Von der Hölle in den Himmel und zurück … 24 Hours of Knicks Basketball

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Donnerstag, 17.03.

Farben spielten in letzten 36 Stunden eine große Rolle. Der Donnerstag präsentierte sich in Grün, sowohl hier in Berlin als auch in New York. Es wurde der alljährliche St. Patricks Day begossen. Die Menschen feierten ausgelassen in den Pubs, ich kann meine Beteiligung daran weder bestätigen noch dementieren.
Auch im Madison Square erblickte man ein ungewohntes Bild. Die Fans trugen Grün, die Spieler trugen Grün. Und ob es nun die Farbe war oder die wenig unpopulären Umstände rund um den Basketballclub, die Mannschaft wirkte nicht nur optisch anders.

Gegen die gastierenden Memphis Grizzlies sah ein vollgepackter MSG Basketball mit Herz und Engagement, sogar aggressiver Defense. Irgendwie erinnerte mich dies an meine Jugend. Zu Hause schauten wir Fernsehen immer über Satellit. Vorteil dessen war, dass man den damals einzigen Pay TV Sender Premiere einschalten konnte. Zwar war das Bild extrem verkrisselt, der Ton wurde jedoch glasklar übertragen.
Kniff man die Augen stark zusammen und regte seine Vorstellungskraft an, konnte man die Umrisse der Darsteller sogar ein wenig erkennen und zusammen mit dem Ton wurde die Illusion geschaffen, man würde sogar etwas von dem codierten Film oder Fussballspiel sehen.
Hätte man während dieses Spiels die Augen zugekniffen und seine Phantasie spielen lassen, man hätte kurz gedacht da spielen die Celtics. Enge Defense am Mann, Würfe wurden schwer gemacht, man ließ die Grizzlies fühlen dass man da war. Die Knicks präsentierten sich in ganz anderer Form und gaben Memphis in dieser Partie eigentlich nie eine wahre Gelegenheit, zu gewinnen.
Zwar war dieser Sieg mal wieder geprägt von einer unverschämt guten Quote aus der Distanz, man merkte den Knicks jedoch an, dass Ihre Aggressivität in der Defense der Aufhänger und die Motivation war, auch in der Offense den Weihnachtsbaum anzuzünden.
Man sah Ballbewegung, das Spiel miteinander (25 Assists) und wenige Turnover. Die Partie an sich begann man sogar sehr tempoarm, mit viel Überlegung und genauem Passspiel. Natürlich, wenn man offensiv so heiß läuft wie die Knicks ist es schwer, ein Spiel noch zu verlieren. Die Offense Power wurde jedoch nur durch den Generator Defense angetrieben. Jared Jeffries zurück in der Starting Five und kontinuierlicher Kampf um jeden Ball. Die Knicks zeigten erneut das Gesicht des Power House.

Freitag, 18.03.

Nur 24 Stunden nach der Gala im MSG zeigten die Knicks ihre hässliche Seite. Erneut kassierte man genau 99 Punkte – wie schon gegen Memphis, die Offense fand jedoch nicht ansatzweise so statt, wie man es noch in der Partie zuvor erlebt hat. Zweistellige Turnover allein in der ersten Halbzeit, eine Fülle an zugelassenen Offensivrebounds, offen wie ein Scheunentor direkt in der Zone und unfähig, das Spiel in halbwegs sicherer Lage nach Hause zu bringen. Innerhalb von 24 Stunden stampfte man jeglichen gezeigten Fortschritt ein und verlor erneut gegen eine vermeintlich schlechtere Mannschaft.
Die Leistungsschwankungen haben zumindest gestern einige Namen. Defensiv konnte man die Pistons nie stoppen. Erst gingen sie kontinuierlich in die Zone, befruchtet durch die Fülle an Fehlpässen und Ballverlusten der Knicks, später nutzte man das Absinken des Gasts aus, um aus der Distanz zu punkten.
Aber all diese Turnover der Knicks (und im speziellen Rusty B.) konnte man verkraften, weil eben jener Mister Billups im dritten Viertel aufwachte, kontrollierter agierte, punktete und seine Mannschaft in Abschnitt 3 zur Führung zog. New York hatte auf einmal Oberwasser. Man verteidigte wieder, man gewann zeitweise den Kampf am Brett, passte den Ball so, als wäre man 1 Tag zurück in der Zeit gereist und erarbeitete sich so einen 11-0 Run.
Zu diesem Zeitpunkt denkt sich der Zuschauer: „der Knoten ist geplatzt, here come the Knicks“. Doch erneut war man nicht in der Lage, das Spiel mit Engagement und Anstrengung zu Ende zu spielen.

