Silberstreifen

20141125

Bevor wir in die tränenreiche Aufarbeitung der jüngsten Niederlage in Houston eintauchen, gilt es, die Aspekte anzusprechen, die den – auf die Gegenwart starrenden – gemeinen Anhänger unserer liebsten Basketballgruppe vor dem Glaubensverlust bewahren. Ja es gibt sie und sie geben Grund zur Hoffnung. Vielleicht nicht unmittelbar, allerdings für die Zukunft. Denn wer insgeheim begann, an der Effektivität und Daseinsberechtigung der Triangle Offense zu zweifeln, dem wurde gestern offenbart, dass ein Kurt Rambis Halbzeitinterview mehr Weisheit birgt, als manche Wälzer über die erweiterten Statistiken des modernen Basketballs. „Just execute the system and play hard for each other on both ends.“ *BÄÄM*

Die Knicks kompensierten den Ausfall des Chefs mit Systembasketball. Und hatten bis spät ins letzte Viertel die Chance, einen unverhofften Sieg aus Houston mitzunehmen. 

Beinahe alles kann Team Fish in dieser Saison halbwegs verkraften. Der Ausfall Melo’s gehört eigentlich nicht dazu. Eigentlich. Denn schaut man auf die Ausführung der Offense kurz nach Anthony’s wackeligem Gang in die Katakomben, dann erkannte man eine Dynamik und einen Spielfluss, den der Coaching Staff immer wieder predigt. Elaborieren wir kurz:

Meh:

Oftmals erleben wir einen Angriff der Knicks, bei dem sich die Spieler zwar richtig aufstellen, allerdings auf ihren Positionen stehen bleiben. Der ballführende Spieler möchte das Play initiieren, nimmt den Ball für den Pass auf, kann diesen jedoch nicht spielen, weil der stillstehende Mitspieler gut gedeckt wird. Gestern Nacht sahen wir multiple Angriffe, in denen ein Knick verzweifelt nach einem anspielbaren Mitspieler Ausschau hielt (sich mehrmals per Sternschritt im Kreis drehte) und erst spät jemanden findet, der weit aus dem Set herausgehen muss, um den Pass empfangen zu können. 

Kurzum, das Timing in der flüssigen Bewegung innerhalb der Triangle ist nicht synchron. Entweder bewegen sich Spieler zu früh und bleiben dann stehen, oder sie füllen die Lücken erst gar nicht. Hierdurch entsteht Stillstand. 

Yeah:

Im ersten Angriff nach Melo’s Ausfall führen die Knicks (Amar’e und JR!!) die Triangle perfekt aus. Alle Spieler bewegen sich, üben so Druck auf die Defense aus (weil anspielbar) und reißen Lücken in das defensive Konstrukt. Passiert dies – sind die Abläufe also synchron, dann generiert die Offense immer wieder freie Situation aus allen Lagen. Dies begünstigt auch die Anzahl an Freiwürfen. In diversen Sets rannte man die Triangle flüssig, was in Freiwürfen für Melo mündete. 

Dies alles ist noch nicht konstant und geschieht bei weitem nicht oft genug um Basketballspiele zu gewinnen, es zeigt jedoch, auf welchem Weg das System ist. Und erneut, Spieler wie Stoudemire, Dalambert oder Smith werden daran gemessen, ob sie die Philosophie umsetzen können. Gerade gestern waren die Knicks – dann auch ohne Melo – am Ende nicht in der Lage, Houston konstant an Punkten zu hindern und selbst offensiv effektiv zu agieren. Solange die Mannschaft allerdings mit dieser Intensität ackert, bin ich mit dem L gut bedient. 

Positives:

José Calderon wirkt wie mein Raumauffrischer. Der Muff ist raus, ein frischer Duft zieht ein. Und auch wenn José noch längst nicht auf der Höhe seiner Fähigkeiten ist, so tut die Injizierung an Gehirn und IQ den Knicks sehr gut. Iman benötigt noch ein wenig Zeit, um sich an seinen neuen Backcourtpartner zu gewöhnen. Zusammen sehe ich die beiden allerdings als ein Konstante in der ersten Fünf. Ist doch auch schon was. Zumal die Spanier ein exzellenter Catch-and-Shooter ist. 

Calderon’s Backup war gestern primär Shane Larkin, der die schöpferische Auszeit gegen Philly exzellent nutzte, um speziell Isaiah Canaan nach furiosem Start in Schach zu halten und zusammen mit José als 2-Point-Guard-Lineup zu agieren. Larkin spielte eine aggressive Defense, bewegte sich in der Offense leichtfüßig und besaß eine sehr gut Wurfauswahl. Acht Punkte, drei Steals, Rebounds und Assists. In dieser Form wird er von Coach Fish seine Zeit bekommen. 

Der Status von Melo ist derzeit unklar. Zwar ist er mit dem Team nach Dallas gereist, allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass wir ihn in den kommenden beiden Partien nicht sehen werden. Auch wenn sowohl die Mavs, als auch die Thunder wohl mehr als eine Nummer zu groß sein werden, so ist es interessant zu beobachten, wir der Fortschritt im System nun weitergeht. Schon in den Jahren zuvor besannen sich die Knicks bei Melo’s Ausfall auf mehr Ball Movement und das finden anderen Scoringquellen. 

