Warum „Chris Paul-nach-New York“ ein unwahrscheinliches Szenario ist

CP3

Nachdem das – durch die Free Agency entstandene – Feuer so langsam gelöscht wurde, stechen nun neue Flammen ähnlicher Qualität empor. „Miami Thrice“ scheint seine Nachahmer zu finden. Die Entstehung dieses neuen Dreigestirn in South lässt Stimmen anderer Stars laut werden, die ein ähnliches Triumphirat anstreben.

Zunächst war es Carmelo Anthony, der aufgrund seiner Wurzeln die Zuneigung zu den New York Knicks öffentlich proklamierte. Als es sich dann jedoch ergab, jüngst auf der Hochzeit von Anthony in New York, dass Chris Paul in feinster „Barney Stinson“ – Manier den „Challenge Accepted“ Federhandschuh in Richtung James, Wade und Bosh warf, da war klar, diese Verschiebung der Machtverhältnisse könnte erst der Anfang sein.

Seit dieser Woche wissen wir von einer „ungenannten Quelle“, dass Chris Paul aus New Orleans weg will. Ist dies bestätigt? Anscheinend, denn es gab weder ein Dementi seitens des Spielers noch der Hornets selbst. Kommt diese Entwicklung überraschend? Ja und Nein. Denn einerseits hatte man immer die Loyalität des All Stars bewundert, andererseits häuften sich aber auch neuerliche Trade Berichte, die seinen Namen involvieren.
Hat Chris Paul nun endlich seine Schmerzgrenze erreicht? Sieht er keine Zukunft mehr bei den Hornets und ist das Stühlerücken auf Management -und Trainerebene der berühmte Tropfen? Eines muss festgehalten werden – Chris Paul war stets loyal, er äußerte sich nie negativ in der Öffentlichkeit und bekräftigte unermüdlich seinen Willen zum Verbleib, verknüpft mit der Prämisse, dass sich die Hornets zum Erfolg bekennen.

Doch genau dieser Erfolg ebbte in den letzten zwei Jahren stark ab. 2007-2008 waren die Hornets noch die Cinderella-Story der NBA. Ein junges, aufstrebendes Team dass den Spurs eine harte Playoff Serie spendierte. New Orleans erkannte den Trend und investierte – leider recht erfolglos. Verletzungen und ein Abflachen der Leistung ließen die Mannschaft straucheln – Erstrundenaus in 2009.
Was sich dort bereits ankündigte wurde ein Jahr später weiter durchgezogen – Inhaber George Shinn, gebeutelt von der Finanzkrise und extremer Liebhaberei zu seinem Geldbeutel, ordnete den Ausverkauf an. Pauls bester Freund Tyson Chandler wurde nach Charlotte abgebeben, Stojakovic, West und Peterson angeboten wie Sauer-Bier.
Versetzen wir uns also kurz in die Lage von Chris Paul, frisch von einer Vetragsverlängerung rein in die harte NBA Salary Realität. Die goldenen Jahre wurden jäh gestoppt, die Mannschaft in die unteren Riegen der Tabelle durchgreicht. Die dadurch schon angespannte Beziehung zum GM Jeff Bower wurde noch schlechter, als Head Coach Byron Scott gefeuert und durch eben jenen GM selbst ersetzt wurde.

Ist es also nur nachvollziehbar, dass der 26-jährige Star Point Guard weg will? So einfach stellt sich diese Situation nicht dar. Aufgrund der freundschaftlichen Nähe zu Lebron James & Co. verließ Chris Paul vor kurzem seine alte Agentur Octagon und wechselte zu LRMR, die Agentur, die nicht nur James unter Vertrag hat, sondern ihm gehört. Ihm und seinen Jugendfreunden, darunter auch Maverick Carter. Ohne jetzt zu sehr in den Marketingbereich abzudriften – LRMR war der Strippenzieher hinter diesem ganzen Sommertheater um die Free Agency. Ein Satz fasst vielleicht zusammen, welchen Einfluss Carter, CEO der Firma auf das heutige Sportbusiness NBA hat:

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„What are we doing differently?“ Maverick told the magazine. „One thing we do differently, we like to control — well, control is a bad word — we like to be involved in every aspect of the brand we’re partnered with: who they’re advertising with, what the advertiser looks like — if it’s a commercial, then who’s the director? We really strive on the management side once a deal is done, so it becomes a partnership, not just a deal where they pay LeBron, he shows up.“
]

Mit dieser Einstellung ist es auch kein Wunder, dass das Thema Chris Paul zur Staatsaffäre wird. LRMR schürt das Feuer und schmiedet das Eisen. Nachdem James in der denkbar schlechtesten Art und Weise über seine Zukunft entschied, ist es nun an Chris Paul, das erfolgstriste New Orleans zu verlassen. So macht man Marketing – ob etwas an dieser ganzen Sache dran ist oder nicht, die Liga weiß, dass CP3 kein Tabuthema mehr ist.

