Quo Vadis, José Calderon

20150227

Mein Kopf jongliert seit Anfang Januar mit Zeiträumen umher. Wissend, dass die Saison der Knicks eigentlich nur noch für extreme Geeks wie mich interessant und verfolgbar ist, versuche ich, die idealen Zeitpunkte für vorwärts gerichteten Content zu finden. Was dies bedeutet? Wann beginne ich die Unterhaltung über die Zukunft mit euch? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um über den Draft und die College-Spieler zu reden? Wann beginnt die Serie „Spieler XY, should he stay or should he go?“

Der März ist ein ganz guter Monat dafür. Die Knicks beginnen die Planungen für den Kader der neuen Saison und wir sehen unter Umständen Gesichter, über die wir uns noch gar keine Gedanken gemacht haben. In diesem Wust sollte der erste Blick zunächst allerdings auf eine der wichtigsten Personalien gelegt werden. Und ja ich möchte ehrlich mit euch sein, dieser (leicht alberne), dennoch interessante Artikel von Marc Berman (*said no one, ever*) hat mich zu dieser Story provoziert. 

José Calderon ist die Personifizierung des ersten Phil Jackson Deals als Chef der Knicks. Und mittlerweile sind 97% aller Interessierten auf den Zug aufgesprungen, dass es ein desaströser Beginn der Ära Präsident Jackson war. Tyson Chandler macht die Tyson-Sachen, die ihm den Deal mit den Knicks 2011 beschert haben, Calderon ist ein Schatten seiner selbst und darüber hinaus noch größte, finanzielle Altlast. Buzzkill! Dass die Qualität der jeweiligen Teams (Dallas, New York), die Umstände (Rückkehr in eine vertraute Situation) und die Vertragssituation (Expiring Contract) diesen unfairen Vergleich mehr als beeinflussen, blendet der gemeine Kritiker einfach aus. Kurze Zeitreise zurück in den Sommer 2014 (wirklich nur ganz kurz):

Onkel Phil sucht nach einem Führungsspieler und Spielgestalter, der abseits des Balls als Distanzschütze fungiert, darüber hinaus allerdings den Basketball IQ der gesamten Franchise um ca. 17% anhebt. „Moment, Jason Kidd ist seit einem Jahr Trainer und nicht mehr verfügbar???“ …. Zur damaligen Zeit hat dieser Trade aus Sicht der Knicks mehr als Sinn gemacht. Jackson sah Chandler nicht als Triangle Center an und tauschte sein bestes Gut gegen José, der von allen Mitspielern stets respektiert und geliebt wurde. Eine willkommene Abwechslung in der Kategorie „Persönlichkeit“ für die brennende Mülltone namens New York Knicks. 

Das José Manuel aufgrund seiner Verletzung zu Beginn der Spielzeit und diverser Teamkollegen, dessen Namen wir nicht nennen wollen, gar nicht in der Lage war, das Team mit seinem Mojo zu bestäuben, ist eine logische Rechnung. Post Trade Dreadline wendet sich der Fokus nun auf die Zukunft. Seit Anfang Januar spielt Calderon besser, ist regelmäßig der Anführer auf der Eins und schraubt seine statistischen Werte hoch (einfach klicken): 

Screen Shot 2015-02-27 at 12.43.00

Quelle: stats.nba.com

Seine Wurfquote aus der Distanz ist wieder auf José-Niveau und auch ohne Mitspieler auf dem Parkett teilt er mehr Assists aus. Dass José Calderon trotz der Trade-Gerüchte und der schlimmen Saison unermüdlich arbeitet, ist ein Beweis für seinen Charakter. Eine Facette, die spätestens in der kommenden Saison wieder wichtig wird, wenn die vakanten Positionen mit besserem und jüngerem Talent gefüllt werden. Ja, sein Vertrag nimmt den Knicks in diesem Sommer die Option, weitere rund $7 Mio. anzubieten. Allerdings – und hierzu kommen wir dann wirklich etwas später in der Saison – ist der Free Agent Pool nicht unerschöpflich. Im oben genannten Artikel von BOTP ist nicht nur die momentane Verletzung (Achillessehne) ein Problem für den Spanier, sondern auch die ungewisse Zukunft. Laut der New York Post, wäre sogar die Stretch Provision (siehe auch „Get free of Josh Smith and become awesome“ – Regel) eine Option:

Zitat:

„Calderon has two years and $15.1 million left on his pact ($7.4 million and $7.7 million). Under the collective bargaining agreement, if Calderon is waived before Sept. 1, the Knicks get to divide the amount remaining over five years, and Calderon would count against the cap for just $3 million in 2015 — not $7.4 million. If Jackson waived Calderon after Sept. 1, only 2016 can be used for a stretch provision.“

Sollte man einen Spieler vom Format eines Calderon, der ob der Umstände in diesem Jahr gar keinen positiven Einfluss haben kann, einfach waiven? Zumal etliche Free Agency Kandidaten (Dragic, Knight, Reg-Jax) vom Markt sein werden. Die Frage geht an euch, Freunde! 

