Rockets 116 : 111 Knicks

W_L

Die New York Knicks haben vier Spiele in Serie verloren. Vier Niederlagen, die sich – trotz gemäßigter Erwartungshaltung – wie kleine Nadelstiche in den Augapfel anfühlen. Die Knicks stehen bei acht Siegen und zehn Niederlagen. Angesichts des schweren Auftaktprogramms eine wundervolle Bilanz, versteht mich nicht falsch. Auch die Erinnerung an meinen mentalen Hot-Take kurz vor der Partie, angesichts des Fehlens eines gewissen Herrn Anthony, sollte meinen Zorn wieder etwas bändigen. Ohne Melo – ohne Chance.

Denkste, New York spielte grandios. New York spielte als Team, kompensierte den Ausfall von Melo her-vor-ra-gend, kämpfte sich mehrmals wieder in Führung … und verlor das Spiel trotz alldem. Warum? Nun, das ist der Grund, warum ich unzählige Male … nein, Moment, insgesamt 23 Mal monumentaler Verzweiflung gefährlich nahe war. Ballverluste. Unzulänglichkeiten. Unkonzentriertheit. Die New York Knickerbockers, ohne ihren Top-Scorer und Haupt-Gunslinger, malten über 48 Minuten ein atemberaubendes Kunstwerk von einem Basketballspiel. Sie agierten als Team, passten sich dem Flow der Partie an, ließen dies auf sich zukommen, spielten (auch) klug über die Teamkollegen, die es gestern Nacht fühlten …. und warfen den Sieg am Ende weg. Die Ballverluste in der Übersicht:

1. Kevin Seraphin: 5 TO
2. José Calderon: 5 TO
3. Langston Galloway: 3 TO

23 Ballverluste als Team, 16 dieser Ballverluste resultierten in Steals, die die Rockets für 24 Punkte nutzten. Es gibt Turnover und Turnover. Gestern Nacht überwogen die Unnötigen. Die, die nur dann geschehen, wenn die Akteure unkonzentriert sind. Darum ist diese Niederlage so schmerzhaft. Sie verschleiert den Blick auf die gesamte Saisonleistung nicht. Trotz alledem wiegt sie schwer. 

Bis zum nicht gepfiffenen Moving Screen von Jerk Howard an Afflalo und dem daraus resultierenden Dreier von Trevor Ariza, überkam New York nicht nur den Ausfall von Melo, sondern auch die schwache Offense aus den vergangenen vier Partien. Team Fisher rangiert auf Platz 27 in der Kategorie Field-Goal-Percentage (41,9%), Platz 30 in der Kategorie gegnerische Freiwürfe pro Partie, sowie Platz 30 im Bereich eigener Fouls und zugelassener Offensive-Rebounds. Und trotzdem … trotz all dieser Werte, bewegen sich die Knicks um die .500-Marke herum. Konstanz ist ein Mangel, der in der gestrigen Partie – zumindest in der Offense – wieder zu sehen war. Die erste Fünf agierte im Konstrukt der Triangle und generierte eine strukturierte Offensive. Die zweite Fünf – vor allem Jerian Grant, Derrick Williams und Kevin Seraphin – spielten sowohl im System, als auch frei. (Anmerkung des Verfasser: Kombinationen, die mir im übrigen immer wieder positiv auffallen. Grant + Williams. Grant + Kristaps. Darauf gilt es weiterhin zu achten. Derek!). Lange Rede, kurzer Sinn, die Knicks spielten toll ohne Melo. So toll, dass einige wieder die Frage nach der Notwendigkeit der Numero 7 stellen. Schwamm drüber. Die Knicks spielten eine fast perfekte Partie. Ein Fundament, wenn auch ohne Melo Siege geholt werden sollen. Passiert allerdings in den wenigsten Fällen, da eine Lance Thomas – so energisch er agiert – niemals fehlerfrei spielen wird. Im übrigen nur ein Beispiel für einen Umstand, der auf fast alle Bockers zutrifft. Langston Galloway befindet sich in einem Tief, ähnlich Kyle O’Quinn und bis zu einem gewissen Grad Jerian Grant. Dieser spielte gestern allerdings herzergreifend. Sein Jumper versprühte Rosenblätter auf dem Weg zum Netz. Gegenüber der NY Post kritisierte er seine eigene Leistung, primär die Passivität und den Mangel eines Jumpshots. Gestern Nacht war ein Schritt in die richtige Richtung. 