Detroit kam zurück, erkämpfte sich jeden Korb, stellte in der Defense um, frustrierte den glücklosen Carmelo Anthony noch mehr und nutzte die taktischen Fehler der Knicks in den letzten Minuten aus. Mike D’Antoni entschied sich angesichts des dahinschmelzenden Vorsprungs für die Offense und gegen die Defense.
Das vierte Viertel war erneut eine Paradebeispiel für den Showdown zweier Philosophien … und wie es bei Showdowns nunmal ist, einer gewinnt, der andere verliert. Während Detroit Head Coach John Kuester (gezwungenermaßen) auf Will Bynum setzen musste und mit Chris Wilcox einen Banger am Brett in die Schlacht schickte, verfiel Mike D’Antoni erneut seiner Liebe zur Stretch 4 a.k.a Shawne Williams. Kudos an Williams, der wirklich eine gute Partie spielte, mit Amar’e Stoudemire jedoch das zahnloseste Duo der Liga bildet – was die Defense betrifft. Williams selber ist kein schlechter Verteidiger, nur ist er nicht in der Lage, die von Stoudemire verursachten Fehler zu vertuschen.
Die Knicks benötigen dringend einen Mister Wolf von Pulp Fiction, der als Cleaner auftritt und der Mannschaft in der Defense kollektiv den Arsch rettet.
Denn während D’Antoni in Sachen Offense all-in ging, verlor er den Blick auf die elementaren Basics wie den Rebound. Landry Fields ist einer der besten Rebounder der Mannschaft, er musste jedoch den Platz für einen Douglas/Billups Backcourt räumen. Jared Jeffries zeichnet sich durch Defense und Rebounding aus, er wich für Stretch 4.
In der Konsequenz erlaubte man Detroit in 12 Angriffen 10 Erfolge und wichtige Offensivrebounds in der letzten Minute. Allein der Wilcox Tip Dunk und anschließend sein O-Rebound über Melo hinweg waren der Sargnagel für New York. Der Gameplan war erneut erfolglos.
Verrät ein Blick auf die Stats aber nicht etwas anderes? Waren es nicht eher die vielen Turnover und viel mehr das schlechteste Spiel Melo’s im Trikot der Knicks? Derzeit unterdrückt das System die Fähigkeiten einiger Spieler, im speziellen Billups und Melo.

„We just got to buy into Mike D’Antoni’s system. It works. I’ve been a part of it for a long time now, and it’s been very successful. We just have to buy into it and get it done,“ Stoudemire said. „We’ve proven it works with the team we had before the trade, and it can work with the guys we have now. So it’s just a matter of us buying into it.

„It’s new for most of the guys, so it takes time for them to go out and understand how it works. So I think over time it’ll grow on them,“ Stoudemire said. „Hopefully it turns around soon.“

Ein Armutszeugnis … und meines Erachtens nach eine Formel für Misserfolg. Ist es nun D’Antoni’s System oder seine Wechselpolitik, Carmelo Anthony, seines Zeichens einer der besten Scorer der Liga, ist auf der Suche nach seinem Rhythmus. In den ersten 3 Minuten hatte Melo den Ball nicht mal in der Hand, es dauerte noch mal 1-2 Minuten, ehe er in der Position war zu punkten.
In der Folge hatte man nie das Gefühl, Melo wäre in das Spiel involviert, manchmal musste ich ihn mit einem suchenden Blick finden um sicherzugehen, dass er noch spielt.

Auf Platz 11 meiner Charts der Sätze die ich nie geglaubt hätte mal zu sagen: Zwei Nächte hintereinander war es Toney Douglas, der die Mannschaft trug … how about that!? Toney knüpfte an seine Monsternacht gegen Memphis an und verursachte häufig freie Würfe für seine Mitspieler bzw. punktete selbst überlegt(!).
All dies konnte jedoch nicht verhindern, dass NY erneut von einem gefundenen Erfolgsrezept abwich und und den Gegner stärker machte als er war. Man glaubte, mit Offense und 3ern zu gewinnen, ging jedoch aufgrund mangelnder Offense und der Fähigkeit, einen Chris Wilcox auszuboxen, unter.
Mangelnde Offense trotz STAT und Melo? Wie lange wird D’Antoni versuchen, Melo in sein „Free Floating jeder darf mal“ – System zu quetschen. irgendwann mit Melo zum bekannten Frosch im Mixer … und es macht „pitsch“.
Was bringt einem ein Closer, wenn er nicht den Ball bekommt. Und tun wir mal nicht so, als wäre es Rodney Stuckey’s Lockdown Defense gewesen, die Melo abgeschaltet hätte.
Der Coach findet einfach in seinem System keine Möglichkeit, seine potenten Scorer zu „featuren“ (sans Amar’e). In jedem Fall köchelte Melo nach der Partie schon leicht im Teambus und die Frage muss gestellt werden, woher seine Frustration kommt. Ist es die Unzufriedenheit über seine eigene Leistung oder über die Art, wie die Knicks in der Offensive agieren.

Nach dieser Niederlage in Detroit kann man dem Head Coach erneut didaktische Fehler vorwerfen. Nach Indiana ist es nun Detroit, welches Schauplatz für des Trainers Fehlentscheidung ist.

