State of Play – oder die Konstruktion eines Allstars

Im Bus von Frankfurt nach Berlin finde ich endlich mal wieder die Zeit einen Artikel zu schreiben. Schuld daran sind zunächst die Jugendlichen hinter mir, die so laut sind, dass ich nicht schlafen kann. Daran merk ich, dass ich alt werde: Junge Leute stören meinen Mittagsschlaf. Als nächstes werde ich dann wohl gegen das slammen plädieren, aufgrund der Verletzungsgefahr…

Aber der wesentlichere Grund für meine Inspiration sind natürlich die Knicks! Wir haben gerade einen Monat in dieser Saison hinter uns gebracht, an den wir uns so gerne zurück erinnern, wie Rob an die Tabellenstände der Atlantic Division in der NHL im Herbst 2006 oder die Clippers als sie Zach Randolph tradeten! Ich bashe ihn also immer noch, obwohl er und die Grizzlies eine der Erfolgsgeschichten der NBA in letzter Zeit sind, aber da ich ja alt werde, kann ich liebgewonnene Marotten nicht mehr ablegen.
Doch müssen wir diesmal nicht neidisch auf die Grizzlies und ihre „Ohne-Iverson-schaffen-wir-die-Playoffs“-Einstellung sein, denn die Zombies aus New York in den Basketball-uniformen sind verschwunden und haben Platz gemacht für echte, gute Spieler! Es klingt fast schon wie im Märchen oder Hollywoodfilm, denn die Knicks begannen Ende November das zu tun, was wir schon die ganze Zeit von ihnen forderten: Sie spielen Defense und bewegen in der Offense den Ball. Entweder Mike D`Antoni und die Spieler lesen unseren Blog oder einfache Basketballweisheiten gelten eben doch auch in NYC. Mit dem Wandel von „7 seconds or less“ zu „at least 3 blocks a game“, feierten die Knicks Erfolge: Knappe Spiele gegen Boston und Denver, Kantersieg gegen das damals NBA-leading Phoenix und Atlanta, sowie weitere Siege gegen Charlotte und Chicago und die Nyets von jenseits des Jordan… äh Hudson. Zwar gab es auch Niederlagen gegen Orlando, die Bobcats und die Bulls (in der man 47 Dreier nahm und mal kurzfristig wieder vergaß, wie der erfolgreiche Basketball geht), aber das Team zeigte, dass es mit allen mitspielen kann. Auch zum Jahresende wurden einige Spiele wieder unangenehm verloren (zum Beispiel gegen die Nets), aber pünktlich zum Neujahr wurde das Ruder wieder umgedreht: Ein weiterer Sieg in Atlanta und das größte Schlachtfest der Saison gegen die Pacers! Schön zu sehen ist, dass die Knicks in entscheidenden Phasen eine gute Team-Defense haben und vor allem Wilson Chandler erkannt hat, dass sein Spiel nicht nur von außen funktioniert. Gerade die Blocks, von denen sie in der letzten Saison weniger hatten als Nate Einsatzzeit im Dezember, steigen an. Dies geht vor allem auf Jared Jeffries (unser Brian Scalabrine) und Danilo Gallinari zurück. Der Sophomore überzeugt zwar nicht immer mit guter Defense am Ball, rotiert aber gut in die und aus der Helpside und nutzt dort seine Athletik und Reichweite für Blocks. Auch in der für mich so wichtigen Kategorie der Turnover leisten sich die Knicks immer weniger. Das Resultat sind bessere Spiele. Am bemerkenswerten, neben der neuen Defense, die gegnerische Teams 11 Spiele in Folge unter 100 Punkten hielt, war aber, dass sie es in fast allen Spielen schafften, wenn die Dreier nicht fielen die Zone zu attackieren. Hier sind Wilson Chandler, gelegentlich Al Harrington und vor allem Pick & Roll alias CD und Dave Lee zu nennen.
David Lee ist und wird dabei gerade das, was in New York einem Superstar auf dem Parkett am nächsten kommt. Rob und mir fiel das beim Weihnachtsspiel gegen die Heat erstmalig auf: ESPN wurde nicht müde parallel Statistiken von D-Wade und D-Lee einzublenden. Außerdem wurde bei einem Switch, wenn die beiden mano a mano gingen dies auch dementsprechend von Mike Breen kommentiert. Okay, das können auch wir gewesen sein.
Aber auch sonst merkt man, dass Dave um einen Vertrag und zwar IN New York spielt. Er ist immer noch eine Double-Double-Maschine, hat sein Career High an Rebounds mit 21 gegen die Bulls wiederholt und verbessert seinen Midrangejumper auf nahezu Glen-Davis-Niveau (Memo an mich: Ulas soll mir mal beide Jumper analytisch vergleichen und das Ergebnis im nächsten Podcast präsentieren). Hinzu kommt, dass er in den letzten Spielen auch oft 3-5, einmal sogar 8, Assists hatte! Er nähert sich also langsam sogar dem Tripledouble und wird damit als potentieller Sidekick für nur einen Megastar nächste Saison immer unerlässlicher. Außerdem ist er für mich der Leader des Teams. Er sorgt mit seinem Hustle und seinen Statement-Dunks (die Definition reicht Robert nach) für die richtige Energie und das Vorbild für seine Mitspieler du macht gelegentlich die Spielzugansagen. Dies konnte ich bereits im Herbst 2007 beobachten, als Rob und ich das erstemal für die Knicks im Garden waren. Nachdem Einwurf unter dem eigenen Korb zu Marbury sagte Dave ihm, was er spielen soll. Fürs Protokoll: Die Knicks gewannen gegen die Nuggets. Da merkt man die gute Schule von David (Florida Gators). Zwar fehlt ihm immer noch ein Lowpostgame und er generiert auch keine Würfe für sich, weswegen er nicht der Clutchtime-Spieler werden wird, den ein erfolgreiches Playoff Team braucht, dennoch beweist er in letzter Zeit, dass D`Antonis Offense ein Katalysator sein kann. Man stelle sich also D-Lee in dieser Offense neben LeBron vor: Immer wenn der in die Zone zieht, findet er in Dave eine verlässliche Anspielstation oder D-Lee sammelt die Rebounds ein, wie die Blazers Verletzungen.
Bleibt also zu hoffen, dass die Knicks bis zum Allstarbreak so spielen wie im Dezember. Vielleicht ist dann ein Slam Dunk Champion oder ein Sophomore bei der Rookie Challange nicht der einzige Knickerbocker, den wir an einem Sonntag im Februar sehen. Dafür müssen die Knicks aber weiterhin Mannschaften wie die Bobcats am Mittwoch schlagen. Dann können wir neben einem Allstar, auch wieder von einer Teilnahme der New York Knicks an den NBA Playoffs träumen…

– Max

Januar 5th, 2010

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