Die Kardinalfrage nach solch einem Leberhaken: Lernen die New York Knicks aus ihren Fehlern?

Lernt der Coaching Staff aus dieser Niederlage? Ein weiterer Umstand. Denn die Magie der Mannschaft aus dem Saisonbeginn ist graduell gewichen. Die Pace fällt stetig, parallel zur Spielzeit von Williams, O’Quinn und Grant. Während der Partie zitierte Mike Breen einen unzufriedenen Fisher, der seinem Team die höhere Geschwindigkeit erneut einimpfen will. Einige weitere Gedanken:

– Arron Afflalo spielte fantastisch gestern. 31 Pts., 7 Reb., 4 Ast. bei nur einem Ballverlust und sehr guter Wurfquote. AA brachte im Grunde die Produktion von Carmelo Anthony und deutete an, warum Jackson ihn im Sommer nach New York holte. Afflalos Post-Up-Game war gestern on fire, allerdings wirkte nichts gezwungen. Er ließ das Spiel auf sich zukommen und agierte aus der Triangle heraus. 

– Kevin Seraphin ist der wohl beste Low-Post-Spieler im Team. Sein Bewegungsapparat, sein Selbstvertrauen und sein weiches Händchen sind eine ideale Facette im Konstrukt Knicks Basketball. Fisher belohnte den Franzosen mit sehr viel Spielzeit. Allerdings war Kevin auch sehr oft um Mittelpunkt der Ballverluste. In die er ab und an durch seine Teamkollegen gebracht wurde. Trotzdem, Blackouts wie Einwürfe zum Gegner sind einfach uncool. Cool hingegen ist sein Midrange-Jumper. 

– Derrick Williams scheint für die Triangle nicht geschaffen. Was nicht schlimm ist und auch nicht bedeutet, dass er weg muss oder es nie rafft. Vielmehr sollte Fish dies als Chance nutzen. Warum nicht die Second Unit rennen lassen? Warum nicht mit Grant, Galloway, Early, Williams und Seraphin/KOQ Run-and-Run/PnR-Hoops spielen? Defensiv ist diese Line-up okay, offensiv in der Triangle allerdings zu sehr Knicks 14/15. Early Offense, Fast-Breaks und PnR sollte die Devise der Bank sein. Und warum nicht zwei Philosophien fahren?

Das war’s auch schon. Dieses Spiel ist ein Lehrfilm, wie Ballverluste und mangelnde Konzentration einen Sieg zu Nichte machen können. Aber wenn’s nur das ist … daran kann gearbeitet werden.

Schönen Wochenstart euch allen. 

November 30th, 2015

2 Responses to “Rockets 116 : 111 Knicks”

  1. FunKdogg sagt:

    Soo Heute Nacht geht es gegen Philly.. Hoffentlich stellen wir uns besser an als die Lakers 😀 Wäre schön wenn unser Losing Streak endlich ein Ende hat



  2. thortsch-mann sagt:

    Auch noch ein paar Worte zum Rockets Spiel. Aber erstmal vielen Dank für den Bericht, Robert. Ich stimme in vielen Dingen mit Dir überein.

    Ich bin mit dem Gedanken in das Spiel gegangen, vielleicht läuft der Ball ja wieder besser ohne Melo. Und tatsächlich war es so. Die Wurfausbeute war gut, die Wurfquote entsprechend hoch. Hat richtig Spaß gemacht das Spiel, obwohl die Knicks viele Schussel-Fehler gemacht haben, was ihnen den Sieg kostete.

    Melo sollte sich , wenn er gegen Philly zurückkommt, unbedingt etwas zurückhalten – indem Sinne, dass er ein wenig seine Wurfauswahl überdenkt und versucht, Dinge nicht zuerzwingen.

    Bin froh, dass die Phillys letzte Nacht gewonnen haben, dann wäre es nicht so peinlich, falls wir verlieren. 🙂
    Nein Spaß beiseite. Wird wieder Zeit für ein Win!

    Cleanthony Early übrigens mit einem Double-Double bei den Westchester Knicks. Jimmer Fredette mit 37 Punkten …



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