Sturheit (1) – Gelassenheit (0)

lebron-or-bust

Manchmal stelle ich mir wirklich die Frage warum man sich im Leben überhaupt für einen Verein entscheidet. Grundsätzlich bringt dies immer Schmerz mit sich. Warum ist man nicht neutral eingestellt, wie gewisse Leute, die während einer großen Sportveranstaltung Sätze von sich geben wie „Der bessere soll gewinnen“ oder „Die, die schöner spielen“. Gekrönt wird solch eine Erfahrung der absoluten Gesichtslosigkeit nur dann, wenn man mal mit der Weiblichkeit Sport schaut. Neben den vielen Fachfragen (die man a) gar nicht hören will weil b) man weiß, dass es eigentlich gar nicht wirklich interessiert) kommt dann irgendwann die Feststellung „Die haben schönere Trikots“ oder „Die Spieler sehen besser aus“ … wenn es danach gehen würde, dürfte keine Frau der Welt ein Fan der Cavaliers sein, weil allein schon Delonte West die Attraktivität auf „Untoten-Niveau“ zieht.

Aber mal abgesehen davon, dass uns Männer das Äußerliche der Sportler mal so gar nicht interessiert (wobei ich immernoch für ein Strinbandverbot in der NBA bin), hätten wir als neutraler Beobachter doch ein viel leichteres Leben. Man könnte dann, wie bereits oft live erlebt, auch immer mehr zum Bandwaggoner mutieren. Da tragen Freunde über Nacht grüne Trikots und stellen aufgeregt fest, dass Glen Davis einen soliden Mid-Range Jumer entwickelt hat.
Letztes Jahr ist man also Celtics Fan, in diesem Jahr mochte man die Lakers weil Kobe Bryant es einfach wirklich wirklich … wirklich wollte. Und man wäre seines Lebens froh.

Aber nein, man geht den Weg des Schmerzes, irgendwann in der Jugend überfährt einen das „Aha-Erlebnis“ weil man den Club seines Herzens im Fernsehen oder live spielen hat sehen und man schwört diesem Verein ewige Treue.

Zu Beginn funktioniert das ja alles noch, aber über die Jahre wird die Gefahr stetig größer, dass nach vielen Erfolgen ein Abwärtstrend einsetzt. Wer in den 90ern Fan der Chicago Bulls war ist bis ins letzte Jahr hinein zum lachen in den Keller gegangen.
Und irgendwie hat es mich so richtig fies erwischt. Als Fan der Knicks seit 1992-93 war mir nicht mal eine Meisterschaft vergönnt – so konnte ich also nie in den Momenten, wo meine Freunde Hohn & Spott auf mich niederregnen ließen wie die Orkarmee beim Herr der Ringe riesige Felsbrocken etwas entgegensetzen wie „Aber 19xx, da waren WIR NBA Champion“ – Pustekuchen.

Stattdessen halte ich die Parole „Wenigstens bin ich kein Schönwetter-Fan“ jetzt schon so lang in die Luft, dass es günstiger kommen würde, Schilder anzufertigen.

Solche Erlebnisse prägen einen dann auch. Man verwächst innerlich mit dem Verein, spürt das Leid doppelt so stark und fühlt sich in der Ehre gekränkt, wenn ein Journalist mal wieder schlechte Presse macht. Zu Leid gesellt sich aber auch gern Freude.
Und so fühlen wir Anhänger der New York Knicks uns seit knapp eineinhalb Jahren wie aus einem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Die böse Stiefmutter Isiah Thomas ist weg und der (zugegebenermaßen alte) Prinz mit der Raucherstimme Donnie Walsh hat den Platz eingenommen.

Seitdem die allgmeine Marschroute klar ist (Summer of LeBron), werden wir Fans bei der Vorstellung, wie das Team 2010 ausschauen kann kreativer, als bei der Auswahl eines Geschenks für die Freundin.

Doch auch diese Euphorie geht dann schnell vorbei, wenn das Thema „Knicks + 2010“ auch öffentlich derart breitgetreten wird, dass es eher mehr Hiobsbotschaften zu vermelden gibt als positive Signale.