Photo Credit: Juan Pelegrin

November 25th, 2014

7 Responses to “Silberstreifen”

  1. Jan sagt:

    Robert hats gesagt – direkt nach dem Ausfall von Melo hat man sehen können wie diese Offense funktionieren kann. Spacing, ball movement, Bewegung ohne Ball, gute shot selection, kurzum, so können diese Knicks dieses System umsetzten. Nicht erst in diesem Spiel hatten wir Phasen wo richtig guter Teambasketball gespielt wurde.
    Warum man das nicht etwas konstanter hinbekommt ist die große Frage, da bin ich auch etwas ratlos. Phasenweise sind wir ja wirklich komplett aus dem Spiel, und schaufeln uns ein ums andere mal zu tiefe Löcher um dann noch rechtzeitig wieder rauskrabbeln zu können. Teilweise wechseln sich diese Phasen ja wirklich ab als hätte jemand einen Knopf gedrückt. So unerklärlich die Wechsel dieser Phasen sind, so wenig habe ich bisher einen Ansatz gefunden woran es liegt (wo der Knopf ist 🙂 ). Soweit ich es beurteilen kann liegt es nicht an bestimmten lineups, sondern eher an der Psyche des Teams. Ist man „drin“ geht alles fast automatisch richtig, ist man „draußen“ geht nichtmal der 1-0 layup. Da muss man ansetzten, mehr Konstanz hinbekommen, aber das sagt sich eben so leicht. Der Coach wurde ja aus vielen Richtungen ob seiner Wechselstrategieen und Minutenverteilung kritisiert, mMn hat er das bisher ganz gut hinbekommen. Ich befürworte seine Methode allen Spielern mal eine Chance zu geben, sonst weiss man ja auch nicht wo der einzelne gerade steht. Vet camp und pre season sind das eine, die Saison nochmal was anderes, gerade bei den jüngeren Spielern.

    Das größte Problem stellt für mich immernoch die Defense dar. Hier sind wir einfach noch nicht auf 48 Minuten Konkurenzfähig, das kann ja immer verschiedenste Gründe haben.
    Ist es ein falsches „System“? Für mich nein. Man könnte vielleicht über eine Zonenverteidugung für kurze Phasen oder einzelne Angriffe nachdenken, aber da hat Fisher sicher andere Sorgen und Baustellen die er beackern muss/will.
    Sind die Spieler einfach zu schlechte Verteidiger? Für mich ein klares jein. 🙂 Ein Teil das Problems ist das schon, das kann man aber durch Teamdefense und Einsatz teilweise wieder wett machen.
    Geben die Spieler ALLES in der Defense? Für mich in größeren Phasen ja, in kleineren Phasen wirken sie gehemmt und immer einen Schritt zu spät. Auch hier ist es teilweise als hätte jemand einen Knopf gedrückt, aber nicht so auffällig wie in der offense.

    Die Entwicklung in der Defense wird darüber entscheiden ob wir den Umschwung sehen werden, und man doch noch Kurs auf die Playoffs nehmen kann. Ich denke dieses Team (if healthy!!!) hat das Zeug dazu es in die Playoffs zu schaffen, nach wie vor. Vielleicht ist ja (entgegen jeder Logik) Carmelo´s Verletzung sogar hilfreich für die Entwicklung des Teams…alle müssen mehr Verantwortung übernehmen, das Melo selber in Form war bzw. ist hat man ja gesehen. Die kleine Kriese war ja recht schnell überwunden, und sollte die Verletzung nicht längerfristige Probleme mit sich ziehen wird er schnell wieder in Form sein, hoffe ich zumindest. Wenn in seiner Zwangspause das TEAM den nächsten Schritt machen kann wäre doch schon was gewonnen.

    Gerade in Melo´s Abwesenheit würde ich Amare als erste scoring-Option ansehen, und ihn in die starting stellen. 25-30 Minuten würde ich ihm schon geben, wann wenn nicht jetzt? Und wenn er n guten Tag hat auch 5 mehr. Das Verletzungsrisiko ist immer da, auch wenn er 20 Minuten auf dem Feld ist. Also kann man es mMn auch riskieren…

    Ich mag die Lineup mit Calderon und Larkin oder Pablo, die 2PG Lineup kennen wir ja noch…und haben sie in guter Erinnerung. Vielleicht nicht als starting, aber im Verlauf des Spiels. Larkin sehe ich vom naturell her sowieso eher als Offguard, vom Körper her eher weniger…und Pablo hat ja wohl n gutes Jahr von draussen. Geht also auch ganz gut. Nur diese ungewohnten Fehler muss er wieder abstellen, die waren letzte Saison SO nicht da.

    Sooo…Blick auf die Uhr, gleich gehts gegen Dallas und Dirk…LETS GO KNICKS!!!