Beinahe alles hängt von der Position der Knicks im Draft ab. Möchte Phil einen Center (Okafor, Towns), sollte José bleiben. Der Rest der verfügbaren Cap Spaces (auch dazu kommen wir später im Jahr), wird dann den Herrschaften Butler, Millsap, Matthews, Green, Harris, Leonard und Monroe angeboten (!). Fallen die Knicks auf eine Position, in der die Big Men nicht mehr verfügbar sind, könnte Phil D’Angelo Russell bzw. Emmanuel Mudiay ins Auge fassen. DANN wäre es interessant, José in einem optionalen Trade anzubieten – allerdings nicht via Stretch Provision einfach loswerden. Klappt ein Trade nicht, ist José der Mentor für den Nachwuchs. 

Die Geschehnisse der Saison haben uns alle ganz schön mitgenommen. Kaum ein Spieler im Kader begeistert uns, am besten sollten alle gehen. Vor einem Jahr war José Calderon allerdings der Starting Point Guard eines Teams, dass es dem späteren Champ nicht nur außerordentlich schwer machte, sondern er war auch eine Persönlichkeit in der Kabine. Folgendes Zitat spricht Bände und sollte unsere Meinung über Calderon stärker beeinflussen, als die reinen Stats bzw. die Zahlen in seinem Vertrag:

Zitat:

“I don’t want to,’’ Calderon said after the Knicks practiced Thursday at The Palace. “Why? It’s not like I have nothing to reach. I want to be with my team. That’s why after it happened [in the first quarter] I just wanted to keep playing . Shane [Larkin] wasn’t playing so I didn’t want to leave [for] the locker room in the first or second quarter. If they tell me there is nothing [serious] that can go wrong, I want to play and be with my team for the rest of the season.”

[….]

“We talked a few times for sure,’’ Calderon said. “I think he said he wants me to be the leader but don’t confuse leader with the guy who scores the most. That’s not me. I’m a team player. I try to play the right way. Some days I can score the ball a little more but it’s not my job.

“I think leader means a lot of things. I’ve been doing that the last few years and from the beginning here and making sure people are doing the right things. Some guys haven’t been in this league before. That’s why I don’t want to just get out and not play the last 10, 15 games because there’s nothing else. There’s a lot. Sometimes you got to do it by example for the young guys.’’

Schönes Wochenende! Go Shved!

*** Photo Credits: Juan Pelegrín ***

Februar 27th, 2015

9 Responses to “Quo Vadis, José Calderon”

  1. SteffenKoo sagt:

    Ich muss gestehen ich hatte den Botp Artikel auch gelesen….
    Ich finde gerade für einen Rookie Coach kann ein Mann mit dem Basketball IQ als verlängerter Arm, der weiß was der Coach will, noch wichtig sein.
    Der Preis von Jose ist etwas hoch, aber selbst für gute Reserve PG´s muss man 4-5 Mio bezahlen.

    War schön wieder was zu lesen hier, ich freu mich schon auf zukünftige Artikel und auf die Zukunft der Knicks!

    bye



  2. thortsch-mann sagt:

    Diese Frage stelle ich mir auch seit dem All Star Break und momentan habe ich so das Gefühl, dass ich mit Claderon als Starting Point Guard in der nächsten Saison gut leben kann. Ich denke auch, dass José in einem funktionierenden Team ganz anders Spielt. Er trifft gute Entscheidungen und schießen kann er auch. Die Triangle braucht ja auch nicht unbedingt einen Dribbel-penetrierenden PG. Ball Movement und gutes Werfen sind da eher gefragt. Ob er in der Defense noch mithalten kann ist ein anderes Thema.

    Es kommt, wie oben geschrieben, auf die Wahl im Draft an. Die Knicks werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Top 4 Pick bekommen. Also auf jeden Fall Okafor, Towns, Russel oder Mudiay. Glaubt Medienberichte (was man ja nicht immer tun soll) wird Phil alles versuchen, Gasol nach NY zuholen. Würde dies gelingen (was ich nicht glaube, aber man weiß ja nie), würden sich die Knicks im Draft auf einen PG konzentrieren. Alles andere würde kein Sinn machen. Oder man geht den anderen Weg. Man nimmt einen Big Man im Draft und versucht entweder einen PG per FA zu verpflichten (aber wen? letztens habe ich einen Artikel gelesen, indem geschrieben wurde, dass Rondo jetzt doch wieder ein Thema für die Knicks ist – hahaha) oder eben José bleibt PG und man kann die Kohle für die anderen Positionen investieren.