LeBron James sagt mittlerweile gar nichts mehr zu diesem Thema, Chris Bosh verfällt bei dem Wunsch, Ihn als Knick zu sehen in einen Dauerlachzustand und Dwyane „Pookie“ Wade sagt mehrmals öffentlich, dass ihn die Knicks nicht interessieren – zuletzt gestern in der Presse.

Nun steht man da, den Rucksack voller Hoffnungen und konfrontiert mit den Kompromitierungen der doch so geliebten und herbeigesehnten Spieler. Da denkt man sich irgendwann „Jetzt ist Schluß“. Ich renne nicht mehr hinterher.
Zu vergleichen ist diese Situation wie mit einer Frau – man verknallt sich, möchte Sie unbedingt kennenlernen, man bringt sich äußerlich auf Trab, vesucht interessant zu wirken und merkt dabei nicht, dass man genau das Gegenteil bewirkt.

So sehe ich dieses ganze Hofieren der Free Agent Klasse 2010 als kontraproduktiv für die Zukunft der Knicks. Warum soll man den Spielern hinterherrennen? Genug Alternativen kommen in den Folgejahren, wie ein Kevin Durant, Chris Paul, Deron Williams oder als Longshot O.J. Mayo.
Man merkt, dass die Kommentare eines Dwyane Wade persönlich kränken – und so wählt man schnell den Weg des Charles Barkley: „Ain’t no Pookie in my Fave 5“

Ich meine, die Heat hatten auch verdammtes Glück, dass Wade sich derart entwickelt hat. Solche Talente kommen aber immer mal wieder vom College, als nächstes wahrscheinlich Freshman John Wall.

Wie in vielen Lebenslagen kommt dann irgendwann der Trotzkopf in mir hoch, der sagt „Sollen Sie doch alle bleiben wo Sie sind“ … oder nehme ich dieses öffentliche Geschwafel viel zu ernst? Sollte ich lieber so entspannt sein wie Max. Der sitzt immer da und sagt nur „warte mal ab, einer wird schon kommen – die kommen dahin wo das Geld ist“.
Hat der gute Max ja nicht unrecht mit. Vielleicht ist das nur Publicity. Unter Umständen hat sich LeBron bereits entschieden nach New York zu kommen. Ist das also alles Boozerism (in Anlehnung an Carlos Boozer, der vor Jahren erst Cleveland eine mündliche Zusage gegeben und dann für mehr Kohle in Utah unterschrieben hat? Der in der Saison meinte er würde in jedem Fall ausopten und dann doch seinen Vertrag erfüllt? Der sich morgens bei den Bulls und Abends „unbedingt, gerne, gegebenenfalls“ im Trikot der Heat sieht?

Man darf diesen ganzen Zirkus NBA am Ende wohl nicht zu ernst nehmen, aber je mehr Tage dieser Weg Richtung Sommer 2010 ansammelt, desto interessanter wird für mich der Gedanke, etwas antizyklisches zu tun um die Knicks zu einem Top Team zu formen. Verdammte Emotionen.

Robert

August 14th, 2009

10 Responses to “Sturheit (1) – Gelassenheit (0)”

  1. Jan Schaknowski sagt:

    Hey Guys,

    ich denke auch dass eher Kontraproduktiv ist sich jetzt schon bei den Free-Agents der nächsten Offseason anzubieten, aber soweit ich das mitbekommen habe ist vom Knick-Management selbst doch gar nicht so viel in die Richtung zu hören gewesen, oder?!?? War das nicht eher die Medienwelt die da die Richtung vorgibt? Natürlich werden die intern auch über LeBron, Dwayne und Co. sprechen, ist ja klar, aber ich denke der eingeschlegene Weg mach alles in allem schon Sinn.