  2. Jan sagt:

    …this is work in progress…OT L in Dallas…STAT mit seinem vielleicht schlechtesten Spiel als Knick, Jose mit seinem besten. Pablo auch sehr heiß von draußen. J.R. mit Licht und Schatten.

    Jeff van Gundy hats ganz gut kommentiert wo man ein Pick&Roll mit Jose und STAT hätte erwarten können, warum das so gut wie nie kam ist etwas rätselhaft. Und er hats auch gut formuliert, „…they are a loosing team but they don´t look like a loosing team, they don´t play like a loosing team…“ so oder so ähnlich. Seeehr ärgerlich, das W wäre verdient gewesen. Hehangen hats mMn wieder an der D. J.R. mit ner brutal schlechten ersten Hälfte bis auf 4 Ass, und Amare wie gesagt auch nicht in gewohnter Effizienz. Die D der Mavericks war auf ihn super eingestellt, egal ob gegen Chandler oder wen anders.

    Schade schade…



  3. durant35 sagt:

    Wie du sagst, sehr ärgerlich.
    Haben sich in der Schlussphase und der OT recht dämlich angestellt.
    Gerade die Fouls in letzten V waren bitter. Offensiv hatte Dallas so seine Probleme. Da muss man ihnen keine einfachen Fts schenken.
    Aber gut. Sah deutlich besser aus als zu Beginn der Saison. Gut das Jose zurück ist. Hoffentlich folgt Melo auch bald wieder. Man braucht ihn um sich richtig einzuspielen. Und Shump findet hoffentlich auch bald wieder seine Topform wieder. Wirkt nicht mehr ganz so selbstbewußt wie vor ein paar Spielen.



  4. thortsch-mann sagt:

    Mit dem Loss in Dallas kann man grundsätzlich leben, hätte aber nicht sein müssen. Auch schon die dummes Fouls von Stat am Ende des 4. Q. tststststs. Aber grundsätzlich war das ein gutes Spiel der Knicks. Klasse Leistung von Jose und Pablo. Auch Larkin gut. Die Defense scheint besser zu werden. Wann spielt Melo wieder?



  5. Jan sagt:

    Großartiger Podcast auf tkb vom 25. November, ich kann nur jedem empfehlen sich die 87 einhalb Minuten Zeit zu nehmen, wobei, die ersten 19 Minuten kann man quasi skippen. Anthony Donahue rasselt den gleichen Quatsch runter wie die letzten 3 Wochen, und versucht vergeblich seinen Gast Amin Elhassan in die Leitung zu bekommen. Sobald das Gespräch der beiden beginnt wird es seeehr interessant. Donahue ist quasi der quengelige, unruhige, ungeduldige Fan, und Elhassan erklärt ihm erstmal wo der Frosch die Locken hat. Amin Elhassan hat es verstanden wie die Triangle funktioniert, wann sie funktioniert, und warum sie funktioniert. Den Part mit „passen, dribbeln und werfen“ kann man einrahmen. Ich habe selten jemanden gehört der nicht zur Franchise gehört (in diesem Fall die Knicks), und trotzdem 100%ig kapiert hat was da vor sich geht. Sämtliche Themen, sämtliche Fragen von Donahue beantwortet er so wie ich es auch denke & empfinde, und auch noch so das es JEDER versteht. Großartig! Phil sollte vielleicht darüber nachdenken den Mann einzustellen… 😉

    Um Minute 50 gehts thematisch dann weg von den Knicks, bleibt aber sehr interessant. Irgendwann quatschen sie dann über Rap bzw. Hip Hop, ab da wird es Knicks-technisch etwas uninteressant, aber ich habs mir angehört. Ab der 70ten gehts wieder um Basketball…und ab der 75ten ist Benji(?) „on the line“ der die Sendung 2009 gemacht hat.

    http://theknicksblog.com/knicks/listen-to-tkb-radio-at-9-p-m-2/

    Auf gehts gegen OKC, Westbrook soll spielen hab ich gelesen…mal schauen. Bin auf jeden Fall super entspannt nach dem Podcast! 🙂



  6. Erol D. sagt:

    Schlecht, schlechter, New York Knicks. So langsam wird es peinlich, habe nach dem ersten Viertel ausgemacht. Nach dem Mega Dunk von Ibaka wusste ich das es mal wieder in die Hose geht. Melo hin Melo her, so darf man sich nicht präsentieren nur weil der ausfällt. Spielen wir so weiter wird kein Star nach NY kommen. Zur Zeit bin ich mega angepisst, enttäuscht und fassungslos was da abgeht. Klar wusste ich das es eine schwere Saison wird aber damit habe ich nicht gerechnet. Wir können froh sein das Philly noch beschissener ist. Ein kleiner Wermutstropfen gibt es ja dennoch, die Lakers sind genauso scheisse wie wir. In diesem Sinne…



  7. thortsch-mann sagt:

    Am meisten ärgert mich, dass anscheinend der Effort fehlt. Das war gestern wirklich blamabel und erinnert mich an die 40 Punkte Niederlsge gegen die Velticy im letzten Jahr. Westbrook hin oder her, es hat dich niemand gewehrt.



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