Was kann sein Arbeitgeber also tun? Ist er machtlos angesichts dieser PR Welle, die da auf Ihn zurollt? Entgegen aller Analysen und Meinungen ist die Lage und die Zukunft der Hornets nicht schlecht. Die Mannschaft versucht sich von den Altlasten zu befreien, vollbrachte mit Marcus Thornton und Darren Collison im Draft 2009 ein kleines Wunder und war auch im Draft 2010 aktiv.
Man gab den Vertrag von Morris Peterson an OKC ab (im Paket mit Rookie Cole Aldrich) und erhielt im Gegenzug die beiden Picks der Thunder. Mit diesen zog man Craig Brackins und Quincy Pondexter, zwei Spieler die in der Summer League positiv aufspielten. Addiert man dies also zu Paul und den soliden Spielern wie David West & Emeka Okafor hinzu, dann wirkt die Tatsache, dass Stojakovics Vertrag ein auslaufender ist wie die „Cherry on top of the regular Cherry“.
Die Aussichten der Hornets sind also passabel – dies wird der neue GM Dell Demps und sein guter Freund und Neu-Coach Monty Williams auch als Aufhänger nehmen, wenn sich die beiden mit Paul am Montag an einen Tisch setzen. Dies wird dann auch der Moment sein, in dem die Hornets Ihre größte Trumpfkarte ausspielen – der jugentliche Neuanfang des Management. Demps und Williams sind beide knappe 40 und bringen den nötigen frischen Wind mit.
Im Gepäck könnte bereits auch ein Verkaufsplan für den Club sein, der möglichen Interessenten vorgelegt wird. George Shinn will die Hornets verkaufen – und was steigert den Wert der Franchise mehr als ein Redeem Teamer, ein All Star und ligaweit bester Point Guard?
Pauls Loyalität sollte hierbei nicht unterschätzt werden, genauso wenig wie der Einfluss seiner neuen Geschäftsfreunde. Sollten Demps und Williams das Konzept der Jugendlichkeit mit (bald nahender) fianzieller Flexibilität verkaufen können, dann kann man mit einem Verbleib Pauls zumindest für die kommenden zwei Jahre rechnen. Sollten Sie scheitern, wird LRMR den Unmut des All Stars weiterhin medial herausschreien.

Ist für die Knicks, die wohl ganz oben auf Pauls Wunschliste stehen, der Zug also schon abgefahren bevor er überhaupt eingetroffen ist? Machen wir uns nichts vor – es ist immer toll, wenn ein Franchise Player mit New York in Verbindung gebracht wird. Auch müssen wir uns erst an die Situation gewöhnen, dass wir nicht mehr auf der „Geberseite“ des Tisches sitzen.
Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die Knicks Talent für Geld abgeben mussten. Man ist erholt und entschlackt aufgestellt, kann selbst auf Anfragen anderer Teams warten und finanziell ins Wanken geratene Franchises erleichtern.

Doch sind die Knicks bereit, die ganze Farm auf Paul zu bieten? Und ist dies überhaupt schlau. So sehr wir uns autosuggestiv einreden, dass ein neues Knicks Team um Amar’e, Randolph, Gallo und Felton der absolute Knaller wird (und das könnte es werden), sollte man nicht die Chance auf einen Franchise Player ergreifen wenn (!) sie sich bietet?
Wenn wir uns jetzt schon ausmalen, was ein Felton und Stoudemire anrichten können, was schaffen dann erst CP3 & STAT …

Zum jetzigen Zeitpunkt weiß die Öffentlichkeit eigentlich rein gar nichts. Es gibt keine Fakten, keine Forderungen – lediglich Mutmaßungen. Natürlich könnte man nun anfangen, unterschiedlichste Trade Pakete zu schnüren und diese mit Namen wie „Randolph“ – „Gallinari“ – „Chandler“ – „Curry“ oder „Douglas“ zu beschriften … oder gar mit allen auf einmal. Und was macht man mit zwei Point Guards – denn Raymond Felton kann erst ab Dezember wieder getraded werden.

Fakt ist, dass New Orleans derzeit nicht plant, irgendwelchen medialen Berichten zu folgen. Und warum sollten Sie dies auch. Die Lakers ignorierten Kobe Bryant 2008 auch und erhielten dann die Schenkung aus Memphis (in Form eines unrasierten Spaniers). Und ehe man sich es versah war Bryant ein Laker for Life. Dies sollte dem Management aus dem Big Easy vor Augen gehalten werden.
Des Weiteren wird man nicht unbedingt gewillt sein, seinem frustrierten Star dann auch noch seinen Wunsch zu erfüllen, wenn sich andere Optionen auftun. Tams wie die Portland TrailBlazers und New Jersey Nets hätten ebenfalls attraktive, vielleicht sogar bessere Angebote (vom Talent her). Man darf nicht vergessen, dass es einen Tag vor dem Draft heftige Gerüchte um einen Trade nach Jersey gab und dieser nur torpediert wurde, weil die Nets nicht Okafor nehmen wollten.