    Was ich aktuell nicht ganz verstehe ist das es mittlerweile ja doch schon recht lange dauert bis die Situation um David Lee und Nate Robinson klar wird. Ich denke wenigstens Lee sollte man halten, auch wenn man dafür am Cap-Space für die nächste Offseason kratzen muss. Auch die Situation um die Point-Guard-Position bereitet mir etwas Kopfzerbrechen. Das Kidd nicht kommen wollte ist sehr schade, aber man sollte jetzt doch so langsam tätig werden, wenn man denkt das auf der Position noch Handlungsbedarf ist. Und das ist ja offensichtlich der Fall, wenn man die Namen betrachtet die da die letzten Wochen in der Verlosung waren…

    Warum bist du (Robert) eigentlich gegen Stirnbänder?!? Erschliesst sich mir nicht so ganz…

    Grüße an alle Orange-Blauen…



  2. Robert sagt:

    Hallo Jan,

    ja, hast schon Recht mit deiner Einschätzung. Von Donnie hört man keine konkrete Aussage. Das mit D-Lee ist so eine Sache – ist er wirklich ein Spieler dem man $9-10 Mio. pro Jahr gibt?

    Er hat schon seine Limitierungen und – was ich zuerst auch nicht verstand – NY hat alle Karten in der Hand mit Lee. Wenn Sie sich nicht einigen können muss er das Qualifying Offer annehmen – d.h. er reißt sich n Arsch auf in der kommenden Saison und spielt um nen Vertrag. UND es bedeutet mehr Flexibilität.

    Zum Thema Stirnband – ich finds einfach albern 🙂 schon damals bei Cliff Robinson … Abschaffen muss mans!!

    Gruß,

    Robert



  3. Jan Schaknowski sagt:

    Hey Robert,

    wenn mans so betrachtet ist es schon verständlich wie Donnie die Situation mit D-Lee handelt, ich bin einfach nur der Meinung das man junge Spieler wie Lee oder Robinson halten sollte, natürlich aber nicht um jeden Preis. (10 Mio. würde ich ihm auch nicht geben) Die sind noch entwicklungsfähig und gerade Lee ist doch n Klasse Team-Spieler, auch wenn er, wie du schon meintest, seine Limitierungen hat. Aber an denen kann er ja noch arbeiten…

    Bin mal gespannt wie Al Harrington sich nächstes Jahr macht, ob er Verantwortung auch als go-to-guy übernehmen kann. Zutrauen würde ich es ihm…

    Zu den Stirnbändern: es gibt ja auch Leute die die Dinger nicht aus Styletechnischen Gründen tragen, sondern weil einem sonst der Schweiß in die Augen läuft. Ich zum Beispiel. Also kann ich deinen Standpunkt dazu nicht ganz verstehen…aber ist ja auch geschmackssache…

    Hoffentlich ist die Offseason bald vorbei…
    Wo schaut ihr denn dann eigentlich immer, über irgendwelche live-streams (wie ich) oder über league-pass? Wo habtn ihr die Summer league gesehen? Habt ihr ne Ahnung wo man pre-Season Games sehen könnte?

    Vielen dank für einen guten Tipp… Jan



  4. Robert sagt:

    🙂

    Die Stirnbandgeschichte ist auch eher ein Dauerkalauer bei mir – da sollte man mich nicht ernst nehmen 😉

    Also ich hatte in der letzten Saison den League Pass und war zu 70% zufrieden. Bei mir zu Haus haben wir am WE oft geschaut – das wird sich wiederholen!!

    Pre-Season? Ich tippe mal auf Justin.tv … aber nichts genaues weiß man nicht …

    Schau dir mal den League Pass an. Wenn die Probleme behoben wurden gibts eigentlich keine Alternative …

    Robert



  5. razah sagt:

    Hallo, wieder ein toller Beitrag. Ich hoffe Ihr verliert nicht die Lust an dem Blog. Bin auch schon seit ca 92 Fan der Knicks und finde mich in der Beschreibung des nicht immer so tollem Knicksfandaseins wieder.
    Da ich dank Kabeldeutschland ab November auch Highspeed-DSL hier habe, werde ich mir auch den League-Pass holen um endlich mal wieder Spiele der Knicks sehen zu können. Gruß an alle Knicks-Fans, alles wird gut.:)

    Gruß Razah

    PS: Wer war eigentlich Euer Favorite Player neben Ewing? Ich fand ja immer Oakley und Mason genial. Aber eigentlich waren alle, außer Charles Smith;) cool von der alten Truppe.



