State of Knicks

Blueprint

Besuche in Milwaukee sind eine nostalgische Reise in die Niederungen der jüngsten Knicks Historie. Liegt es am winterlich-weihnachtlichen Grün, der alten Halle oder – wie gestern – am leicht bis mittelschwer verwaschenen Bild? Seit etlichen Jahren wartet in Wisconsin nur Leid und Elend für unsere ‚Bockers. Beispiel?

booty-jr-smith-fined

 

Auch Team Fish reiht sich in diese Tradition ein. Nach einer guten Vorstellung gegen ein desolates Team aus Denver im MSG, konnten die Knicks das Momentum bis früh ins zweite Viertel gegen die Bucks herüber retten. Bis, ja bis Carmelo Anthony in der Kabine verschwand (während einer kleinen Führung) und bei Rückkehr sein Team weit hinten sah. Milwaukee nutzte Melos Zwangspause zu einem Run, der selbst nach einem furiosen vierten Viertel, welches New York mit 33:22 gewannen, bis zum Ende Bestand hatte.

Die Defense ist auch in diesem Jahr die Achillesferse des Mannschaft, die teilweise überfordert ist (auf den großen Positionen sowie auf Point Guard) und teilweise einfach mental auscheckt. Der Coaching Staff kann nichts weiter tun, als immer wieder die defensiven Prinzipien zu predigen und an die Bereitschaft der Spieler zu appellieren. Anders als in den Jahren zuvor besteht in dieser Saison allerdings ein defensives Konzept, das auch Sinn macht.

Um die Gründe für die neuerliche Niederlage ins richtige Licht zu rücken und die Protagonisten zu bewerten, begutachten wir die Situation aus der Perspektive des Auges und der Zahlen.

Was das Auge sieht:

Das defensive Konzept Fishers basiert in dieser Saison auf der Verantwortung jedes einzelnen Spielers, seinen Mann vor sich zu halten. Weniger Help Defense (und wenn dann von der Weak Side), sowie das zwingen des ballführenden Spielers zur Seite. Woody dachte, es wäre eine gute Idee, alle Spieler über die Mitte in Richtung Tyson Chandler zu treiben. Wir wissen, wie das endete.

Dieses Jahr machen die Knicks (vor allem Shump) die Mitte zu und vertrauen auf die Hilfe des Big Man dahinter, sollte man geschlagen werden. Leider … ja leider ist dies die große, prognostizierte Schwäche des Kaders in diesem Jahr. Während Dalembert seine Momente in der Defense besitzt, hat Amar’e Stoudemire den Kampf gegen seine schlechte Defense endgültig verloren. STAT steht nun für Standing Tall and Tranquilo. Vollkommen überfordert ist Amar’e eine labile Komponente im Gefüge der Knicks.

Aufgrund der klaffenden Lücke in der Mitte sinken die Flügel tiefer ab, stehen noch stärker in der Help Side und lassen ihre Gegenspieler oftmals frei stehen. Gegen ein Penetrate & Kick Team wie die Bucks fatal. Milwaukee verwandelte neun ihrer 18 Dreier anhand dieses Rezepts. Bis auf Shumpert kann niemand auf Seiten der Knicks zwischen Ball und Korb bleiben, was immer wieder dazu führt, dass die Defense bei einem Drive sich wie ein Akkordeon zusammen zieht und multiple Schützen außen frei sind.

Neben Stoudemire sind besonders Hardaway und Smith desaströs in der Defense. Sie schauen zu oft auf den Ball, verlieren dabei ihren Gegenspieler aus den Augen (der geht meistens Backdoor) und beweisen immer wieder, dass das Hirn in der Verteidigung meist eine Auszeit nimmt. Für THJr besteht zweifelsohne Hoffnung, allerdings ist seine anhaltende Schwäche in der Defense, gepaart mit seiner „Eichhörnchen auf Koks“ – Mentalität in der Offense irgendwie nicht so toll. Andersrum ist diese Philosophie der Verantwortlichen eine beinharte Prüfung, wer es verdient, zur Zukunft der Knicks zu gehören und wer nicht. 

Was zudem auffällt ist das andauernde Fehlen von José. Shane Larkin wird von der Aufgabe, die ihm anvertraut wird langsam aber sicher übermannt. Der Junge benötigt eine Auszeit in Form von Calderons Rückkehr (Titel einer Miami Vice Episode). 

Zu den positiven Dingen: Knapp zwei Wochen musste ich ohne den League Pass auskommen, was mir nicht ermöglichte, die Knicks zu schauen. Gestern Nacht sah die Triangle schon wesentlich flüssiger aus. Die Spieler sind schneller auf ihren Positionen, rotieren besser und passen den Ball genauer. Ein Produkt der Umgewöhnung, die langsam aber sicher eintritt. Dieser Fortschritt wird noch ersichtlicher, sobald José ins Geschehen eingreift. Was zudem auffällt ist der positive Einfluss des Trainerstabs, des Systems und Phil Jacksons. Man stelle sich die Situation im letzten Jahr vor – da Team wäre an einem dunklen Ort. Fisher belohnt und ermahnt seine Spieler gleichermaßen. Im letzten Jahr hätte ein Travis Wear keine Einsatzzeit gesehen, egal wie gut er sich im Training präsentiert. Besonders stark erkennt man den positiven Effekt allerdings bei Shumpert, der gestern ein weiteres Kapitel seiner Cinderella-Story schrieb. Nach kurzem Verletzungsausfall knüpfte Iman an seine hervorragende Leistung an. Er zeigt Konstanz, ein Novum in seiner Karriere bisher. Die Unterstützung der Coaches wirkt sich positiv auf sein Selbstvertrauen aus. Dies setzt das wahre Potenzial Shumperts frei. 