    Wenn man z.B. einen starken SG im Sommer verpflichten kann, hätte ich überhaupt keine Probleme mit Calderon als PG. Zumal wir mit Galloway einen PG im Team haben, der sich meiner Meinung nach noch entwickeln kann.

    Behält man also José als PG, bekommt im Draft Okafor oder Towns (der in D stärker sein soll als Okafor) dann kann man für den SG und dem PF 2 Max Contracts versuchen. Wäre kein schlechtes Team…

    Meine Gedanken gerade…

    Und, Robert, ich schaue mir die Spiele auch noch an! 🙂

    Apropos Knicks Spiele. Gegen die Celtics sah es lange gut aus bis man Ende des 3. Viertels zusammenbrauch und in 2 Minuten gefühlt mit 20 Punkten zurücklag. Trotzdem hat man angedeutet, wie es laufen kann.



  3. durant35 sagt:

    Stand heute ist NY sicher der Verlierer des Chandler-Deals. Finde es nicht so schlimm, dass man Tyson abgegeben hat, es ist klasse, dass man Felton losgeworden ist und die Zweitrundenpicks können sich eventuell ja auch noch als gute NBA-Spieler entpuppen. Aber der Deal für Calderon wurde getätigt um um Jose die Offense aufzubauen und NY im Playoffrennen zu halten.
    Letzteres ist komplett fehlgeschlagen. Und da Calderon ja zu haben war ist er in NY jetzt auch nicht der wichtige Baustein der Zukunft. Gerade das letzte Vertragsjahr störet und stört mich sehr.
    Denn es war klar, dass 2015 und 2016 zwei ganz wichtige Sommer für die Knicks werden.

    Das heißt aber nicht, dass man schlechte Arbeit in NY macht. Denn mit einem verlorenen Deal kann ich leben. Viel entscheidender ist mMn wie man mit „Fehlern“ umgeht. Und das stimmt mich sehr positiv. Man hat den Trugschluss erkannt und mMn richtig reagiert.
    Was soll mit Jose passieren? Gute Frage. Ich bin immer noch klar für einen Trade. Und hätte man für ihn vor der Deadline Zweitrundenpicks für für Pablo bekommen hätte ich das ern gesehen.
    Musste man aber HJr oder Picks drauflegen kann man auch bis zum Sommer warten.
    Dann weiß man welcher FA nach NY kommen will und kann immer noch reagieren wenn man das Cap braucht. Denke mit HJr im Paket bekäm man ihn dann auch ganz gut los. Und selbst alleine sehe ich da nicht ganz schwarz. Gerade der Vertrag von Haywood in Cleveland ist für mich sehr interessant. Der hat einen ungarantierten 10 mio Vertrag im nächsten Jahr und ist einzig und allein deshalb von den Cavs geholt worden. Die sind eh über dem Cap und können sich mit dem Vertrag noch weiter verstärken. Denke Calderon gegen Haywood könnte für ein Team, dessen zweiter PG Della ist sehr interessant sein. Und Haywood würde dann sofort entlassen.
    Waiven wäre wirklich as letzte Mittel wenn man ihn überhaupt nicht losbekommt und die 4 Mio Cap unbedingt benötigt die das generiert. Aber er würde den cap dann 5 Jahre belasten. Nicht sehr erstrebenswert.

    Bei Gasol bin ich persönlich nicht sehr optimistisch. Denke Memphis hat da die besten Karten. Und selbst wenn er gehen sollte sehe ich SA vor NY. Mein Traumszenario wäre ja Okafor per Draft und Green+Butler per FA. Aber das ist ebenso unrealistisch.
    Gerne würde ich derzeit Okafor plus Milsapp und Matthews sehen. Die beiden letzteren würden mMn sehr gut zu Melo passen. Dann schauen wie Okafor, Milsapp, Melo, Matthews und Galloway nächsten Saison funktionieren und 2016 auf PG oder in der Tiefe nachjustieren. Fände ich sowohl in den nächsten Jahren wie auch langfristig eine gute Mischung. Aber es gibt auch noch unzählige andere Szenarien für nächste und/oder übernächste Saison.



  4. Razah sagt:

    R.I.P. Mase 🙁 🙁 🙁

    Bin echt geschockt, nachdem es ihm ja wieder etwas besser ging. Mase war der Grund warum ich lange Zeit die Nummer 14 als Aktiver getragen habe.