  6. Robert sagt:

    Morgen Razah,

    vielen Dank für die positive Kritik! Die Lust werde ich sicher nicht verlieren und versuchen, den Blog immer weiter zu verbessern. Da wird in den kommenden Wochen noch einiges anstehen 🙂

    Und mit Mase und Oak hast du Sie schon getroffen – ich fand ’92 auch Xavier McDaniel gut, Doc Rivers, Greg Anthony … das war einfach ein tolles TEAM! mal sehen ob wir sowas wiederbekommen …
    Kann dir den LP nur empfehlen – er hat seine Macken, aber die Chance, das ganze Wochenende Replays aller Spiele zu sehen is schon der Hammer 🙂

    Gruß,
    Rob



  7. Jan Schaknowski sagt:

    Hey Leute,

    schön das wir hier offensichtlich mehr werden. Den League-Pass konnte ich in den Playoffs auch schon ausprobieren, hab die Zugangsdaten von nem Freund bekommen. War soweit auch ganz zufrieden… Was gabs denn da für Probleme beim LP?!??? Justin.tv kenn ich auch, da hab ich letzte Saison auch ab und zu geschaut. Aber ich denke mit dem LP hat man ne bessere Qualität, und bei justin war dann auch mal mitten im Spiel die Übertragung weg…

    Ja, ´92 war schon ne geile Truppe, mit McDaniel und Gerald Wilkins, habs bis heute nicht verstanden das die beiden dann abgegeben wurden. New York hat eben nur Pech gehabt (wie einige andere Teams auch) das zu der Zeit Michael Jordan spielte, da war nunmal nicht viel zu holen. Obwohl man in den ´93er Playoffs nach der 2-0 Führung hätte gewinnen müssen…und die Szene am Schluss in Spiel fünf wo Charles Smith X-mal geblockt wird hat sich ganz schön eingebrannt, auch wenn man hätte Foul pfeifen können…
    Und ´94 hätts ja auch was werden können. Im nachhinein haben ja viele auf Starks rumgehackt, aber ohne Starks wäre man nie ins Finale gekommen! Und in Spiel sechs hat er ja zum Schluss die Knicks quasi im alleingang im Spiel gehalten, bis zum letzten Wurf…der bestimmt drin gewesen wäre wenn Olajuwon nicht die Fingerspitzen dran gehabt hätte…
    Tja, schade schade… Über Spiel sieben hüllen wir lieber den Mantel des schweigens…

    Und wer weiss wie ´99 das Finale gegen San Antonio gelaufen wäre wenn Ewing fit gewesen wäre, da hätte ich den Knicks ne 50/50 Chance gegeben…auch LJ war da ja nur fitgespritzt… waren aber geile Playoffs mit Camby und Spreewell! Schade das man dann Camby abgegeben hat…

    Aber ich bin guter Hoffnung das ich noch ne Knicks-Meisterschaft miterleben werde…

    Ja, Mason und Oakley waren schon ne Bank, oder besser gesagt ne Mauer…mein Lieblingsspieler zu der Zeit war Starks. Aber auch Derek Harper hat mir gut gefallen, auch Hubert Davis war n guter Backup. Greg Anthony war mir immer zu unbeständig, und Doc Rivers hat ja nicht soo lange in NY gespielt, hatte ja dann auch ne größere Knie-Verletzung, deswegen wurde ja Harper geholt…

    Schön mal wieder etwas in den Erinnerungen zu schwelgen, hab ja auch n ganzen Schrank voll mit alten Knicks-Videotapes, von Zeit zu Zeit bekomm ich ja mal n rappel und ich schau mir n ganzen Tag die alten Highlights an…

    Grüße an alle Knicks-Fans!!!



  8. F. sagt:

    Rob, gibts hier nichts über Fußball??? So Hannover 96 und so… 🙂

    Schöner Blog! Auch wenns nur Basketball ist 😛



  9. Robert sagt:

    🙂

    Wie kommst du denn dazu, meinen Blog zu lesen?



  10. Arndt sagt:

    Hier entsteht wohl echt was richtig Gutes. 🙂 Freu mich das alles zu verfolgen, auch wenn ich kein Knicks Fan bin. Aber *DaumenHoch*…und immer weiter 🙂



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