcher New Jersey umgab und kräftig mit Niederlagen versorgte, auf den Lokalrivalen, die New York Knicks umgesprungen. Ob der russische Milliardär dies in Betracht zog oder nicht, die Strategie war zunächst genial.
Addition durch Subtraktion … Prokhorov wusste um das unerhört gute Angebot, dass seine Nets an die Nuggets gaben, um den Superstar an die Ostküste zu holen. Prokhorov wusste jedoch auch um die negativen Auswirkungen, die konstante Trade Gerüchte auf die Spieler haben – gerade wenn Sie nicht mal 20 Jahre alt sind. Sein Zurückziehen war somit nicht nur eine starke PR Aktion – denn jeder weiß, die Nets würden an den Tisch zurückkehren, würde Denver nur lang genug auf Knien rutschen – es brachte auch Ruhe in den Verein.

Von dieser Ruhe können die Knickerbockers derzeit nur träumen. Das Rampenlicht der Trade Rumor Szene ist auf den Club aus dem Big Apple umgeschwenkt und wirkt sich auf die Leistung der Mannschaft aus wie der böse Zauberspruch Saruman’s auf König Theoden.
Einen Record von 9-12 weist das Team von Head Coach Mike D’Antoni seit Jahresbeginn auf – wahrlich kein guter Trend für eine Mannschaft, die in den ersten 2 Monaten der Saison so viele positive Aspekte aufwies und die Herzen der Knicks Fans im Sturm eroberte. Und je näher wir der Trading Deadline am 24.2. kommen, desto zerfahrener wirkt diese ganze Situation um einen Club, der gerade dabei ist, sich von einem Jahrzehnt Dunkelheit zu erholen. Die filmische Analogie über den König von Rohan könnte auch auf den Owner der Knicks zutreffen, Mister James Dolan. Denn viel zu lang saß er auf seinem Thron und hörte schwach dem Zischen der Schlange zu (please insert Isiah Thomas here). Donnie Walsh, der weiße Zauberer befreite Ihn von dieser schwarzen Magie und tut derzeit alles, das Königreich wieder auf Vordermann zu bringen.

Doch auch er ist nicht in der Lage, seine Spieler von den Einflüssen der Medien zu schützen. Der Lack ist ab und das ach so tolle System des Innovators D’Antoni stark angeschlagen. Meinungen werden lauter, die die Knicks aus dem Dezember als Overachiever bezeichnen – und man selbst bekommt langsam den Eindruck, dass diese Philosophie nur dann Erfolg haben kann, wenn die richtigen Zutaten vorhanden sind (please insert Steve Nash here). Suma summarum befindet sich New York also in einer Situation, in der es nur Spiele gewinnen kann, wenn man außerordentlich gut aus dem Feld trifft – da eine Defense faktisch nicht vorhanden ist. Für diese These kann man das Spiel in Newark bei den New Jersey Nets als Paradebeispiel heranziehen.
Als ich gestern Morgen vernahm, dass Amar’e Stoudemire verletzt ausfiel, starrte ich fassungslos auf den Fernseher wie das kleine Kind aus dem Poltergeist Film. Die Mischung aus „Auswärtsspiel in Jersey + derzeitige Situation + Stoudemire verletzt“ jagte mir einen größeren Schrecken ein als die Vorstellung eines Faustkampfes mit Ronny aus Jersey Shore.
Zwei Dinge beachtete ich in meiner Fassungslosigkeit jedoch nicht:

  1. Die Sternenkonstellation für ein 3-Point-Bomb-Fest standen (anscheinend) gut
  2. Die Nets können tatsächlich schlechter sein als die Knicks