    Gruß, ein trauriger Razah



  5. thortsch-mann sagt:

    Ich wollte gerade gerade schreiben, wie schön das gestrige Spiel war. Dann die schreckliche Nachricht! Ruhe in Frieden, Mase. Du warst einer der Gründe warum ich Anfang der 90er Knicks Fan wurde.



  6. Andreas sagt:

    Das New Yorker All Time starting line Up verliert einen echten Knick. Einen Krieger. Einen echten Kerl, einen Leader. Anthony Mason war unbedingter Einsatz, glühende Leidenschaft und der Wille sich seinem Gegner nie einfach zu ergeben. Die 94er Finals wären ohne ihn nie möglich gewesen. Eine schwere Axt der New Yorker Defense. Ein Turm in der Schlacht. Ich ziehe meinen Hut und trinke auf einen Mann der mich tief beeindruckt hat. Ich werde zwei, oder drei trinken müssen. Ich armer Kerl.

    Erst Spock, dann Mason. Traurige Tage. Auch für Geeks wie uns. 🙂 Rest in Peace Anthony.



  7. Jan sagt:

    Von mir auch mal wieder ein Lebenszeichen, die Arbeit und der Vereinskram lassen mir diese Saison kaum Luft um mich hier mehr einzubringen. Wird aber im Hinblick auf nächste Saison anders werden, soviel ist jetzt schon sicher.

    Der Anlass doch mal wieder was zu tippen ist der traurigste den es geben kann – einer der wahren New Yorker ist von uns gegangen. Ich bin etwas geschockt, und zutiefst traurig. Mase war damals bei mir so hoch im Kurs, ich war im ersten Moment sauer als ich hörte das er für LJ nach Charlotte abgegeben wurde. Hab mich später natürlich beruhigt, aber Mase war mit Starks zusammen die Definition von einem Knicks Spieler. Ich hab noch ein Trikot von ihm, das werde ich jetzt wohl Rahmen lassen und an die Wand hängen müssen. Anziehen kann ich es jetzt erstmal nicht mehr.

    Danke an Robert für den letzten podcast und das unglaublich coole Interview mit Frank…war seeehr nice. Werds mir sicher noch 2-3 mal anhören! 😉

    Zur Situation mit Jose: das Gute ist man ist Flexibel. Beide Möglichkeiten sind denkbar, entweder kann man ihn „gut“ abgeben, oder er ist eben noch ein Jahr der starting PG des Teams, und man investiert in die anderen 3 Starter-Positionen. Ist ja nur Melo sein Spot bisher sicher, für die starting in der nächsten Saison… ist eben gut da nicht unter Druck zu sein, hängt sicher auch davon ab welchen Pick und welchen Spieler (welche Posi) man im Draft bekommt. Danach wird sich auch entscheiden auf welchen Positionen Verstärkung per FA geholt wird.

    So, nu hab i schonwieder Zeitdruck…



  8. thortsch-mann sagt:

    Jetzt ist auch noch Chris Welp am Wochenende an Herzversagen gestorben. Mit 51 Jahren. Erinnere mich noch sehr gut an seine Leistungen bei Bayer Leverkusen in der Euroleague gegen Sabonis und besonders an die EM 93 in Deutschland und seine wichtige Punkte gegen Spanien und im Finale gegen Russland.

    Ruhe in Frieden!



  9. Andreas sagt:

    Ich bin mal gespannt wann das Management sich aufmacht um zu entscheiden mit wem es gehen will. Unser, also, Roberts Power Ranking ist da nicht mehr aktuell denke ich. Calderon ist ein gutes Beispiel für eine eher überraschende Entwicklung. Ich persönlich würde ihn als Mentor behalten. Und ich habe das Gefühl, er fühlt sich ganz wohl.

    Der einzige bei dem ich sicher bin dass er geht ist Bargnani. Galloway, Amundson, Tim, Smith und Melo… Die sind gesetzt. Denke ich. Aus Acy und Larkin werde ich nicht schlau. Mit Aldrich und Thomas habe ich so meine Probleme… Und Shved? Ich finde er macht sich gar nicht schlecht.

    Ist die Suche nach einem perspektivischen Center immer noch Suche nummero uno? Für mein Gefühl ist es exakt das, was den Knicks im Moment fehlt. Sie sind in der Zone keine Bedrohung. Sie müssen zu oft von außen werfen und das würde ein Mann in der Mitte, der das 1 zu 1 suchen kann die Lösung. Ansonsten bin ich irgendwie ganz zufrieden damit wie sie sich entwickeln. Die Chemie scheint zu stimmen und es läuft immer geschmeidiger. Aber was weiß ich schon!



Leave a Reply