Also bedeutet dies für alle: Ruhe bewahren … für die Hornets … für Chris Paul …. und vor allem für Donnie Walsh. Der wird anhand dieser Situation ohnehin tief Luft holen. Denn wenn er eines weiß, dann, dass es schwierig ist mit Teams zu verhandeln, die einen Salary Dump vornehmen müssen. Und wollen die Knicks Fans Emeka Okafor als Sinnbild dafür, dass man 2011 keine Chance auf Carmelo Anthony hatte? Ersterer müsste nämlich mit Sicherheit genommen werden, um den Deal zu versüßen.

Diese ganze Situation scheint keine Zeitungsente zu sein. Sie ist eher ein freundliches „Hallo“ der neuen Geschäftspartner Chris Pauls an die Adresse der Hornets. Die Nachricht dahinter ist: „Werdet besser oder Chris will weg“. Und ob New York dann tatsächlich sein Ziel ist bleibt abzuwarten. So etwas haben wir ja schonmal vernommen … und das ist noch gar nicht so lange her.

Juli 23rd, 2010

8 Responses to “Warum „Chris Paul-nach-New York“ ein unwahrscheinliches Szenario ist”

  1. George sagt:

    Danke für den guten Überblick!
    Ich muss gestehen, dass mich bereits der Free Agent Sommer, aber auch deine Interpretationsmöglichkeiten der ganzen LRMR Aktionen ein wenig an den Wrestling Zirkus und seine Inszenierungen erinnern. Nur erinnern, es soll kein Vergleich sein. Andererseits ist es aber auch spannend und macht Spaß, sich auf all die Spekulationen ein wenig einzulassen und die vielen Ifs durchzuträumen.



  2. Dimi sagt:

    wie du selbst gesagt hast, die Knicks haben Felton. Warum also einen zweiten PG – auch wenn es CP3 ist – ins Team holen und somit, wichtige Spieler wiederum abgeben zu müssen?!



  3. Jan II. sagt:

    Wieder mal ein klasse Beitrag von dir, gut recherchiert und verdammt informativ! Chris Paul wäre allerdings tatsächlich erst dann interessant, wenn man Felton dafür abgeben kann. Aber man sollte tatsächlich erstmal abwarten, wie Felton einschlägt. Wenn es stimmt, was man über ihn sagt, werden seine Stats in NY unter Coach D’Antoni explodieren. Und dann braucht man sich um einen neuen PG vielleicht ja auch gar nicht mehr zu kümmern und kann seinen Fokus auf die Position des Shooting Guards legen



  4. George sagt:

    http://www.twitlonger.com/show/2ooelf

    Schaut so aus, als würde er bei den Hornets bleiben.



  5. Jan Schaknowski sagt:

    iss ja ruhig geworden hier…

    Was denkt ihr über die Idee mit Potland – Fernandez oder die mit Indiana – Ford und Dunleavy?? Siehe theknicksblog.com….

    Ich tendire eigentlich generell gerade dazu das wir genug moves hatten (es sei denn man kann Paul oder Melo bekommen), aber über Fernandez sollte man tatsächlich nochmal nachdenken, der würde super als starting SG ins Team passen…aber Walker würde ich ungern abgeben, da will ich erstma sehn wie er sich entwickelt….



  6. Jan II. sagt:

    Jungs, ich weiß nicht, wie ihr darüber denkt, aber ich würde hier als nächstes erstmal gern einen Bericht über Lorenzen Wright lesen. Auch wenn der Gute nie für die Knicks auflief und vielleicht auch nie die schillernde Persönlichkeit war, sollte man ihm meiner Meinung nach dennoch die Ehre erweisen. Schließlich war er immer ein vorbildlicher Sportsmann, in dieser Liga gehörte er somit zu einer eher selten gewordenen Gattung. R I P Mr. Wright



  7. Robert sagt:

    Der Tod von Lorenzen Wright hat mich auch getroffen, da er mir seit seiner Rookie Saison bekannt ist und ich Ihn damals bei diversen NBA Live Titeln auch zu den Knicks geholt habe.

    Einen Artikel über Ihn zu schreiben, das maße ich mir nicht an. Seine Karriere habe ich nicht wirklich verfolgt und weiß um seine unglaublich guten Charakterzüge auch erst seit dem Gespräch mit Max gestern.
    Wright war wirklich ein Ausnahme-Mensch … so aus dem Leben zu treten ist eine Tragödie …



  8. Jan Schaknowski sagt:

    …kann mich dem nur anschließen. Ich kannte ihn zwar vom Namen her auch seit seiner Rookie-Saison, aber wirklich beschäftigt hab ich mich nie mit ihm. Aber wenn so viele (nicht nur hier) seinen guten Charakter hervorheben muss da was dran sein…



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