Die Statistiken des Spiels sprachen alle für New Jersey. Mehr Points in the Paint, mehr Freiwürfe, mehr Rebounds (natürlich) und mehr Fast Break Points. All dies konnte jedoch nichts gegen die 16 Dreier ausrichten, die die Knicks an dem Abend versanken.
Wilson Chandler kehrte aus dem Reich der Untoten zurück und ersetzte Stoudemire in der Offensive wirklich hervorragend. Die Entscheidung brachte jedoch Landry Fields mit seinen 2 Dreiern im 4. Viertel. Dieses Spiel bewies, wo die Knicks (zumindest derzeit) leistungstechnisch stehen. Sie sind nicht mehr die Mannschaft, die wir noch als ärgsten Verfolger der Hawks sahen – derzeit sind Sie in einer Gruppe mit den Sixers, den Pacers und Bobcats. Wird sich dies in 10 Tagen ändern? Wird die Mannschaft nach der Deadline wieder zur alten Leistung finden? Möglich.
Denn derzeit befinden wir uns alle kollektiv in einem Horrorfilm. Eingeschlossen in einem alten Haus welches hinter jeder Ecke einen gemeinen Zombie parat hält der zufälligerweise Appetit auf uns hat. Zielsetzung ist, bis zum Morgengrauen zu überleben … bis dahin kann aber viel passieren.
10 Tage in denen wir glücklicherweise nur noch 2 Spiele erleben werden. 10 Tage bis einer der besten Scorer der Liga nach New York kommt oder die Mannschaft einfach nur punktuell verstärkt wird. It’s „do“-o’clock für Donnie Walsh, aber auch für den Mann, den Walsh in der Trainerposten berufen hat.
Mike D’Antoni’s Schonfrist läuft langsam ab. Mit oder ohne Melo, das Ziel in diesem Jahr sind die Playoffs und sein Team spielt derzeit nicht so, als würde man dorthin gehören. Lassen wir uns vom Erfolg in Newark nicht täuschen, dieses Spiel war keinesfalls ein Ruck zurück in die Spur und Spieler als auch Trainer verstecken sich hinter der derzeitigen – von den Medien konstruierten – Situation.
Nach weit über der Hälfte einer Saison, die nicht mehr vom Sommer 2010 geprägt ist muss die Frage erlaubt sein, ob das Mike D’Antoni System nur einen guten Sommer erleben durfte. Mein Freund Ulas bemerkte gestern richtig, dass es damals Shawn Marion war, der die Phoenix Suns zusammenhielt – eben weil er alles machte, weil er alles konnte.

Die Systemfrage muss also langsam gestellt werden und es ist richtig, dass immer mehr Leute dies tun. Die Kommentare von Mark Jackson während des Lakers Spiels vergesse ich so schnell nicht, vor allem wenn man ein Fan der Knicks ist. Schauen wir aber erst einmal gebannt auf die kommenden 10 Tage und die Gerüchtewelle, die über uns hinweg fegen wird und alles wegspült, was Unsinn und Unwahrheit ist. Und wenn die Wahrheit am Ende Carmelo Anthony nach New York bringt, dann bin ich ein sehr glücklicher Knickerbockers Fan!

Wie steht’s mit Euch?

Februar 14th, 2011

4 Responses to “Please survive the next 10 days”

  1. Jan Schaknowski sagt:

    …ziemlich dunkel hier in dem alten Haus, wo issn die Spirituslampe mit der ich die Zombies killen kann?…

    Durchhalten iss die Devise, solange Donnie am Ruder iss kanns eigentlich nur besser werden…



  2. Knickson sagt:

    Ich kann mich noch gut erinnern als du (Robert) die Zusammenfassung für das Spiel gegen die Bulls (das erste 3er Fest) geschrieben hast: Du hast weder geschwärmt vom Sieg noch dich euphorisch geäussert. Damals fand ich dies ungerechtfertigt und wollte mir den Sieg nicht durch negative Zeilen verderben lassen… (Man muss noch bedenken, dass ich mit dem xten VodkaLemon an einem ägyptischen Strand lag, was jegliches kritische Denken in Luft auflösste…) Nach diesem Spiel jetzt bei New Jersey konnte ich erst richtig verstehen was du meinst. Das genau gleiche Gefühl hatte ich jetzt beim Spiel in Newark: Es war Glück. Dreier bringen keine Konstanz. Dreier kann man nicht jeden Abend abrufen. Dreier sind kein Resultat aus Kampf und Leidenschaft. Es ist eher wie Poker, irgendwie kein reines Glücksspiel, aber doch von Glück geprägt. Aus diesem Grund kann ich deine gedämpfte Haltung nach dem Sieg nur zu gut verstehen und bin nun auch nachträglich deiner Meinung was das Spiel in Jordan Town betrifft.

    Meine Hoffnung: Melo wird kommen. Das sage ich als ehemaliges Orakel.

    Sehr guter Artikel!



  3. George sagt:

    Welcher Selbsthilfegruppe muss ich mich denn anschließen, falls, ihr wißt schon, falls ER nicht, ähm, kommt?



  4. razah sagt:

    Das war doch hier schon immer so eine Art Selbsthilfegruppe für geschädigte Knicksfans.^^
    😀 Ich finde den Vergleich mit dem Horrorshaus klasse! Momentan ist es echt so das einem nicht viel einfällt zu den Knicks und man sich einfach ruhig verhält und hofft das alles gut wird. Ich finde es klasse wie Du uns weiter mit Artikeln versorgt, gerade deshalb, weil mir momentan nicht viel zu den Knicks einfällt. Ich komme mir irgendwie vor als ob ich in einem Zug sitze und an einem Bahnhof warte bis es endlich weiter geht. Also denn Abfahrtszeit ist dann hoffentlich in 8 Tagen und 23 Stunden!



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