Was die Zahlen sagen:

17 Offensivrebounds bei 35 Fehlwürfen. Die Knicks belegen Platz 28 bei den Rebounds, nimmt man die Offensivrebounds raus, ist New York Letzter. Ich frage mich, was gestern mit Quincy Acy war. Er ist einer der wenigen Hustler im Team. Die Diskrepanz zwischen gegebenen und erhaltenen Fouls ist die größte der Liga – Platz 27 in den gezogenen Fouls (19,3), Platz 2 in den gemachten (24,7). Letzter bei den Freiwürfen. Dies sind alles Faktoren, die die Knicks derzeit zu einem Projekt machen. Verbesserungen sind zu sehen, allerdings auch frappierende Schwächen, mit denen das Team wohl so lange zu kämpfen hat, wie die jeweiligen Protagonisten spielen. 

Zum jetzigen Zeitpunkt wird wohl sogar eine Rückkehr Bargnanis (für den Samstag angedacht) positiven Effekt haben. Alles, was dem lückenhaften Front Court hilft, die Schwächen abzufedern. Das war’s von mir. Ich erwarte sehnsüchtig die Premiere von José und Andrea, die hoffentlich etwas mehr Substanz einspeist. Die Mannschaft ist trotz der Niederlagenserie positiv, was mir sehr gefällt. Es ist eine Grundlage, die Fehler abzustellen und besser zu werden. Im Fall von Shumpert und Anthony funktioniert dies bereits.

Auch in Niederlage noch ein Team. Für mich der echte Fortschritt in dieser noch jungen Saison. 

November 19th, 2014

4 Responses to “State of Knicks”

  1. Sheed sagt:

    Wann soll den José wiederkommen?



  2. thortsch-mann sagt:

    Sehr schöne Analyse! Offensiv sieht es ja ordentlich aus, aber in der Defense… uiuiuiuiui. Die Gründe hast Du sehr schön dargelegt. Ein zusätzlicher ist aber auch das zeitweise fehlende „hustling“. Teilweise fehlt da einfach der Einsatz und die Konzentration. Aber warum hat Acy nicht gespielt? Immer noch die Verletzung??? Das mit Stat ist mir auch aufgefallen. Er verweigert regelrecht die D. Vorne ist er allerdings schon effektiv.In der Defensive muss sich was tun.

    Calderon hat noch kein „Timetable“ aber Bargnani könnte Samstag wieder spielen. Jetzt auch noch Early für einem Monat raus!



  3. manu sagt:

    Es gibt noch kein Datum aber er trainiert wohl wieder mit.

    Ich habe auch die Hoffnung dass er uns deutlich weiterbringt. Larkin hat Talent aber gerade er scheint mit der Triangle noch überfordert defensiv hat er allein durch seine Größe Nachteile.

    Die Team Defense ist in der Tat weiter mies aber man sieht auch Fortschritte. Es war der richtige Schritte das Konzept komplett über den Haufen zu werfen und nun ersteinmal den Fokus darauf zu legen die Mitte dicht zu machen (das ist ja sehr ungewohnt für unsere Flügel :D) und dabei als Team zu verteidigen.Das funktioniert auch schon viel besser als letztes Jahr. Das dabei ersteinmal viele freie 3er für den Gegner rauskommen (die zu Niederlagen führen) ist ein Übel durch dass man durch muss wenn man eine defensive Identität schaffen will. Das ist ein Prozess der Schritt für Schritt vollbracht werden muss und als Team den Weg zum Korb zu versperren ist das Fundament einer guten Defense. Fisher setzt da die richtigen Prioritäten, er macht sowieso einen super Job wie ich finde.
    Denn sind wir doch mal ehrlich: Die Knicks sind nicht im Win Now Modus…



  4. thortsch-mann sagt:

    Auch gegen die schlechteste Defense der Liga hatten die Knicks wieder mal keine Chance. Ich mach mir schon ein wenig Sorgen. Die Wolves schossen vor dem Spiel gestern Nacht 5 3er im Schnitt. Martin hatte dann allein 7 und 37 Punkte! Wahnsinn! Außerdem die T-Wolves ohne Ricky Rubio, Nikola Pekovic und Thaddeus Young!!! Und in den letzten beiden Spielen 131 und 139 Punkte bekommen.
    Gegen die 76ers vielleicht dann mit Jose und Bargs. Wird dann alles besser? Dann geht es nämlich nach Texas. Gar nicht daran denken wie da unsere Defense durchgeschüttelt wird.



Leave a Reply