März 19th, 2011

7 Responses to “Von der Hölle in den Himmel und zurück … 24 Hours of Knicks Basketball”

  1. Andreas sagt:

    same procedre 🙂

    Rob, ich bin schwer beeindruckt von Deinem Fachwissen. Meine Fresse, 🙂 Du träumst diese Spiele doch noch fünf Mal nach oder?!

    Übrigens mal vielen Dank für eure Kommentare zu meinem „Ach früher war alles besser“ Wehklagen. So sollte das eigentlich nicht klingen, aber irgendwie ging mir beim Indiana Spiel die Euphorie der letzten Monate dann doch wieder flöten.

    Diese Achterbahnfahrt werden wir bis in die kurzen Playoff sehen. Monsternächte, Dreierfestivals und Outer Space Wurfquoten gibts immer mal. Hat jeder. Die Clippers holen ihre 20 Saisonsiege seit 30 Jahren so! Aber Teams wie Chicago, Denver oder die Blazers fallen selbst nach dem Abgang stärkster Spieler nie in ein Loch. Denver hat mit Melo und Billups angeblich die Substanz verloren und gewinnt munter weiter. Chicago zeigt seit 60 Spielen eine schwer beeindruckende Leistung. Hart, kompromisslos, kontrolliert, leidenschaftlich. Und das ohne 200 Mio $ Punktemaschinen. Das in diesen Fällen der Grund dafür immer in der konsequenten Coachinglinie zu sehen ist spare ich mal dem geneigten Leser… 🙂

    Und diese Leistung WIRD sich fortsetzen. Und es IST ein Coaching Problem. Und WEIL wir gerade dabei sind, 🙂 ich mache mich gerade schlau wer als Trainer auf dem Markt ist. Vielleicht kann man Turiaf noch gegen Pat Riley tauschen? In Miami kommen die sicher allein klar. Und was macht Svetislav Pesic eigtentlich?



  2. Andreas sagt:

    Ach Jan, noch was… 🙂 Es stimmt absolut, wenn Spieler nach einem Basketballspiel noch die Kraft haben zu twittern das sie schei.. waren, ist was faul im Staate New York. Nach zwei Stunden Spiel auf dem Falkplatz meiner Jugend, (DDR Berlin!), wollten wir nur noch auf’n Arm! 🙂 und schon geht die Heulerei wieder los! Ich lach mich tot…



  3. Doug sagt:

    Nur ein Wort: FRUST!



  4. Sebastian S. sagt:

    Melo ist noch kein Teil dieser Mannschaft. Ich glaube weder auf noch abseits des Platzes, und es wird immer deutlicher das Melo nicht annähernd auf dem Level eines LeBron James‘ oder Dwyane Wade’s ist, die beiden helfen ihren Teams auf andere weise, wenn sie nicht treffen. Aber Melo zwingt immer weiter, bekommt nur charges gepfiffen, wirft den Ball weg, etc.

    Mh, welches Team feuer ich denn nun in den Playoffs an, wenn meine Knicks raus sind? :O



  5. Andreas sagt:

    und die Bucks dürfen auch noch mal! Warum glaube ich das der Trade niemandem wirklich gut tut? Das Team war stabiler vor den Wechseln. Schade drum. Meine Güte, die Bucks… 🙂



  6. razah sagt:

    Tja nun sind wir also das erste Mal seit dem Trade unter .500 Ich hab das Game weggeschaltet nach dem ersten Viertel, nachdem man im Sekundentakt das Publikum schreien hören konnte, nach einer erfolgreichen Action der Bucks. So übel, naja wenigstens sind sie dann wohl doch noch rangekommen, aber verloren ist verloren. Langsam aber sicher müssen sie sich mal zusammenreissen, so macht das alles keinen Spaß. Die Melo-Honeymoon-Stimmung ist jedenfalls sehr schnell dem sehr tristen Alltag gewichen. Die Jungs in Denver machen Laune.



  7. Strucki sagt:

    finds zwar auch schrecklich was momentan abgeht- schätz die Mannschaft aber trotzdem weit stärker als vor dem trade ein- wenn wir mal gut spielen(leider momentan maximal2,5 viertel) ist eine Dominanz da, die es seit 10 Jahren in NY nicht mehr gegeben hat- das hätte der alte Kader nicht gebracht. Das mit dem Einspielen darf man einfach nicht unterschätzen(billups ist ja auch erst wieder kurz zurück) v.a in dieser Phase der Saison(zum Beginn hat man doch viel mehr einfache Spiele) jetzt gehts noch bei einigen mannschaften um was(indiana, auch theoret. bei den bucks)- das die Eistellung absolut nicht stimmt ist klar aber fürs nächste Jahr bin ich immer noch zu 100% positiv- dieses jahr sind wir eh schon hundertmal besser als ich erwartet habe 🙂



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